Fastenmonat Ramadan beginnt

Rückzug aus der Gemeinschaft: Muslime fürchten Corona

Die Moschee an der Bahnhofstraße in Plettenberg.
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Deutlich ruhiger sei es in der Moschee an der Bahnhofstraße aufgrund der Corona-Pandemie geworden.

Die Pandemie schränkt das religiöse Leben – wie viele andere Lebensbereiche auch – weiterhin massiv ein. So wie Christen vor gut einer Woche zum zweiten Mal Ostern unter Corona-Bedingungen feierten, beginnt nun für Muslime der Fastenmonat Ramadan, der wie schon 2020 von der Pandemie geprägt ist.

Plettenberg – Am Dienstag war für Muslime der erste Fastentag. „Im Ramadan ist es so, dass sich die Leute gegenseitig einladen, dass Familien und Freunde gemeinsam das Fasten brechen“, sagt Bülent Cakmak, Vorsitzender des Türkischen Kulturvereins.

„Schwere Zeit“

Doch dieses Gemeinschaftserlebnis ist coronabedingt in diesem wie schon im vorigen Jahr ein anderes. „Es findet in einem kleineren Kreis statt.“ Auch innerhalb der Familie würden sich weniger Personen treffen als in einem normalen Ramadanmonat, erwartet Cakmak. „Es wird für uns eine schwere Zeit.“

Denn die Furcht vor einer Ansteckung ist groß. „Die Leute haben Angst, sich mit anderen zu treffen und ziehen sich immer mehr zurück, gerade die Älteren“, berichtet der Vorsitzende des Kulturvereins. Die Gefahr, die von dem Coronavirus ausgeht, werde inzwischen wesentlich ernster genommen als zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020, unter anderem wegen der Todesfälle im Familien- und Bekanntenkreis.

„Es gab auch einige Corona-Tote in türkischen Familien“, sagt Cakmak. Die Toten werden dann so schnell wie möglich zum Begräbnis in die Türkei überführt, doch auch dort ist durch die Pandemie vieles anders. Normalerweise sei eine Beerdigung ein großes Ereignis, an dem viele Freunde und Bekannte, manchmal das gesamte Heimatdorf teilnehmen. Das ist wegen Corona unmöglich geworden. „Jetzt darf nur der enge Familienkreis teilnehmen, das tut den Leuten schon sehr weh“, sagt Cakmak.

„Weniger unterwegs“

Der Rückzug aus Angst vor Ansteckung betrifft auch das öffentliche Leben. „Ich kenne Familien, die sich komplett zurückgezogen haben und gar nicht mehr rausgehen“, sagt Cakmak. Auch er selbst habe sich etwas zurückgezogen. Den Jüngeren falle die Situation etwas leichter als den Älteren, so sein Eindruck, doch auch Kinder und Jugendliche sehe man kaum noch auf der Straße. Und diesen Eindruck hat er bei der Plettenberger Bevölkerung insgesamt. „Es sind weniger Leute unterwegs.“

In der Moschee an der Bahnhofstraße ist die Zurückhaltung und Vorsicht der türkischen Gemeinde ebenfalls spürbar, denn sie wird von viel weniger Menschen besucht als in den Zeiten vor Corona.

„Die Moschee ist offen, aber es kommen am Tag nur zwei bis drei Leute“, berichtet Cakmak. Selbst beim Freitagsgebet seien es deutlich weniger geworden. Kämen unter normalen Umständen 300 bis 350, seien es jetzt 150, wenn überhaupt.

„Etwas Angst“

Weil Mindestabstände eingehalten werden müssen, können ohnehin weniger ins Innere der Moschee, aber auch Teile der Außenfläche werden zum Gebet genutzt. Desinfektionsmittel, Masken und die Erfassung der Namen zur Kontaktrückverfolgung gehören auch zum Hygienekonzept.

Noch ungeklärt ist aber die Frage, wie viele Personen sich in der Moschee und auf dem Außengelände versammeln, genauer wie viele es dürfen, wenn die Fastenzeit am Donnerstag, 13. Mai, endet. Unter normalen Umständen kommen an den Feiertagen am Ende des Ramadanmonats 450 bis 500 Leute zur Plettenberger Moschee, in diesem Jahr – wenn überhaupt – 200, schätzt Cakmak. „Manche fühlen sich verpflichtet, dann dabei zu sein. Das macht mir etwas Angst.“

Überhaupt ist noch völlig offen, wie das Gebet stattfinden kann. „Wir werden das noch mit dem Ordnungsamt besprechen“, sagt Cakmak. „Wir wollen da auch keine Fehler machen und auch nicht, dass sich Leute infizieren.“ Der Kontakt mit der Stadt laufe sehr gut und man informiere sich gegenseitig, gerade auch wegen der häufigen Gesetzesänderungen.

Der Ramadan

Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde der Koran herabgesandt. Schwangere, Stillende und Kranke sowie Kinder sind zum Fasten nicht verpflichtet.

Das Fest des Fastenbrechens im unmittelbaren Anschluss an den Fastenmonat, zu Beginn des Folgemonats Schawwal, ist der zweithöchste islamische Feiertag.

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