Ponyhof Klinger in Plettenberg

Reitvereine im Lockdown: „Die Anfänger rennen uns weg!“

Reitunterricht gibt es auf dem Ponyhof Klinger derzeit nicht.
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An Reitunterricht ist derzeit coronabedingt nicht zu denken – auch nicht auf dem Ponyhof Klinger, wo diese Aufnahme im Jahr 2017 entstand. Besitzerin Sabine Klinger tut es vor allem um die Kinder leid. Sie hat aber auch Sorgen um die Zukunft ihres Betriebs.

Obwohl in allgemeinbildenden Schulen der Präsenzunterricht schrittweise wieder begonnen hat, bleibt die Situation in Reitschulen wie dem Ponyhof Klinger schwierig.

Plettenberg – Von einem Reitschul-Betrieb ist man in der Freizeit-Reitschule Ponyhof Klinger weit entfernt, denn Unterricht in jeglicher Form ist nach wie vor nicht erlaubt. „Die Lage ist mehr als bescheiden“, sagt Sabine Klinger. „Der Mitgliederzuwachs ist bei Null, denn es dürfen ja keine neuen Leute auf den Hof. Es ist ein Desaster.“

Von 96 Mitgliedern des Vereins kommen nur noch wenige auf den Hof. Darunter sind die drei Einsteller, die ihr Privatpferd auf dem Hof haben, und etwa zehn feste Vereinsmitglieder, die sich regelmäßig um die anderen Pferde des Ponyhofs kümmern. Die Teenager zwischen elf und 16 Jahren sind allesamt fortgeschrittene Reiter.

„Sie haben eine Pflegebeteiligung übernommen, um sich um die Pferde zu kümmern“, sagt Klinger. Das bedeutet, sie dürfen die Pferde aus Tierschutzgründen bewegen. Das hatte die Deutsche Reiterliche Vereinigung im November erwirkt, „zur Gesundhaltung der Pferde“, sagt Klinger. Sie ist froh, dass es diese Verbesserung gegenüber dem ersten Lockdown gibt, als nicht einmal das möglich war. „So sind die Pferde zumindest ein bisschen ausgelastet.“

Der Mitgliederzuwachs ist bei Null, denn es dürfen ja keine neuen Leute auf den Hof. Es ist ein Desaster.

Sabine Klinger

Natürlich sind dabei Auflagen zu beachten: Es herrscht Maskenpflicht, regelmäßiges Desinfizieren ist erforderlich, und man darf nur einzeln zu den Pferden. Um zu organisieren, wer wann da ist und um gegebenenfalls bei einem Ausfall einzuspringen, organisiert man sich per Terminplaner und Whatsapp. Aus Sicherheitsgründen lässt man einen großzügigen Zeitpuffer, damit es zu keinen Überschneidungen der Besuche und damit Begegnungen auf dem Hof kommt. „Man muss da schon immer zwei Stunden für einplanen.“

Das ist organisatorisch aufwendig, denn die Teenager, die sich um die Pferde kümmern, können das meist erst nachmittags nach dem Homeschooling.

Reitunterricht ist dagegen nicht möglich. Wenn jemand ein Pferd in der Reithalle oder draußen bewegt, dürfte noch nicht einmal eine andere Person Anweisungen rufen, sagt Klinger. Das ginge schon zu sehr in Richtung Unterricht.

Die Folgen des Unterrichtsverbots bereiten ihr Sorgen, denn die ganzen Reitanfänger – sowohl die aus dem vergangen Jahr als auch die, die dieses Jahr vielleicht mit Reiten begonnen hätten – sind dem Verein weggebrochen. „Uns läuft die Klientel altersmäßig irgendwann weg, weil sie sich dann für andere Dinge interessieren“, befürchtet Klinger. „Dann fehlt uns eine Generation an Nachwuchs.“

Selbst wenn der Reitunterricht irgendwann wieder losgeht, könnte die Fortsetzung des Hobbys am Geld scheitern, insbesondere bei finanziell schwächeren Familien. Gerade für die versucht die Freizeit-Reitschule als gemeinnütziger Verein eine Möglichkeit zu bieten, mit Pferden zu arbeiten. Bei einigen Familien ist es schon die zweite oder dritte Generation, die in die Reitschule kommt.

„Das ist für die Kinder etwas sehr Emotionales und gibt ihnen einen Motivationsschub“, sagt Klinger über die Arbeit mit den Tieren. Die tue den Kindern unglaublich gut, und den Eltern auch. „Das hält für die Kinder den Glauben an eine schöne Welt aufrecht.“

Deswegen möchte Sabine Klinger am liebsten nicht daran denken, was es langfristig bedeutet, wenn infolge von Corona Mitglieder und Einnahmen fehlen. „Wir müssen uns dann überlegen, wie es weitergeht“, sagt sie. „Wir müssen auch Futter kaufen und sind auf Spenden angewiesen.“

Und da rührt es sie umso mehr, wenn Kinder ihr Taschengeld zusammen sparen, um es für Pferdefutter zu spenden: „Auch wenn es kleine Beträge sind, der Grundgedanke ist so schön.“

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