Holzpreis hat sich verdreifacht

Rohstoffmangel deutlich zu spüren - „bei einem Haus gehen die Kosten rapide bergauf“

Um genug Holz für die Aufträge im Sommer zu haben, kaufte die Zimmerei Kahl bereits vor Ostern 20 Kubikmeter Holz, noch bevor die Preise stark anstiegen.
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Um genug Holz für die Aufträge im Sommer zu haben, kaufte die Zimmerei Kahl bereits vor Ostern 20 Kubikmeter Holz, noch bevor die Preise stark anstiegen.

In den heimischen Wäldern werden – auch wegen der Borkenkäferplage – große Mengen Holz geschlagen, das Angebot am Markt sollte also groß sein. Doch die Preise für Holz gehen durch die Decke, weil der Großteil des Holzes nach Übersee exportiert wird. Die Knappheit und damit verbundenen Preissteigerungen bekommen auch Handwerksbetriebe und letztlich deren Kunden zu spüren.

Plettenberg – Laut Holzwirtschaftsrat hätten die Preise für Bauholz im Mai 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 38,4 Prozent zugelegt. Dieter Kahl, Geschäftsführer der Zimmerei Kahl mit Sitz in Köbbinghausen, die ebenfalls von den hohen Holzpreisen betroffen ist, verrät auf Nachfrage, dass die Steigerungen sogar noch höher ausfallen.

„In Wirklichkeit ist der Holzpreis nach Ostern um das Dreifache gestiegen“, berichtet Kahl. Bezahlte er davor 350 Euro pro Kubikmeter Bauholz, so lag der Kubikmeterpreis vereinzelt sogar bei 1000 Euro.

Der Grund für die hohen Holzpreise seien für viele der Kunden nicht nachzuvollziehen. „Ich weiß, dass ein Großteil von dem Holz in die USA geht und die Rundstämme nach China, aber das einem Kunden zu erklären ist schwierig“, sagt Kahl. Denn der sehe das viele Holz, das in den Wäldern geschlagen und abgefahren, zum Teil auch gelagert werde. Doch bis dieses Holz verkaufsfertig sei, dauere es – mit Zuschnitt und Trocknung – Monate. Außerdem muss das Holz den Qualitätsbestimmungen entsprechen.

Kunden haben den größten Nachteil

Die hohen Holzpreise – bedingt durch die Knappheit auf dem heimischen Markt – wirken sich laut Kahl am stärksten bei längerfristigen Bauaufträgen aus, bei denen die Konditionen schon Jahre im voraus vertraglich festgelegt werden. Die Preissteigerungen beim Holz könnten dann nicht an die Kunden weitergegeben werden.

Das betreffe allerdings eher größere Betriebe, die zum Beispiel beim Bau von Fertighäusern eine Vorlaufzeit von zwei Jahren hätten. Die Zimmerei Kahl sei davon weniger betroffen, denn: „Bei uns sind die Aufträge kurzfristiger.“

Der Betrieb mit 14 Mitarbeitern lebe nicht von Neubauten, sondern mehr von An- und Ausbauten, Bedachungen, Aufstockungen und Sanierungen, erklärt der Firmenchef: „Und das ist nach wie vor gut gefragt.“

Den größten Nachteil von den Preissteigerungen habe ohnehin der Endverbraucher, erklärt er. „Früher hat ein Carport 2000 bis 3000 Euro gekostet, jetzt sind es 4000 bis 5000 Euro. Bei einem ganzen Haus geht es dann rapide bergauf“, sagt Kahl. „Es ist gewaltig, was die Leute da mehr bezahlen müssen.“

Zur Knappheit selbst beigetragen

Auch bei anderen Baustoffen wie Stahl oder Kunststoff gebe es große Preissteigerungen, wenn auch nicht so stark wie beim Holz. Wenn sich immer weniger das Bauen leisten könnten, werde die Zahl der Bauaufträge irgendwann zurückgehen, vermutet Kahl. „Im Moment ist die Nachfrage aber noch gut.“

Die Zimmerei Kahl hat – wie andere Betriebe auch – vor den großen Preissteigerungen der vergangenen Monate vorgesorgt. „Wir haben schon vor Ostern das Holz für den Sommer gekauft“, berichtet Kahl. Sein Betrieb hat einen Jahresbedarf von 150 bis 200 Kubikmetern Bauholz, hinzukommen 60 bis 80 Kubikmeter an Holzwerkstoff- und Dämmplatten, überschlägt Dieter Kahl den Holzverbrauch. Vor Ostern kaufte Kahl 20 Kubikmeter Bauholz ein. „Jeder, der Platz zum Lagern hatte und das vorfinanzieren konnte, hat das getan“, berichtet er. „Es war wie zu Beginn der Corona-Zeit mit dem Klopapier.“

Das habe auch etwas mit zur Verknappung beigetragen, gibt Kahl zu. Der Hauptgrund bleibe jedoch, dass der Großteil des Holzes exportiert werde. Eine Alternative zum Holz-Hamstern gab es aber nicht. „Wenn wir es nicht getan hätten, hätten wir jetzt keine Aufträge mehr gehabt und Leute nach Hause schicken müssen“, betont Kahl.

Preise sinken wieder

Dennoch hat auch die Zimmerei Nachteile aus den hohen Holzpreisen und dem knappen Baustoff. „Kurzfristige Arbeiten lassen sich schwer realisieren, weil es bei Holzprodukten eine Lieferzeit von etwa zwei Monaten gibt.“ Die vor Ostern gekauften Holzvorräte reichen noch für den Sommer, für den Herbst müsse man wieder neues Holz kaufen.

Für diesen anstehenden Holzeinkauf sind diese jüngsten Preisentwicklungen positiv, denn wegen der inzwischen mangelnden Nachfrage sinken auch die Preise wieder, weiß Kahl: „Im Moment bewegen sich die Preise wieder nach unten, aber nicht so rapide, wie es nach Ostern nach oben ging.“

Käferholz und Qualität

Da sich die Fraßgänge des Borkenkäfers nur direkt unter der nicht verarbeiteten Borke befinden, stellt der Käferbefall allein noch keinen Qualitätsmangel beim Käferholz dar, erklärt Dieter Kahl. Wenn das Holz zu lange im Wald liege, könne es allerdings faulen. „Wenn es sich um Blaufäule handelt, ist das nur ein optischer Mangel“, weiß Kahl. Das Holz könne aber immer noch verwendet werden, denn es sei in der Tragkraft nicht schlechter. Durch die Rotfäule hingegen verringere sich die Tragkraft des Holzes. „Das darf man nicht verwenden.“

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