1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

„Nicht mehr ausreichend Fahrgäste“: Bürgerbusverein im MK löst sich auf

Erstellt:

Von: Johannes Opfermann

Kommentare

Der Plettenberger Bürgerbus nahm im Jahr 1995 seinen Betrieb auf. Doch seit mehreren Jahren sind die Fahrgastzahlen rückläufig.
Der Plettenberger Bürgerbus nahm im Jahr 1995 seinen Betrieb auf. Doch seit mehreren Jahren sind die Fahrgastzahlen rückläufig. © Bürgerbus

Seit einem Vierteljahrhundert, genauer dem 15. Mai 1995, ist der Plettenberger Bürgerbus auf mehreren Strecken im Stadtgebiet unterwegs. Die meist älteren Stammkunden fuhren gerne mit ihrem Bürgerbus, Fahrer und Fahrgäste kannten sich gut. Doch nun ist Schluss.

Plettenberg – „Zum 31. Juli stellt der Bürgerbus den Betrieb ein“, sagt Beate de Jong-Teipel, Vorsitzende des Bürgerbusvereins. „Für unsere Fahrgäste bedauern wir diesen Schritt sehr. Unsere ehrenamtlichen Fahrer steuern den Bus täglich engagiert und motiviert, und haben in den langen Jahren ein Vertrauensverhältnis zu unseren Fahrgästen aufgebaut. Das wird uns fehlen.“

In den vergangenen Jahren war Fahrermangel ein Dauerthema. Immer wieder suchte der Verein auch über die Heimatzeitung nach neuen Fahrern. Nachdem 2021 zwei neue Fahrer gewonnen werden konnten, verfügt der Verein nun über zehn ehrenamtliche Fahrer. Doch dass der Betrieb nun eingestellt wird, liegt an zu wenig Passagieren.

„Es ist so, dass wir nicht mehr ausreichend Fahrgäste haben“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Wir befördern fast ausschließlich ältere Stammfahrgäste und erhalten damit deren Mobilität.“ Mit Maßnahmen wie dem Verteilen von Flyern, persönlichen Gesprächen oder Presseartikeln versuchte man die Fahrgastzahlen zu steigern, doch all dies war leider nicht erfolgreich. Auch der mögliche Schub, den man sich von einer 25-Jahr-Feier im Ratssaal erhofft hatte, fiel flach, denn die geplante Feier konnte 2020 nicht stattfinden.

Fahrgastrückgang über Jahre

Noch ein Grund für den Fahrgastrückgang: Die in Plettenberg angebotenen Alternativen, unter anderem von Caritas, Diakonie und DRK, würden von den älteren Mitbürgern gerne genutzt. „Darüber hinaus wird das eigene Auto von den Senioren häufig bis ins hohe Alter gefahren“, erklärt de Jong-Teipel. Die Bürgerbusfahrer seien überaus engagiert. „Aber sie fahren häufig ohne Fahrgäste, das war früher anders.“

Der Rückgang der Fahrgastzahlen war ein langer Prozess. „Bereits seit der Anschaffung des aktuellen Busses, im Jahr 2015, konnten wir leichte Rückgänge bei den Fahrgastzahlen erkennen“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Allein 2018 verzeichnete der Bürgerbus einen Rückgang von minus 34,5 Prozent gegenüber 2017. „Auch in den Folgejahren hatten wir leichte Rückgänge, und dann kam die Corona-Pandemie.“ Bis Ende 2021 sanken die Fahrgastzahlen weiter. „Bei den Fahrgästen mit Schwerbehinderung ist der Rückgang noch eklatanter“, berichtet de Jong-Teipel.

Das Problem zurückgegangener Fahrgastzahlen betreffe zwar auch andere Bürgerbusvereine, doch im Gegensatz zu diesen könne man den Rückgang nicht kompensieren. So bleibt nur der drastische Schritt, den Betrieb einzustellen. „Uns laufen einfach die Kosten davon.“

Für dieses Jahr würde nämlich die Anschaffung eines neuen Niederflurbusses anstehen. „Diese Investition würde den Verein rund 100 000 Euro kosten. Es gibt zwar einen Zuschuss vom Land NRW für den Bürgerbus, der den normalen ÖPNV ergänzt, trotzdem ist die Anschaffung aus wirtschaftlicher Sicht, bei den geringen Fahrgastzahlen, nicht zu verantworten“, sagt die Bürgerbus-Vorsitzende. „Nur durch die fixe monatliche Einnahme für die täglichen Fahrten zur Kita nach Himmelmert im Auftrag der Stadt Plettenberg und dank unserer Sponsoren können wir unsere Ausgaben für Diesel, Busreparaturen, Reifen, und anderes decken. Die monatlichen Einnahmen durch Fahrkartenverkauf sind nicht kostendeckend.“

Bis zum 31. Juli wird der Fahrbetrieb aufrecht erhalten, damit die Fahrten zur Kita bis zum Ende des Schuljahres ordnungsgemäß bedient werden. Die Entscheidung, die endgültig feststeht, wurde auch bereits der MVG, Bürgermeister Ulrich Schulte sowie den Fahrgästen mitgeteilt. Der Bürgerbusverein hofft, dass die MVG für die Fahrgäste aus der Bremcke und im Käsebrink eine Anruf-Linienfahrt (ALF) einrichten und in Pasel den bestehenden ALF-Halt in die Dorfmitte verlegen würde.

Am Montag, 25. April, um 17 Uhr trifft sich der Verein noch einmal zu einer regulären Mitgliederversammlung.

Auch interessant

Kommentare