Trockenheit

Kahl, schlapp, ausgelaugt: Geht die prächtige Rotbuche am Bahnhof kaputt?

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Drei trockene Jahre haben der Rotbuche am Bahnhof in Eiringhausen schwer zugesetzt. Kahl und schlapp hängen die Äste herab.

Die Rotbuche am Bahnhof in Eiringhausen ist nicht einfach irgendein Baum. Wie die Johanniskirche oder der Bahnhof selbst gehört sie fest zum Inventar des Stadtteils, ist ein Fix- und Treffpunkt für die Einheimischen und das erste, was diejenigen, die mit der Bahn nach Plettenberg kommen, zu Gesicht bekommen. „Es ist die Visitenkarte der Stadt“, sagt Tony Meyer, der sich große Sorgen um die Rotbuche macht. Seine Befürchtung: „Der Baum vorm Bahnhof geht kaputt.“

Plettenberg – Wie sehr sich der Zustand des Baums in den vergangenen Jahren verschlechtert hat, zeigt Meyer anhand von zwei Fotos. Beide wurden am 31. August aufgenommen, das eine im Jahr 2016, das zweite aus diesem Jahr. Der Unterschied ist deutlich. Das Foto von 2020 zeigt schlapp herunterhängende Äste, große Teile des Laubs hat die Buche bereits abgeworfen „Vor ein paar Jahren hatte die Buche um diese Zeit noch volles Blattwerk.“

In dessen Schatten haben sich schon Generationen von Liebespaaren zum ersten Mal getroffen, geküsst und voneinander Abschied genommen – und in einigen Fällen haben sie sich mit einem Herzchen in der Baumrinde verewigt. Und die Herzchen kletterten mit Emporwachsen der Buche immer weiter nach oben, befinden sich inzwischen in mehreren Metern Höhe.

2016 hatte die Rotbuche zum gleichen Zeitpunk noch volles Blattwerk.

Der Baum ist für viele Plettenberger also im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit, nicht nur für Tony Meyer, der auch auf Facebook auf den Zustand des Baums aufmerksam machte. „Ich bin die Rotbuche vor Eurem Bahnhof. Leute schaut hin, so langsam geht mir das Wasser aus“, schrieb er, stellvertretend für den Baum: „Die kleine Rasenfläche gibt mir in diesen trockenen Zeiten zu wenig davon. Alternativ muss ich mit den Hinterlassenschaften von vielen Hunden klarkommen.“

In die Online-Diskussion klinkte sich auch Bürgermeister Ulrich Schulte ein. Den Vorwurf, der Baum würde nicht bewässert, wies er entschieden zurück. Täglich würde der Bauhof die Rotbuche mit 1000 Litern bewässern.

Andreas Denker, Leiter des städtischen Baubetriebshofes, bestätigt, dass seine Mitarbeiter täglich nach Eiringhausen fahren, um die Rotbuche zu bewässern. Ob man sich Sorgen machen müsse, dass die Rotbuche abstirbt? „Das hoffen wir nicht und wir versuchen ihn natürlich mit Bewässerung zu retten“, sagt Denker.

Herzensangelegenheit: In der Rinde der Rotbuche haben sich über die Jahre mehrere Liebespaare verewigt.

Dass der Baum derzeit ein so schlechtes Bild abgibt, führt der Bauhofsleiter zwar nicht darauf zurück, dass die kleine Rasenfläche drumherum als Hundeklo genutzt wird, doch er sagt auch: „Schön ist es definitiv nicht, dass so viele Leute ihre Hunde auf so einer kleinen Fläche ihr Geschäft verrichten lassen.“ Das gleiche Problem habe man an der Waterkant ebenfalls.

Baumgutachter soll Rotbuche untersuchen

Grund für den schlechten Zustand des Baums ist allerdings das dritte trockene Jahr in Folge, das ihm zu schaffen macht. „Die Trockenheit nagt natürlich an allen Bäumen“, sagt Denker. Für andere städtische Bäume, die ebenfalls unter der Trockenheit leiden, hat der Baubetriebshof seit kurzem neues Material zur Verfügung, um die Bäume besser bewässern zu können. „Wir haben jetzt Bewässerungstaschen angeschafft“, sagt Denker. „Die werden an die Bäume gelegt, die sich dann nach und nach das Wasser ziehen können.“ Für die Buche in Eiringhausen nutze man diese allerdings nicht, sondern fahre täglich raus, um den Baum zu bewässern.

Trotzdem will man bei der Stadt auf Nummer sicher gehen, wie Schulte ankündigt. Ein Baumgutachter soll sich in Kürze – ein genauer Termin steht noch nicht fest – die Rotbuche anschauen. „Entweder müssen wir die Art und Dauer der Bewässerung ändern oder der Baum hat ein ganz anderes Problem – was ich nicht hoffe“, so der Bürgermeister.

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