Pläne gegen Dauerparker

Parkgebühren an der Kaiserstraße? Ärzte und Händler kritisch

An der Kaiserstraße könnten schon bald Parkscheinautomaten für rund 24.000 Euro errichtet werden. Die Stadtverwaltung schätzt die jährlichen Einnahmen auf 5.000 Euro.
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An der Kaiserstraße könnten schon bald Parkscheinautomaten für rund 24.000 Euro errichtet werden. Die Stadtverwaltung schätzt die jährlichen Einnahmen auf 5.000 Euro.

Über mehrere Stunden kostenfrei zu parken, dürfte in der Innenstadt künftig noch schwieriger werden. Denn anstelle von Parkscheibenregelungen schlägt die Verwaltung nun vor, in der Kaiserstraße – dort ist der Parkdruck besonders hoch – Parkscheinautomaten aufzustellen, um Dauerparken einzudämmen.

Plettenberg – Erst vor wenigen Monaten wurde auf dem Parkplatz am P-Center eine neue Parkregelung – maximal 90 Minuten – mit automatischer Kennzeichenerfassung eingeführt, ab September werden bei Überschreiten nun auch Bußgelder fällig, allerdings zunächst zu einem verminderten Satz von 10 Euro. Dass nun auch noch in Teilen der Innenstadt Parkgebühren erhoben werden sollen, dürfte Autofahrern ebenfalls missfallen. Doch genau das soll am kommenden Mittwoch, 8. September, um 17 Uhr im Planungs- und Umweltausschuss der Stadt diskutiert werden.

Stellplätze der Nutzung entzogen

Während in innerstädtischen Zonen mit mäßigem Parkdruck noch Parkscheibenregelungen ausreichten, sei in Zonen mit hohem Parkdruck die Einführung von Parkgebühren demnach wirksamer. Das Ordnungsamt habe festgestellt, dass vor allem in den Bereichen Kaiserstraße, Maiplatz, Umlauf, Zimmerstraße und teilweise in der Offenbornstraße ein zumindest zeitweise hoher Parkdruck besteht. „Aus diesen Bereichen mit hohem Parkdruck sticht die Kaiserstraße dann noch einmal heraus“, heißt es in der Vorlage.

Die 35 Stellplätze in der Kaiserstraße zuzüglich elf weiteren auf dem Parkplatz neben der Metzgerei Steinhoff seien zeitweise voll ausgelastet. Es werde in zweiter Reihe geparkt, die beiden Schwerbehindertenparkplätze widerrechtlich genutzt und auf Gehwegen geparkt. Zudem würde die derzeitige Parkscheibenregelung durch Weiterdrehen der Parkscheibe missbraucht. „Hierdurch werden manche Stellplätze einer Nutzung durch Patienten, Kunden und Besucher faktisch entzogen“, stellt die Verwaltung fest und verweist auf die hohe Dichte von Arztpraxen und kleineren Gewerbebetrieben. „Zu Spitzenzeiten ist es nahezu unmöglich, in der Kaiserstraße einen (legalen) Parkplatz zu finden“, so das Fazit.

Eine Reduzierung der Höchstparkdauer hält die Verwaltung für ungeeignet, denn insbesondere Patienten der ansässigen Arztpraxen seien auf das bisherige Zeitfenster angewiesen. Eine Verbesserung verspreche am ehesten die Installation von Parkscheinautomaten. Denn bei einer von der Parkdauer abhängigen Parkgebühr würden Stellplätze nur so lange genutzt, wie es zur Erledigung von Arztbesuchen, Einkäufen, Dienstleistungen erforderlich ist. Zusammen mit intensiven Kontrollen hofft man so „rücksichtsloses Dauerparken und Parkscheibenweiterdrehen“ besser eindämmen zu können.

Skepsis gegenüber „Brötchentaste“

Eine „Brötchentaste“ mit kostenlosen Kurzparkzeiten einzuführen, sieht die Verwaltung dagegen eher skeptisch, stattdessen empfiehlt sie einen sozialverträglichen niedrigen Tarif, der an die individuelle Parkdauer anknüpft. Als Beispiel wird Werdohl mit Gebühren von 0,50 Euro pro Stunde genannt, bei einer Mindestparkgebühr von 0,20 Euro für 24 Minuten.

Um die Kaiserstraße abzudecken, sollen voraussichtlich vier Automaten ausgeschrieben werden, im Haushalt wurden dafür 24.000 Euro eingestellt. Die unmittelbaren Einnahmen schätzt die Verwaltung auf 5.000 Euro im Jahr.

In befragten Geschäften und Arztpraxen an der Kaiserstraße waren die Pläne bislang unbekannt, einige wenige waren jedoch bereit sich dazu zu äußern und zeigen sich eher skeptisch.

„Ich denke, wir kriegen da erhebliche Probleme für die Praxen“, sagt Martin Boncek, dessen Facharztpraxis für Psychotherapie sich an der Kaiserstraße befindet und der zudem Sprecher der Plettenberger Ärzte ist. Er ist skeptisch, ob sich das Problem Dauerparken durch die Einführung von Gebühren und die Aufstellung von Automaten an der Kaiserstraße verbessert. „Ich würde eher sagen, dass sich dadurch nicht viel verändert.“

Das hohe Parkaufkommen an der Kaiserstraße ist unabhängig von der Parkregelung problematisch. „Es ist ein Dilemma, erstens wegen der Menge der Parkplätze und zweitens, weil sich die Struktur verändert“, sagt Boncek. Denn mit dem Hausarztzentrum am Grafweg, in dem mehrere Großpraxen zusammengezogen sind, würden sich auch deren Patienten verlagern. Die meisten Praxen würden sich auf Grafweg und Kaiserstraße konzentrieren. In unmittelbarer Nähe des Hausarztzentrums gebe es zu wenig Parkplätze und auch am Action-Markt könne man nicht mehr parken – dort gibt bereits seit über einem Jahr eine automatische Kennzeichenerfassung wie nun auch am Hit-Markt.

Die Brücke am Wall

Kostenfreies Parken sei zwar noch auf dem Parkdeck des Modeparks Röther möglich, aber für ältere Patienten sei die Einfahrt ins Parkhaus und – wenn sie schlecht zu Fuß sind – der Weg von dort zur Praxis schwierig, meint Boncek.

„Man sollte schon überlegen, ob man nicht mehr Parkplätze schafft oder einen Zugang zu den Parkplätzen am Wall über eine Brücke“, sagt er. Ein Brückenschlag auf Höhe der Feuerwache über die Else in Richtung Innenstadt ist seit langem eine Forderung unter anderem von CDU-Ratsherr Klaus Ising.

Beim Thema zusätzliche Parkplätze ist es aus Bonceks Sicht fraglich, ob die bisher zwei Behindertenstellplätze – die ohnehin häufig widerrechtlich zugeparkt würden – noch ausreichen, gerade wenn sich mehr Arztpraxen an Kaiserstraße und Grafweg befinden.

Pro Parkscheibe

Katia Fidanidis vom Kindermodegeschäft Piccolo Mondo ist zwiegespalten. Dauerparker sieht sie an der Kaiserstraße zwar auch als Problem, ist sich aber unsicher, ob die Einführung von Parkgebühren, um dieses Problem in den Griff zu kriegen, von Kunden positiv oder negativ aufgenommen werde. „Es ist schwierig, denn eigentlich sind die Kunden froh, dass sie an der Kaiserstraße mit Parkscheibe zwei Stunden parken können.“ Deswegen würde sie zur Einführung von Parkgebühren eher nein sagen.

Eine Mitarbeiterin eines Geschäfts an der Kaiserstraße, die namentlich nicht genannt werden will, zieht die bisherige Parkscheibenregelung ebenfalls der Einführung von Gebühren an der Kaiserstraße vor. Nebenan auf dem Maiplatz würden schließlich bereits Gebühren fällig. Sie weist außerdem darauf hin, dass es schwierig sei einen Parkplatz zu finden, wenn man im Bereich der Kaiserstraße arbeite.

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