Weibliche Führungskräfte zur Gleichberechtigung

Weltfrauentag: Wie ungleich werden die Geschlechter behandelt?

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Katharina Esser (3.v.li.), Geschäftsführerin der Firma Hagen F. Lothes, behauptet sich in einer von Männern geprägten Branche.

Plettenberg – Heute ist Weltfrauentag. In Plettenberg gibt es auch im Jahr 2020 immer noch deutlich weniger Frauen in Führungspositionen als Männer. Die von uns befragten Plettenbergerinnen in leitender Position haben keine Probleme damit, akzeptiert zu werden.

Einzelhandel

Christiane Holzmann ist eine der wenigen Plettenbergerinnen, die einen Betrieb als Geschäftsführerin leitet. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführerin des ortsansässigen Elektrofachhandels Expert Weyand. Ihr Bruder, Thomas Holzmann, ist ebenfalls Inhaber und Geschäftsführer, die Aufgabengebiete der Geschwister sind jedoch verschieden. „Ich habe als Frau in meiner Position noch nie Probleme gehabt – mir wurde immer schon Respekt entgegengebracht“, erklärt die 53-Jährige, die etwa seit 15 Jahren das Geschäft in Eiringhausen leitet.

Sie sei nicht nur die Tochter des damaligen Inhabers und damit automatisch Erbin, sondern habe sich auch entsprechend gebildet. Mit einem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre brachte sie die perfekten Voraussetzungen für den Job mit. „Der Chefin wird natürlich auch nur mit Respekt begegnet, wenn auch sie ihren Mitarbeitern Respekt und Wertschätzung entgegenbringt“, ist sich die Geschäftsführerin sicher.

Ihr Ehemann ist auch mit im Unternehmen angestellt, allerdings ist Christiane Holzmann seine Vorgesetzte. „Das ist sicher nicht einfach, aber wir bekommen das eigentlich immer schon ganz gut hin“, erklärt sie. Das würde wahrscheinlich auch nur funktionieren, weil ihr Mann „sehr unkonventionell“ sei und überhaupt kein Problem mit Frauen in Führungspositionen habe. „Ich lasse ihm aber auch meistens freie Hand“, ergänzt sie mit einem Lachen.

Auch die eigene Familienplanung habe nicht im Schatten der Karriere stehen müssen. „Meine Töchter sind mit 17 und 19 Jahren jetzt selbst erwachsen, aber auch früher ging das alles ganz gut mit Job und Familie“, erklärt die 53-Jährige. Das sei allerdings nur möglich gewesen, da Holzmann ihre Kinder teilweise mit ins Büro nehmen konnte: „Die Kollegen hatten richtig viel Spaß mit den Kleinen und eine schöne Abwechslung im Büro“, erinnert sich die Diplom-Betriebswirtin. „Das ging allerdings nur so lange gut, bis meine Tochter eines Tages den Knopf meines Computers entdeckt hatte“, ergänzt sie lachend.

Karriere und Familie unter einen Hut bringen: Christiane Holzmann konnte sich dem Unternehmen Expert Weyand unter anderem nur widmen, weil sie ihre Kinder ab und an mit ins Büro nehmen konnte. Im Bild Thomas Holzmann (links) und Klaus Holzmann mit Christiane Holzmanns Nachwuchs.

In den folgenden Jahren mussten die Kinder dann anderweitig betreut werden. „Ich bin sehr, sehr dankbar, dass wir meine Eltern und Schwiegereltern hatten, bei denen meine Töchter abwechselnd mittags betreut wurden – anders wäre es nicht möglich gewesen, weiterhin arbeiten zu gehen“, so Holzmann.

In ihrem Unternehmen sei die geschlechtsspezifische Bezahlung kein Thema: „Unsere Mitarbeiter werden tarifgebunden bezahlt und die Bezahlung wird je nach Tarifgruppe angepasst. Da zählt nicht das Geschlecht, sondern die Gruppe“, erklärt Holzmann.

Metallindustrie

Auch Katharina Esser ist Geschäftsführerin eines heimischen Betriebes. Die Diplom-Ingenieurin für Maschinenbau übernahm 2001 die Firma Hagen F. Lothes im Elsetal. Der Betrieb mit dem ehemaligen Namen A. Vieregge-Elsethal stellt Schienenbefestigungen her.

„Ich hatte damals nach dem Studium eigentlich andere Pläne für meine Zukunft, aber es gab keinen Nachfolger für den Betrieb meines Vaters. Dann habe ich entschieden, dass ich das mache“, habe schnell für die heute 51-Jährige festgestanden.

Früher – kurz nach Beginn der Betriebsübernahme aus den Händen ihres Vaters, habe sie hin und wieder mal Probleme mit der Frauenrolle in der Branche gehabt: „Da gab es schon häufiger Gespräche mit Kunden und Lieferanten, die am Telefon zu jemandem verbunden werden wollten, der technische Fragen beantworten könne“, erinnert sich Esser. Sie sei nicht selten für die Sekretärin gehalten worden. „Heute habe ich da gar keine Probleme mehr mit. Die Akzeptanz ist viel mehr da, als noch vor 20 Jahren“, erklärt Esser. Es seien vor allem die jungen Geschäftspartner, für die es gar keinen Unterschied mache, ob eine Frau oder ein Mann in der Führungsrolle sei.

In ihrem Studiengang lag die damalige Frauenquote bei gerade einmal drei Prozent. Die männlichen Kommilitonen hätten kein Problem mit Frauen im Studiengang gehabt. „Ich wurde ziemlich häufig von Männern angesprochen, die mit mir flirten wollten – das war natürlich ganz lustig“, erinnert sie sich. Im Studium habe sie auch ihren jetzigen Ehemann kennengelernt, der mit nach Plettenberg ging und in die Firma mit eingestiegen ist. „Es gab so ein Vorurteil von vielen Dozenten damals in der Uni. Als Frau wolle man doch im Studium nur einen Ehemann finden, mit dem man dann den elterlichen Betrieb übernehmen könne, so hieß es“, erinnert sie sich.

Einige Dozenten hätten mit vergleichbar blöden Bemerkungen nicht gespart. „Das ist, denke ich in den letzten Jahren auch viel besser geworden“, glaubt Katharina Esser. Aktuell fühle sie sich jedenfalls sehr wohl in ihrer Position als Frau, die das Sagen habe.

Schulen

In der Schule werde die Gleichberechtigung ziemlich gut gelebt, findet Elisabeth Minner, Leiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Zumindest bei der Bezahlung gibt es im Schulwesen und im öffentlichen Dienst keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der gleichen Besoldungsstufe. Das sei ein Vorteil.

„Allerdings sind Frauen in Leitungspositionen, insbesondere in Gymnasien, unterrepräsentiert“, sagt Minner. Im Regierungsbezirk Arnsberg liege der Anteil der Schulleiterinnen bei etwa 26 Prozent, an Grundschulen und anderen Schulformen erreiche der Anteil hingegen fast 50 Prozent.

Ein Grund dafür sei, dass Frauen, obwohl sie genauso qualifiziert seien wie Männer, sich eine Führungsaufgabe nicht so schnell zutrauten wie diese und eher überlegten, ob sie diese wirklich schaffen und mit Familie und Kinderbetreuung vereinbaren könnten.

„Ich habe aber in meiner ganzen Laufbahn nie erlebt, dass man mir Dinge weniger zutraut als einem Mann“, sagt Minner, der die Schulleitungsaufgabe unheimlich viel Spaß mache. Das Wichtigste sei, dass Männer und Frauen ihre Führungsaufgaben qualifiziert ausfüllen.

Als Mentorin im Programm „Frauen in Führung“, mit dem die Bezirksregierung den Schulleitungsnachwuchs fördert, lässt sich Minner als erfahrene Schulleiterin von möglichen Nachwuchsrektorinnen über die Schulter schauen, um ihnen einen transparenten Einblick in die Arbeit zu geben und so ermutigt zu werden, sich selbst eine Führungsaufgabe zuzutrauen. „Das ist eine gute Möglichkeit, um Frauen zu fördern.“

Gudrun Gerhardt: „Wollen die Gleichstellung durchsetzen“

Anlässlich des Internationalen Frauentages am morgigen Sonntag fordert die IG Metall Politik und Wirtschaft nachdrücklich auf, die Gleichstellung von Frauen und Männern voranzutreiben. „Klimawandel und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt und dies darf nicht zu Lasten der Frauen gehen. Wir wollen diesen Wandel vielmehr nutzen, um mehr Gleichstellung durchzusetzen“, sagt Gudrun Gerhardt, die 1. Bevollmächtigte der märkischen IG Metall.

Dass in Sachen Gleichstellung noch Handlungsbedarf besteht, zeige sich auch daran, dass Frauen für die gleiche Arbeit häufig immer noch schlechter bezahlt würden und weniger berufliche Entwicklungsperspektiven hätten.

„Nur Qualifizierung wird langfristig die Beschäftigung sichern und daher müssen allen Beschäftigten berufliche Perspektiven geboten werden. Auch Zeit und Ort der jeweiligen Maßnahme muss den Bedürfnissen, z. B. von Eltern oder Pflegenden, angepasst werden“, so Gerhardt weiter.

Im Qualifizierungschancengesetz sieht sie ein wichtiges Instrument für die Gestaltung zukunftssicherer Arbeitsplätze. „Dieses Gesetz muss jetzt von den Arbeitgebern genutzt werden, alle Beschäftigten zu schulen, – egal ob sie in Vollzeit oder Teilzeit, angelernt oder hochqualifiziert, in der Produktion oder im Büro tätig sind“, fordert die Gewerkschafterin.

Bei tarifgebundenen Jobs in der Metallindustrie würde in der Regel auch gleich bezahlt. In nicht-tarifgebundenen Stellen würden Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer, die in der gleichen Position arbeiteten.

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