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„Nicht kostendeckend“: Keine Beratung mehr für Bahntickets im Reisebüro

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Von: Johannes Opfermann

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Thorsten Schröder, Reiseland-Inhaber, hier mit Mitarbeiterin Bozena Hiller-Jarnuczak, bedauert es zwar, keine Bahntickets mehr anbieten zu können, doch der Service sei einfach nicht mehr kostendeckend gewesen.
Thorsten Schröder, Reiseland-Inhaber, hier mit Mitarbeiterin Bozena Hiller-Jarnuczak, bedauert es zwar, keine Bahntickets mehr anbieten zu können, doch der Service sei einfach nicht mehr kostendeckend gewesen. © Jeide, Michael

Das Abellio-Aus und der Stotter-Start beim IC sind nicht die einzigen Schwierigkeiten beim Bahnfahren im Lennetal. Auch der Kauf von Tickets vor Ort wird schwieriger, nachdem ein weiteres Reisebüro diesen Service nicht länger anbietet.

Plettenberg/Lennetal – Eine Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hatte die Redaktion darauf aufmerksam gemacht, dass schon seit dem 1. Januar keine Bahntickets mehr im Reiseland Plettenberg gekauft werden können. „Das finde ich schade, das Bahnfahren wäre eine Alternative zum Auto“, sagt sie. „Man hatte zack-zack die richtigen Zugverbindungen und konnte auch Sparpreise bekommen – das war kein Problem“, verweist auch die Leserin auf den Service, der nun vor Ort fehlt.„Ich finde das unmöglich von der Bahn. Da braucht man nicht damit zu werben, vom Auto auf die Bahn umzusteigen.“

Nicht mehr kostendeckend

Auf Nachfrage bestätigt Reiseland-Inhaber Thorsten Schröder, dass sein Reisebüro seit dem Jahreswechsel keine DB-Agentur mehr ist und somit auch keine Bahntickets mehr vor Ort verkauft. „Dass damit Schluss ist, liegt daran, dass die Bahn die entsprechenden Verträge ändern wollte. Es ist dadurch nicht mehr kostendeckend.“

Die Marge beim Ticketverkauf setzte sich bislang aus einem Mix aus einer Servicegebühr und einer Provision zusammen. „Da funktionierte das ganz gut“, sagt Schröder. Doch die Vergütung seitens der Bahn falle nun weg.

Die Agentur aufrechtzuerhalten koste aber Geld, denn es seien entsprechende Versicherungen erforderlich und für den Ticketdruck müsse auch spezielles Bahnpapier verwendet werden, nennt Schröder Beispiele.

Denn auch er bedauert es, diesen Service nicht mehr länger anbieten zu können. „Das Büro hatte diese Agentur 60 Jahre lang“, erklärt Schröder. „Es wurde ganz gut angenommen, gerade von Älteren.“

Diese buchten Fernverbindungen, zum Teil aber auch Fahrten im Nahverkehr. „Wir haben uns dabei um alles gekümmert.“ Zum Beispiel wenn jemand eine Umsteigehilfe benötigte, sei dies schon bei der Buchung berücksichtigt worden. „Das muss der Kunde jetzt selbst für sich machen.“

Bahn: Entscheidung des Reisebüros

Auch die Deutsche Bahn äußert sich auf Nachfrage zur Situation. Was den Verkauf von Nahverkehrskarten angeht, habe der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) die Entscheidung getroffen, sich hierbei ab dem 1. Juli 2021 nur noch auf Ticketautomaten sowie auf die digitalen Vertriebswege zu konzentrieren.

Dazu, dass das Reisebüro keine DB-Agentur mehr ist, schreibt ein Bahnsprecher Folgendes: „Es liegt in der Entscheidung des Reisebüros, ob die DB-Agentur weitergeführt wird. In Plettenberg hat sich unser Partner dazu entschlossen, sich auf das touristische Portfolio zu konzentrieren und künftig keine Fahrkarten für die DB oder den Westfalentarif mehr im Reisebüro zu verkaufen.“ Zum Buchungsaufkommen in einzelnen Agenturen, also wie stark das Angebot nachgefragt wurde, macht die Bahn keine Angaben.

Der Bahnsprecher verweist auf die Alternativen, die sich den Kunden beim Ticketkauf bieten. Direkt am Bahnhof Plettenberg stehe ein Ticketautomat zur Verfügung. Fahrkarten des Fernverkehrs könnten zum Beispiel auch telefonisch (mit persönlicher Beratung) über die Rufnummer 0 30 - 29 70 geordert werden. „Eine Zustellung der Tickets ist postalisch, digital als Online-Ticket oder auch zur Abholung am Automaten hinterlegt, möglich“, betont der Sprecher.

Aus Sicht der Leserin ist allerdings die Ticketbestellung über das Internet nicht so einfach, insbesondere für viele ältere Mitbürger. Genauso unsicher sei es, ob man mit dem Ticketkauf am Automaten zurechtkomme und die richtigen Verbindungen finde. Wenn sie einfach so drauf los fahre, wisse sie nicht, ob sie im Zug noch ein Ticket lösen könne und ihre Anschlüsse kriege, sagt sie.

Als weitere Alternative bleibt, eine andere DB-Agentur aufzusuchen, die ebenfalls den Ticketverkauf vor Ort anbietet. Von Plettenberg aus am nächsten ist das Tui-Reisebüro in Finnentrop. Doch auch dies wird nur noch bis Ende Februar als DB-Agentur tätig sein.

Auch Agentur in Finnentrop bald zu

„In Finnentrop sind wir aktiv auf der Suche nach einem potenziellen Nachfolger im direkten Bahnhofsumfeld für die zum 1. März 2022 gekündigte DB-Agentur“, so der Bahnsprecher zu der anstehenden Schließung der DB-Agentur in der Nachbarstadt. „Wir sind hierzu in einem regen Austausch mit der Gemeinde, die uns tatkräftig unterstützt und guter Hoffnung, dass wir bald wieder einen Verkauf in gewohnter Qualität anbieten können.“

In Finnentrop stehe den Kunden bereits heute direkt am Übergang zu den Gleisen zusätzlich der mit dem NWL vereinbarte „Persönlicher Informations Assistent“ (PIA) zur Verfügung, bei dem es sich um einen Ticketautomaten handelt, bei dem man auf Wunsch eine Unterstützung oder Beratung für Tickets des Nah- und Verbundverkehrs per Videoübertragung anfordern könne.

In einer weiteren DB-Agentur in Altena – im Reisebüro Zöller – soll dagegen alles beim Alten bleiben, versichert Inhaber Thomas Eltzner: „Wir haben nicht vor, das zu ändern.“ In Zeiten von Corona und Streckensperrungen sei es zwar schwierig, zu sagen, wie stark der Bahn-

ticketverkauf noch angenommen würde. „Die Bahn macht aber immer noch einen Teil des Geschäftes aus und gehört für uns als Vollservice dazu“, sagt Eltzner.

Für Plettenberger käme von der Entfernung her auch noch eine weitere DB-Agentur in Betracht, das Derpart Reisebüro in Attendorn. Dort ist es, so ist auf Nachfrage zu erfahren, weiterhin möglich, Bahntickets zu erwerben. Von Plänen, den bisherigen Service nicht mehr anzubieten, sei nichts bekannt.

Der Bahnsprecher nennt zudem noch die DB-Agenturen in Lüdenscheid und Lennestadt-Altenhundem als Alternativen für eine persönliche Beratung. Für die Leserin scheint das keine Option zu sein: „Ich kann doch nicht mal eben nach Lüdenscheid fahren.“

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