Wem sind sie aufgefallen?

Kuriose Parkplätze: Rollator als Platzhalter oder parken mit Baum

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Weder vor, noch zurück geht es bei dem von einer Laterne begrenzen Parkplatz am Actionmarkt.

Plettenberg – Ein Parkplatz für Rollatoren? Oder gar für Bäume? Es gibt Stellflächen in Plettenberg, die den meisten Fahrern wahrscheinlich noch nie als außergewöhnlich aufgefallen sind. Leser Jochen Runig hat aber genauer hingesehen – und Kuriositäten entdeckt, die ihresgleichen suchen.

Dabei ist Runig unter anderem ein Rollator-Stellplatz in Eiringhausen aufgefallen – die Stellfläche ist zwar für das Abstellen von Pkw gedacht, Harald Schlensack, Bewohner des Altenzentrums St. Josef, nutzt sie jedoch als Parkplatz für seine Gehhilfe. Schlensack bewohnt eine Wohneinheit, also eine eigene kleine Wohnung im Heim, da er noch sehr selbstständig ist.

Deshalb hat er auch noch ein eigenes Auto – sein kleiner Opel Adam wird zwar kaum bewegt, bietet dem Rentner aber dennoch die Möglichkeit, zum Arzt oder in die Stadt zu fahren. Da er aber für eine Autofahrt irgendwie vom Altenzentrum zum Parkplatz kommen muss, und ohne Gehhilfe nicht laufen kann, bemüht er für diese Strecke seinen Rollator.

„Den muss ich ja dann irgendwo stehenlassen – deshalb stelle ich ihn dann auf den Parkplatz, wenn ich wegfahre. Ich brauche ihn ja nach der Fahrt direkt wieder“, erklärt der 82-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Altenzentrum St. Josef ist bekannt, dass der Rentner seinen Parkplatz auf diese Art und Weise reserviert.

Harald Schlensack (Mitte) nutzt eine Parkfläche am Altenzentrum St. Josef als Stellplatz für seinen Rollator.

 Einrichtungsleiterin Heike Biedermann hat vollstes Verständnis für Harald Schlensack – und auch sonst scheint es niemanden zu stören, dass der 82-Jährige hin und wieder einen privaten Rollator-Parkplatz einnimmt. Einkaufen und kleinere Touren erledigt der Plettenberger mit seinem E-Scooter. 15 km/h-schnell ist das dunkelrote Gefährt, auf das sich Schlensack verlassen kann. Wenn es dann mal schneller gehen soll, steigt er auf seinen Adam um. „Den habe ich seit 6 Jahren, bin damit aber erst 14.000 Kilometer gefahren – daran sieht man, dass ich kaum noch fahre“, so Schlensack.

 Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt befinden sich die Parkflächen des Lecker Lädchens in Eiringhausen. Hier gibt es einen klar markierten Behindertenparkplatz – auf dem ein Baum wächst.

 Die Frage, die sich auch Fotograf Jochen Runig stellt: „Wer war zuerst da? Der Baum oder der Parkplatz?“ Die Zeitung stellte Stefanie Schade vom Ordnungsamt Plettenberg diese Frage. Ihre Antwort: „Wenn man sich die Örtlichkeit etwas ‘breiter’ anschaut, so stellt man fest, dass der Parkplatz offensichtlich eine Art Kompromiss darstellt: Man hatte offenkundig das Ansinnen, Gehbehinderten einen möglichst zentral und gut anfahrbar gelegenen Stellplatz anzubieten, war aber gleichzeitig durch die Häuserausfahrt, die sich links daneben befindet, und den Baum in Bezug auf das Markierungsbild räumlich begrenzt.“

Wenn man jetzt eine übliche Parkplatzmarkierung für einen Schwerbehindertenparkplatz anstreben würde, müsste man dafür in der nachfolgenden Parkreihe zwei Parkflächen zusammenlegen. Das heißt, es entfiele einer der – in Eiringhausen ohnehin stets begehrten – Stellflächen. Schade bittet Betroffene, sich beim städtischen Ordnungsamt zu melden, falls Parkprobleme im Zusammenhang mit dem beanstandeten Parkplatz festzustellen seien. Sie verspricht: „Dann müssten wir überlegen, diesen zu entfernen beziehungsweise wie oben geschildert zu verlegen. Sofern der Parkplatz sich trotz seiner, sagen wir Besonderheit, bewährt hat, wie es uns den Anschein macht, würden wir gern an ihm festhalten“, erklärt Stefanie Schade.

Der Parkplatz mit eingebautem Natur-Element.

Doch offenbar werden die Parkplätze in Plettenberg nicht nur von Rollatoren oder Bäumen „zweckentfremdet“. Am Kundenparkplatz des Actionmarktes an der Ziegelstraße findet sich ebenfalls ein Kuriosum: Es handelt sich um zwei direkt hintereinander liegende Stellplätze. Das Problem, das hier auffällt: Einer der Parkplätze, die in Zweierreihen angelegt sind, wird durch eine Laterne mit angehängter Mülltonne versperrt. Das bedeutet: Sollte jemand in dieser Stellfläche von einem anderen Fahrzeug in der davor liegenden Parkbox zugestellt werden, gibt es kein Vor und Zurück mehr.

Die Redaktion hat beim Besitzer des Parkplatzes nachgehakt. Der Actionmarkt hat zwar neben dem Gebäude auch den Parkplatz gepachtet, Eigentümer ist jedoch die Immobilienfirma Tecklenburg mit Sitz in Düsseldorf. „Uns war diese durchaus kuriose Parkplatzsituation bislang nicht bekannt. Wir haben die Immobilie damals aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben und uns nicht ausgiebig mit der Parkplatzsituation vor Ort beschäftigt. Wir werden diesen unnutzbaren Platz aber sicherlich in den kommenden Tagen einmal zum Thema machen und uns darum kümmern“, erklärt der zuständige Projektleiter Roland Dreger. 

Sicher gibt es noch mehr kurios genutzte Stellflächen in Plettenberg. Und bei all’ den Parkplatz-Problemen, die in der Vier-Täler-Stadt immer wieder angesprochen werden, sorgen diese besonderen Stellflächen doch wenigstens für ein Schmunzeln.

Kennen auch Sie kuriose Parkplätze in der Stadt? 

In der Vier-Täler-Stadt sind Leser Jochen Runig einige Parkplätze aufgefallen, die ziemlich kurios erscheinen. Auf den einen kann man überhaupt nicht richtig parken, auf den anderen kommt man nicht mehr weg, wenn man Pech hat. Auch Parkplätze, die umfunktioniert werden, geben hin und wieder ein lustiges Bild ab.

Kennen auch Sie kuriose Parkplätze in Plettenberg? Wir freuen uns auf Fotos oder Hinweise, die per Mail (st@mzv.net) oder postalisch an die Redaktion, Offenbornstraße 1, geschickt werden dürfen.

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