Viele Plettenberger halten nichts von Hamsterkäufen

Ruhe bewahren statt hamstern: Plettenberger lassen sich vom Coronavirus nicht verunsichern

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Auch Desinfektionsmittel werden wegen des Coronavirus momentan stark nachgefragt.

Plettenberg – Der Coronavirus ist das Thema Nummer eins in der Vier-Täler-Stadt. Das Wochenende hat noch einmal mehr gezeigt, wie besorgt die Bevölkerung auf die vielen Meldungen reagiert, die über die verschiedensten Kanäle publiziert werden. Am Freitag wurde zudem noch bekannt, dass es einen Fall im Kreis gibt.

Barbara Teichmann, Geschäftsführerin des Plettenberger Krankenhauses, möchte den Plettenbergern die Angst nehmen. Sie hat eine klare Botschaft parat: „Es muss keiner die Geschäfte leerkaufen oder sich zuhause verstecken. Selbst wenn man sich ansteckt, bleibt man halt 14 Tage im Bett – aber man überlebt es in der Regel“, erklärt sie. Das sei zumindest bei körperlich gesunden Menschen der Fall.

Die Angst käme nur daher, dass sich der Virus so rasend schnell verbreiten würde: „Es kann durchaus sein, dass halb Plettenberg sich anstecken wird – aber wie gesagt, wenn man das vernünftig auskuriert, wird man nicht daran sterben.“ Auch schwächere Menschen, wie beispielsweise Senioren, sollten vor allem eines: „Ruhe bewahren“. In den kommenden Tagen werde sicherlich für besorgte Bürger eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, bei der es umfangreiche Beratungsmöglichkeiten geben werde. So sei es in den Großstädten schon der Fall.

Dass es dennoch viele besorgte Bürger in Plettenberg gibt, zeigen die sogenannten Hamsterkäufe in den heimischen Supermärkten. „Ich halte da überhaupt nichts von“, erzählt eine junge Mutter, die ihre gewöhnlichen Einkäufe fürs Baby im Drogeriemarkt erledigt. Sie habe keinerlei Sorge, dass es nicht mehr genug Lebensmittel geben werde und verstehe nicht, warum sich manche Menschen mit Vorräten eindecken.

Das Verhalten würde sie eher nerven: „Ich war am Wochenende im Supermarkt und wollte einfach nur Mehl und Zucker kaufen. Ich war entsetzt, wie wenige Päckchen noch vorrätig waren und vor allem darüber, dass die noch verbliebenen Waren beschädigt waren. Da fragt man sich wirklich, wie krank manche Menschen sind“, so die Plettenbergerin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Auch Johanna Winner hält nichts von den Hamsterkäufen: „Ich lebe in einem Zwei-Personen-Haushalt. Da braucht man eh nicht so viel. Ich kaufe weiterhin ganz normal ein und lasse mich nicht verrückt machen“, erklärt sie. Ebenso sieht es Dietmar Reimann: „Ich hamstere nicht. Ich halte da nichts von und kaufe nur das, was ich auch wirklich brauche“, erzählt er vor dem heimischen Hit-Markt an der Waskebieke.

Besonders das Toilettenpapier sei aber momentan rar, wie ein Sprecher der Drogeriemarktkette dm auf Nachfrage bestätigte. Sebastian Bayer: „Wir bei dm beobachten, dass die Nachfrage nach Toilettenpapier in unseren dm-Märkten in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen ist. An vereinzelten Standorten ist daher Toilettenpapier temporär nicht erhältlich. Wir arbeiten daran, die Verfügbarkeit der Produkte in allen dm-Märkten sicherzustellen.“

Corinna Rautenberg gehört auch nicht zu den Hamsterkäufern. „Ich kaufe ganz normal ein“, sagt sie nach ihrem montäglichen Einkauf. Allerdings, das sei ihr aufgefallen, seien Nudeln und Konservendosen fast komplett ausverkauft gewesen, Desinfektionsmitteln und Klopapier habe es kaum noch gegeben. Auch Mehl und Eier seien im Supermarkt inzwischen knapp, berichtet Özkan Yesilel, der ebenfalls ganz normal seine Einkäufe tätigt: „Große Vorräte habe ich nicht angelegt.“

Carmelo Taormina machte am Montag zwar einen größeren Einkauf, aber mit hamstern hatte das ebenfalls nichts zu tun, sondern es handele sich nur um den monatlichen Großeinkauf. Auch Taormina ist aber das geänderte Einkaufsverhalten einiger Plettenberger aufgefallen: „Drinnen war es im Vergleich zu sonst viel leerer in den Regalen.“

Auf die Frage, ob auch er wegen des Coronavirus sein Einkaufsverhalten geändert habe, antwortet Ulrich Koschate mit einem „Jein“, denn er hat ohnehin Vorräte im Keller: „Wir haben zuhause immer einen Standardvorrat von dem, was von der Verbraucherzentrale empfohlen wird. Wir könnten uns zehn Tage versorgen.“ So habe er mehr Tiefkühlgemüse gekauft. Wasservorräte legt er nicht an. „Unser Wasser ist so gut, da muss man sich nicht mit Wasserflaschen eindecken.“ Wenn er in einer Großstadt wohnen würde, täte er das aber. Große Angst angesichts des Virus hat Koschate nicht: „Ich finde, da wird übertrieben, das ist ein bisschen Panikmache.“

Eine andere Supermarktkundin, die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte, habe bei ihren normalen Einkäufen am Samstag festgestellt, dass vieles ausverkauft war. Das habe sie schon erschreckt. Am Montag holte sie dann die Einkäufe nach und orientierte sich dabei auch an Empfehlungen, vor allem haltbare Lebensmittel zu kaufen. Entsprechend standen Mehl, Nudeln, Haferflocken, Konserven und Tiefkühlkost auf dem Einkaufszettel. „Von der Menge her ist es gleich, aber die Zusammensetzung ist einfach anders“, sagt die Supermarktkundin.

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