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Reger Betrieb in den Schulen trotz Ferien: Baustellen sind der Grund

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Von: Johannes Opfermann

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Am ASG sind die alten Decken entfernt worden, zahllose Kabel liegen frei. Mit den neuen Brandschutzdecken werden auch Brandmelder eingebaut, und zwar auch in die Zwischendecke.
Am ASG sind die alten Decken entfernt worden, zahllose Kabel liegen frei. Mit den neuen Brandschutzdecken werden auch Brandmelder eingebaut, und zwar auch in die Zwischendecke. © Opfermann, Johannes

Das Schulzentrum in Böddinghausen wird in den Sommerferien zur Baustelle. Am Albert-Schweitzer-Gymnasium werden neue Decken und Brandmeldeanlagen eingebaut, um den Brandschutz zu verbessern. An der Geschwister-Scholl-Realschule wird wegen der Asbest- und PCB-Funde vor einigen Monaten bald mit einer Kernsanierung begonnen.

Plettenberg – Die Schüler genießen die Sommerferien, ruhig ist es im Schulzentrum Böddinghausen während dieser Zeit allerdings nicht. Es stehen nämlich umfangreiche Baumaßnahmen an, und das nicht nur in der Ferienzeit.

Albert-Schweitzer-Gymnasium

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium ist nur eine Woche nach Ferienbeginn eine einzige Baustelle. Mit Ausnahme des westlichen Trakts, der erst später in einem zweiten Bauabschnitt angegangen werden soll, wird im Großteil des ASG in den Sommerferien renoviert. Vorrangiges Thema dabei ist der Brandschutz, wie Bauamtsleiter Sebastian Jülich und Dirk Busch aus dem Sachgebiet Gebäudewirtschaft bei einem Ortstermin erläutern. „Die Zeit drängt natürlich, denn wir haben nur die Ferien“, so Busch. Dann Handwerksfirmen zu finden, sei allerdings nicht leicht. Trotzdem ist die Ferienzeit die einzige Option.

Inzwischen habe es sich zwar eingespielt, dass einzelne Klassenräume auch im laufenden Betrieb leergezogen und renoviert werden können, aber grundlegende Baumaßnahmen wie die Brandschutzsanierung könnten nur durchgeführt werden, wenn keine Schüler in der Schule sind, so Busch.

Im ASG sollen auf allen drei Etagen die Decken in den Fluren erneuert werden (Kostenpunkt 400 000 Euro), neue Brandmeldeanlagen installiert (105 000 Euro) und im gleichen Zug auch die Beleuchtung erneuert werden (65 000 Euro). Eine leistungsfähigere und effizientere Heizungsanlage soll die Schule ebenfalls erhalten, was inklusive Wartung 607 000 Euro kostet.

Abgehängt sind die alten Decken in den Fluren bereits, die größtenteils noch aus den 1970er Jahren stammen und seitdem nur partiell geöffnet wurden. Der Blick auf zahllose Kabel ist somit frei, die die größte Brandlast in der Decke darstellen. „Das Problem sind immer die Brände, die man nicht sieht und die sich in der Zwischendecke ausbreiten können“, erklärt Busch. Um frühzeitig warnen zu können, sodass genug Zeit zur Flucht bleibt, werden die neuen Brandmeldeanlagen nicht nur unterhalb der neuen Decken eingebaut, sondern auch in der Zwischendecke.

Die sogenannten selbstständigen Brandschutzdecken werden auf sogenannten Friesen aufliegen, die an den Seitenwänden angebracht werden. Zu Revisionszwecken können die Decken jederzeit geöffnet werden. Beim Entfernen der alten Decken stoßen die Handwerker auch auf einige Überraschungen, die vorher nicht sichtbar waren. Dazu zählen Verkleidungen, die nicht mehr heutigen Brandschutz-Standards entsprechen, aber auch zahlreiche Durchdringungen in den Wänden – zum Beispiel Rohre des früheren Belüftungssystems oder eine alte Gasleitung. All das müsse auch entsprechend entfernt werden, erklärt Bauamtsmitarbeiter Busch.

Auch in den Treppenhäusern wird der Brandschutz verbessert. In einem Fall wird das Treppenhaus mit einem großen Türelement mit Rauch- und Feuerschutztüren abgetrennt. In einem anderen Fall wird der Zugang zum Treppenhaus tiefer in den Flur hinein versetzt, damit die Brandschutztüren künftig beim Öffnen kein Hindernis im Treppenhaus darstellen. In den Treppenhäusern sollen außerdem neue Geländer angebracht werden, auch wenn sich bislang noch keine Firma auf die ausgeschriebenen Arbeiten gemeldet hat.

Da die Zeit in den Sommerferien nicht ausreicht, um das komplette ASG in dieser Weise brandschutztechnisch zu sanieren, ist der zweite Bauabschnitt für den neuesten Gebäudeteil für die Herbstferien geplant. „Wenn es hart auf hart kommt, würden wir einen Teil noch in den nächsten Osterferien machen“, so Busch, der aber in dem verbliebenen Gebäudeteil nicht mit so vielen Überraschungen rechnet wie im Rest des ASG.

Sehr aufwendig wird die Asbestsanierung. Dafür müssen sämtliche Stahlstützen freigelegt werden.
Sehr aufwendig wird die Asbestsanierung. Dafür müssen sämtliche Stahlstützen freigelegt werden. © Opfermann, Johannes

Geschwister-Scholl-Realschule

An der Geschwister-Scholl-Realschule nebenan werden aktuell bereits die Lehrer-WCs für 70 000 Euro renoviert, wesentlich umfangreicher werden aber die Arbeiten, die im Neubau-Trakt erst noch folgen sollen. Anstelle der ursprünglich geplanten Brandschutzmaßnahmen – neue Decken und Türen – steht dort nämlich wegen Asbest- und PCB-Funden eine Kernsanierung an. Die dafür nötigen Arbeiten sollen ein bis anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. Die Kosten dafür werden zurzeit noch kalkuliert.

Das Grundproblem beim Thema Asbest ist die Bauweise des Realschul-Neubaus. Während das Albert-Schweitzer-Gymnasium und auch der Altbau der Realschule in massiver Bauweise errichtet wurde, also mit einer Tragstruktur und Decken aus Stahlbeton, verfügt der Realschul-Neubau über ein Stahlskelett. Und die Stahlträger selbst müssen vor Hitze geschützt werden – und das geschah in der Vergangenheit mit Asbest.

Aus den genehmigten und von der Bauaufsicht abgesegneten Plänen für den 70er-Jahre-Bau ging dies nicht hervor, erst bei genauerer Prüfung sei aufgefallen, dass man es mit asbestverkleideten Stahlstützen zu tun hatte, erklärt Bauamtsleiter Sebastian Jülich. Alle 2,60 Meter befinden sich diese Stützen, auf der gesamten Länge des Gebäudes. Zum Teil sind die Platten aus Asbestfasern verputzt oder übertapeziert. Eine Asbestbelastung der Räume wurde bei Messungen zwar nicht festgestellt, doch beim Hineinbohren oder anderen Beschädigungen könnten Fasern freigesetzt werden. Auch bei Wasserschäden sei das problematisch, ergänzt Busch. Man hätte alle 2,60 Meter einen Warnaufkleber anbringen können, doch aufs Schulimage hätte sich das nicht eben positiv ausgewirkt. Die einzig vernünftige Lösung sei es, den gesamten Asbest zu beseitigen, erklärt Busch. „Wenn wir alle Stützen freilegen, sieht die Realschule aus wie ein Rohbau. Der komplette Neubau wird einmal auf links gekrempelt.“

So weit ist es noch nicht, dafür stehen in Klassen und Fluren zahlreiche gepackte Kisten mit Unterrichtsmaterial, die ins KBOP gebracht werden müssen. Dorthin ziehen Teile der Realschule für die Dauer der Sanierung um, während das KBOP an den Hauptstandort der Zeppelinschule verlegt wird.

Die Flexibilität der Schulleitungen und das Vorhandensein von Räumen für diese Umzüge seien ein großer Vorteil, sagt Bauamtsleiter Jülich. „So können wir umverteilen und sparen ein Provisorium.“ Ganz zu schweigen davon, dass es bei einer provisorischen Container-Lösung Platzprobleme und auch Schwierigkeiten bei der Beschaffung geben würde.

Im Zuge der Kernsanierung soll auch die Elektrik erneuert werden, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen, und das WLan besser ausgebaut werden. Auch die Heizungsrohre werden erneuert und dabei hydraulisch genau angepasst, damit das Gebäude künftig sparsamer im Verbrauch ist.

An der Realschule ist neben Asbest auch ein weiterer gesundheitsschädlicher Stoff ein Thema: PCB. Die polychlorierten Biphenyle kommen in den Dehnungsfugen vor und gasen aus, wenn es wärmer wird. Zumindest im Erdgeschoss der Schule waren die Messungen laut Bauamtsmitarbeiter Busch auffällig, sodass bis zu den Sommerferien ein Luftreiniger aufgestellt wurde. Das PCB wird entfernt, aber auch das Problem des fehlenden Luftaustauschs in den Fluren soll durch neue Türen gelöst werden. Auch die größtenteils noch aus den 70ern stammenden Bodenbeläge sollen erneuert, Wände neu gestrichen werden, erläutert Busch: „Wir machen es dann auch hübsch.“

Zeppelinschule

Umfangreichere Brandschutzmaßnahmen plant die Stadt im Übrigen auch an der Zeppelinschule, die allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden können. Es wurden allerdings bereits die Flurdecken aus Brandschutzgründen heruntergenommen und Brandmeldeanlagen eingebaut, sodass mittels einer Duldung durch den Märkischen Kreis und die Bauaufsicht ein Weiterbetrieb im kommenden Schuljahr möglich ist.

Vier-Täler-Schule

Mit dem Abbruch der as-bestbelasteten Vier-Täler-Schule soll begonnen werden, sobald der Umzug des Stadtarchivs zum Friedhahn abgeschlossen ist. Dieser läuft gegenwärtig noch. Im Bauamt geht man aber davon aus, den Abbruch noch im Juli beginnen zu können. Laut Sebastian Jülich wird der Abbruch der Schule 400 000 Euro kosten und damit weniger als die Summe von einer Million, von der man zunächst ausgegangen war.

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