Fahndung am 8. Mai 1990 bei "Aktenzeichen XY ungelöst"

Mordfall von 1989 offenbar aufgeklärt: Genugtuung für Kripo nach 31 Jahren

So flimmerte die Fahnung nach Spiridon K. am 8. Mai 1990 bei "Aktenzeichen XY ungelöst" im ZDF über den Bildschirm. Zur Vollansicht der Berichterstattung des Süderländer Tageblattes von damals klicken Sie bitte oben rechts.

Ein Mord in Plettenberg aus dem Jahr 1989 ist offenbar aufgeklärt und der mutmaßliche Täter in Griechenland gefasst worden. Das empfinden die einstigen Ermittler.

  • Ein Mord aus dem Jahr 1989 in Plettenberg-Dingeringhausen scheint jetzt aufgeklärt zu sein.
  • Der Tatverdächtige ist in Griechenland festgenommen worden, die Auslieferung wurde beantragt.
  • Nach der Reaktion der Familie geht es jetzt darum, wie die einstigen Ermittler empfinden.

Plettenberg - Der 6. April 1989 war kein gewöhnlicher Tag für Kriminalhauptkommissar Wilfried Böcker. Ein knappes halbes Jahr, nachdem George Bush US-Präsident Ronald Reagan abgelöst hatte und nur wenige Monate vor dem historischen Mauerfall in Berlin geschah in Plettenberg ein Mordfall, bei dem Böcker ermittelte, der aber bis vor wenigen Tagen ungeklärt blieb.

Umso mehr freute sich der mittlerweile pensionierte Kripobeamte, als am 29. April 2020 sein Telefon klingelte. „Der Bruder der damals ermordeten Frau rief mich an, um mir mitzuteilen, dass der von uns gesuchte Mörder der Polizei in Griechenland ins Netz gegangen ist“, berichtete Böcker. 

Tötungsdelikt von 1989 in Plettenberg: "Gut um uns gekümmert"

„So etwas freut einen natürlich, denn ein Mord verjährt nie und es ist schön, wenn der Fall nach so vielen Jahren zum Abschluss gebracht werden kann“, sagte Böcker, der am 6. April 1989 die Leiche der 25-Jährigen im noch laufenden Auto gefunden hatte.

Grigorios Alexiou, der Bruder der Ermordeten, bescheinigte dem Kriminalhauptkommissar aus Plettenberg, eine gute und akribische Arbeit geleistet zu haben. 

Kriminalhauptkommissar Wilfried Böcker (vorne) reiste zur Vorstellung des Plettenberger Mordfalls nach München zu der von Eduard Zimmermann moderierten Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Dabei entstand 1990 dieses Foto, auf der auch die vor wenigen Tagen verstorbene Sabine Zimmermann (5.v.li.) zu sehen ist.

„Die Polizei und vor allem Herr Böcker haben sich gut um uns gekümmert und alles getan, um den Mörder zu finden“, erinnert sich Alexiou im Gespräch mit unserer Zeitung.

+++ So empfindet Familie des Opfers nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders +++

Und so wunderte es auch nicht, dass Wilfried Böcker in Abstimmung mit der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis in Iserlohn seinerzeit zu einem ungewöhnlichen Mittel griff, um die europaweite Fahndung des direkt nach der Tat geflohenen Spiridon K. knapp ein Jahr nach der Tat doch noch zum Erfolg zu führen.

Tötungsdelikt von 1989 in Plettenberg: Fall 8 am 8. Mai 1990

„Ich bin damals mit dem Auto nach München gefahren und habe in der Sendung 'Aktenzeichen XY ungelöst' den Mordfall in Plettenberg vorgestellt“, erzahlt der heute 73-jährige Pensionär. 

Moderator Eduard Zimmermann präsentierte die Bluttat vor fast auf den Tag genau 30 Jahren als „Fall 8“ mit der Telefonnummer der damals von Jürgen Henke geleiteten Polizeistation an der Zeppelinstraße.

+++ Mordfall von 1989: Zustand des Tatverdächtigen kritisch - Auslieferung fraglich +++

Daneben wurde in der am 8. Mai 1990 ausgestrahlten Sendung knapp ein Jahr nach der Tat auch das Fahndungsfoto von Spiridon K. gezeigt. Den Zuschauern an den Plettenberger TV-Bildschirmen war das Bild bereits bekannt, denn der damalige Chefredakteur Horst Hassel hatte das Foto bereits am Tag nach dem Mord in der ST-Mittagsausgabe veröffentlicht.

Tötungsdelikt von 1989 in Plettenberg: Nur wenige Hinweise

Wie Redakteur Guido Günther im Mai 1990 berichtete, war die Plettenbergerin mit mehreren Kopfschüssen auf dem Parkplatz in Dingeringhausen ermordet worden. Spiridon K. habe die 25-Jährige damals überreden wollen, eine Beziehung mit ihm einzugehen, was diese aber abgelehnt hatte. Kurz darauf hatte der 37-Jährige die tödlichen Schüsse abgefeuert und war geflüchtet.

Die Polizei vermutete den Aufenthaltsort damals in Deutschland, nachdem sich der Gesuchte zunächst nach Italien oder Griechenland abgesetzt haben sollte. 

In Plettenberg gingen nach der Sendung wenige verwertbare Anrufe ein. Ein Zuschauerhinweis führte nach München, doch zum Bedauern von Wilfried Böcker und dem gesamten Ermittlungsteam der Kreispolizeibehörde führte auch diese Spur nicht zum Erfolg.

Tötungsdelikt von 1989 in Plettenberg: Kommissar Zufall

Gelöscht wurde die Fahndungsakte aus Plettenberg aber nie. Und als die griechische Polizei vor wenigen Tagen den Namen des Mannes in das Fahndungssystem eingab, erschien der immer noch laufende, internationale Haftbefehl am Bildschirm.

Entsprechend groß ist heute die Freude bei Wilfried Böcker, aber auch bei Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski, der sich gut an den Mordfall erinnern kann: „Manchmal muss Kommissar Zufall helfen, so ein abscheuliches Verbrechen Jahrzehnte später abzuschließen“, sagte Boronowski zu dem unverhofften Fahndungserfolg. Damit kann ein „Cold Case“ der Kriminalgeschichte des Märkischen Kreises geschlossen werden.

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