Kindergärten: Eingeschränkter Normalbetrieb bedeute nicht gleich Normalität

Der neue Kita-Alltag bedeutet für alle eine Umstellung

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Auch in den Plettenberger Kitas herrscht seit Montag wieder Normalbetrieb. Von Normalität sei man jedoch noch immer weit entfernt. 

Plettenberg – Seit dem vergangenen Montag sind Kitas und Kindergärten wieder für alle Kinder geöffnet. Eine Rückkehr zur Normalität sei es dennoch nicht, denn der eingeschränkte Normalbetrieb stelle die Einrichtungen vor einige Herausforderungen.

Im Evangelischen Familienzentrum Eiringhausen habe der Betrieb in den ersten Tagen gut funktioniert, berichtet Leiterin Sabine Arndt, dabei hatte ihre Einrichtung eine große Umstellung zu bewältigen: „Wir mussten von einem ganz offenen auf ein Gruppenkonzept umstellen.“ Die Räumlichkeiten seien dafür günstig, für die einzelnen Gruppensettings habe man sogar separate Eingänge einrichten können, um die Begegnung so gering wie möglich zu halten. Mit Hinweisen und auch Eingangsskizzen seien die Eltern vorab informiert worden, sodass dies auch gut funktioniere.

Einige Eltern hätten kein Verständnis

Dennoch gebe es auch Schwierigkeiten, da es sich eben um einen eingeschränkten Regelbetrieb handelt. Das heißt, der Betreuungsumfang ist bei allen Eltern um zehn Stunden reduziert worden, gleichzeitig müssen aber alle Auflagen erfüllt werden. Es sei daher nicht möglich, den Eltern bei ihrem Betreuungsbedarf zeitlich entgegenzukommen. Auch ein Mittagessen könne nicht angeboten werden, aufgrund der einzuhaltenden Abstände und der maximalen Zahl von vier Kindern pro Tisch, erklärt Arndt. Einige Eltern hätten dafür kein Verständnis, sagt sie. Stattdessen habe man die Eltern gebeten, den Kindern mehr in die Brotdose zu packen, damit sie eine zweite Brotzeit machen können.

Diese muss dann aber wie schon die erste Frühstückspause vom Personal beaufsichtigt werden. „Die Kinder dürfen ihr Frühstück nicht teilen und auch nur aus ihren eigenen Flaschen trinken.“ Deswegen dürfe auch die Trinkstation nicht genutzt werden. Hinzu komme, dass die Kinder beim Gang auf die Toilette begleitet werden müssten.

Coronavirus: Nach der Pause läuft in den Kindergarten ein eingeschränkter Normalbetrieb

Der Arbeitsschwerpunkt des Personals hat sich also verändert. „Die Tätigkeit ist weniger auf den pädagogischen Umgang gerichtet, sondern auf die Einhaltung der hygienischen Auflagen“, sagt Arndt.

Die Kinder hätten auf der anderen Seite keine Probleme damit gehabt, sich auf den neuen Kita-Alltag umzustellen. „Wir hatten es uns dramatischer vorgestellt“, gibt die Kita-Leiterin zu. Ein Trauma von der langen kitafreien Zeit habe sie noch bei keinem Kind feststellen können. Schließlich seien sie eine längere Kita-Schließung auch von den Sommerferien gewohnt. „Sie sind zurückgekommen, als wäre die Kita nie geschlossen gewesen“, sagt Arndt.

Dass sich die Kinder nicht so frei bewegen oder untereinander besuchen dürfen, würden sie schnell lernen. „Es ist nicht schön, aber die Kinder verstehen: Das ist wegen Corona.“

Arndt hofft, dass der Betrieb nun bis zu den Sommerferien so weiterlaufen kann und nicht noch einmal alles umgeschmissen werden muss. Für die Zeit nach den Schulferien hofft sie auf eine Rückkehr zu einem wirklichen Normalbetrieb: „Wir wünschen uns sehnlichst einen ganz normalen Kindergartenbetrieb.“

Kinder reagieren unterschiedlich

Von diesem ist man auch in der DRK-Kita Anneliese Pfeiffer in Ohle noch entfernt, sagt Leiterin Diana Neuhaus: „Es ist auf jeden Fall für alle eine Umstellung.“

Für die Kinder sei die Rückkehr in den noch nicht ganz normalen Kita-Alltag auch eine Umstellung. Sie gingen sehr unterschiedlich damit um, so Neuhaus: „Einige Kinder, die gerade erst ihre Eingewöhnung hatten, fangen von vorne an.“ Bei den älteren Kindern sei es dagegen unkompliziert. „Die Größeren sind ganz fröhlich gekommen, aber es ist trotzdem alles anders.“

Überall seien Schilder angebracht, die auf Hygieneregeln hinweisen. „Es ist manchmal schwierig, den Kindern zu erklären, dass sie die anderen Kinder nicht treffen dürfen“, sagt sie. Man versuche es ihnen auf kindgerechte Weise begreiflich zu machen, dass die Gruppen voneinander getrennt bleiben müssen – und das auch im Außenbereich. „Ein paar kleinere Kinder haben da schon geweint, aber die größeren haben es ganz gut aufgenommen“, sagt Neuhaus. Es komme dabei auch darauf an, was die Kinder zuhause von der Coronakrise mitbekommen hätten. Dennoch seien einige Kinder auch genervt von den Einschränkungen, wie Neuhaus berichtet: „Ein Kind sagte: Es reicht jetzt mit Corona.“

Beim Mittagessen gebe es in der DRK-Kita zum Glück kein Platzproblem. Die Abstandsauflagen seien so gerade umsetzbar. „Es dürfen nur vier Kinder an rechteckigen Tischen sitzen und man darf sie nicht zu langen Tafeln zusammenschieben“, sagt Neuhaus. Das sei es eine logistische Herausforderung, denn mehr als die 22 Kinder, die in der Kita ein Mittagessen bekommen, dürften es nicht sein. „Es kommt gerade so hin, dass es funktioniert.“

Personal-Einsatz äußerst schwierig

Auch Neuhaus berichtet aber von den Schwierigkeiten, die dadurch entstehen, dass die Betreuungszeiten um jeweils zehn Stunden reduziert wurden und auch die Notbetreuung für Eltern in bestimmten systemrelevanten Berufsgruppen wegfällt. Das stelle Eltern vor eine große Herausforderung, sagt Neuhaus. Auch Erzieherinnen mit Kindern im Kita-Alter seien davon betroffen und somit nicht voll einsetzbar.

Durch die fest zugewiesenen Erzieherinnen für die einzelnen Gruppensettings ergebe sich eine zusätzliche Schwierigkeit, wie Neuhaus berichtet: „Wir dürfen nicht einspringen, wenn Kollegen durch Krankheit ausfallen.“ Laut Anforderung sind jedem Setting (Kinder-Gruppe) zwei Erzieherinnen fest zugeteilt. Wenn sich aber eine im Urlaub befindet und die zweite krank wird, dürfe keine Erzieherin aus einer anderen Gruppe einspringen, so Neuhaus. Man müsse also in so einem Fall mit dem Träger nach einer Lösung suchen. „Es ist sehr kompliziert.“

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