Sentiris stellt Konzept vor

Naturnahe Kinderbetreuung: Das sind die Pläne für eine Hofkita in Plettenberg

Der Bauernhof soll zu einer Kita umgebaut werden.
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Auf dem Gelände des Bauernhofs, hier die Hofeinfahrt, soll die links zu sehende Scheune für die Kita umgebaut werden.

Zum Beginn des Kitajahres 2022/23 möchte der Träger Sentiris in Plettenberg-Teindeln eine naturnahe Hofkita an den Start bringen. Geschäftsführer Kristian Hamm stellte das Konzept am Donnerstag (10. Juni) im Jugendhilfeausschuss vor. Dabei stellte er die Vorzüge des Bauernhofgeländes heraus, ging aber auch auf einen großen Nachteil ein: Die Lage direkt an der B236.

Plettenberg – Vor anderthalb Jahren sei Anke Fürst, die schon einmal in Holthausen ein Waldkita-Projekt initiieren wollte und inzwischen in der Sentiris-Kita Wunderland in Halver als Gruppenleitung arbeitet, auf ihn wegen eines solchen Projekts in Teindeln zugekommen, berichtete Hamm. So entstand der Kontakt zu Dirk Hesmer, dem Besitzer des Bauernhofgrundstückes.

Vor Ort fanden erste gemeinsame Gespräche der drei Projektinitiatoren mit Jugendamtsleiter Michael Schröder statt, auch eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt.

Kita auf zwei Etagen

Das Gelände eines ehemaligen Bauernhofs mit mehreren Hofgebäuden, weitläufigen Außenflächen und einem nahen Waldstück würde erlauben, ein naturnahes Kita-Angebot zu schaffen. „Es ist wichtig, dass kleine Menschen in einer naturnahen Umgebung aufwachsen und sie frühzeitig entdecken“, erläuterte Hamm den pädagogischen Ansatz. Auch mit Themen wie Ökologie kämen Kinder so früh in Kontakt.

Die über 350 bis 550 Quadratmeter große Nutzfläche der Scheune, die laut Konzept für die Kita umgebaut werden soll, würde Platz für zwei großzügige Gruppen und die dazugehörigen Differenzierungsräume bieten. Zusammen mit dem Halveraner Architekturbüro CL-Architektur soll der Um- und Ausbau zu einer modernen Kita so geplant werden, dass der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt.

Neben Fördermitteln, um die man sich frühzeitig bemühen möchte, würde auch Immobilienbesitzer Dirk Hesmer in das Projekt investieren.

Auf den zwei Etagen besteht ausreichend Platz, um Räume für die Kinder und das Personal zu schaffen sowie für einen Ruheraum für die jüngeren Kinder und die notwendigen Sanitärräume. Das Außengelände ist vom Gebäude aus barrierefrei zugänglich, auch das Obergeschoss der Scheune ist über eine Rampe barrierefrei zu erreichen.

In direkter Nähe zu Wald und Wiesen könnten dort 45 Kinder (inklusive einer potenziellen Waldgruppe bis zu 65 Kinder) betreut werden. Je nach Bedarf der Familien sollen die üblichen Betreuungsumfänge von 25, 35 und 45 Wochenstunden, aber auch eine Randzeiten-Betreuung angeboten werden.

Das Projektteam hinter der Hofkita besteht aus Dirk Hesmer, dem Besitzer der Hofimmobilie, Sentiris-Geschäftsführer Kristian Hamm und Pädagogin Anke Fürst.

Zunächst zwei Gruppen

Angedacht wären zunächst zwei Gruppen in den Gruppenformen I (20 Kinder im Alter von zwei Jahren bis zur Einschulung) und III (25 Kinder im Alter von drei Jahren und älter).

Auf Nachfrage von Helge Staat (SPD) erklärte Hamm, ein Ausbau für den U3-Bereich sei durchaus möglich. Perspektivisch sei eine Erweiterung um eine weitere Gruppe, auch in der Gruppenform II (zehn Kinder unter drei Jahren) denkbar.

Zum Thema Waldkita habe Sentiris bereits allgemein Kontakt mit dem zuständigen Landesjugendamt des LWL aufgenommen, nicht aber konkret in Bezug auf das Vorhaben in Teindeln. Hier habe man erst mit dem Plettenberger Jugendamt und nun dem Jugendhilfeausschuss sprechen wollen.

Durch den Umbau der Scheune hätte man nicht eine reine Waldkita, erläuterte Hamm: „Wir möchten eine Mischform realisieren.“ Die Nutzung der Obstwiesen, Gemüseanbau und auch Tierhaltung seien im Rahmen einer Hofkita möglich, aber auch, dass die Kinder sich in kindgerechten Räumen aufhalten können. „Es gibt hier viel Platz, damit sich die Kinder geschützt und ungestört entwickeln können.“

Das Außengelände solle unter Einbeziehung einer Landschaftsarchitektin so geplant werden, dass es sowohl für U3- als auch Ü3-Kinder sicher ist.

Auf zwei Etagen der Scheune, hier das Obergeschoss, ist reichlich Platz für die Kita-Räume.

Lage an B236 ein Problem

Doch so idyllisch die Lage in Teindeln auch ist, bringt sie auch Nachteile mit sich. Das Hofgrundstück grenzt direkt an die vielbefahrene Bundesstraße 236. „Das ist suboptimal“, musste auch Kristian Hamm eingestehen.

Birgit Langhammer (CDU) meinte, für Eltern wäre die Lage an der B236 ein Grund, das Kind nicht in eine dort gelegene Kita zu schicken. „Ich sehe das etwas kritisch. Das ist eine böse Ecke.“ Ob sich an der Verkehrssituation an der Bundesstraße leicht etwas ändern ließe – Hamm hatte eine eventuelle Verkehrsberuhigung im Bereich der Kita angesprochen – zeigte sich Langhammer skeptisch.

Hofbesitzer Dirk Hesmer, der die Sitzung als Zuhörer verfolgte, sah das nicht ganz so aussichtslos: „Die Stadt Plettenberg hat sich seit Jahren bemüht, die Verkehrssituation dort zu entschärfen.“ Er bestätigte aber wie auch Hamm, dass es auf dem Gelände Möglichkeiten gebe, um einen Parkplatz zu errichten. „So könnten wir eine gute Bring- und Abholsituation schaffen“, sagte Hamm.

Dass diese nötig ist, liegt an der Lage weit entfernt von den Stadtzentren von Plettenberg und Werdohl – für Familien dort könnte die Kita ebenfalls interessant sein. Kinder müssten also gebracht werden. Auch hier gäbe es aber Ansätze für eine Problemlösung, teilte Hamm den Ausschussmitgliedern mit. Ein Autohändler aus dem Sauerland habe signalisiert, dass er einen Shuttle-Service – auch mit Hybridfahrzeugen – anbieten könne, wenn die Kita realisiert würde.

Keine Elite-Kita

Denn die Kinder sollen nicht nur für Familien erreichbar sein, die über zwei Autos verfügten und die Kinder täglich bringen und abholen könnten.

„Es soll ein Kindergarten sein, der allen Kindern offensteht und gleiche Bildungschancen für Kinder aus allen Schichten und Milieus bietet“, erklärte Hamm. Ob das Kita-Projekt weiterverfolgt wird, hängt nun von den weiteren politischen Diskussionen ab, die am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss allerdings zunächst im nicht-öffentlichen Teil stattfanden.

Sentiris

Die gemeinnützige Sentiris GmbH mit Sitz in Halver wurde 2017 gegründet und hat 35 Beschäftigte. Sie ist Trägerin der Kita Wunderland in Halver-Oberbrügge, der Großtagespflege in der Kindervilla in Halver, betreut außerdem ein Jugendzentrum und einen Kindertreff in Halver und ist in der mobil-aufsuchenden Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Stadtteil- und Quartiersarbeit tätig. Ab November geht in Neuenrade eine drei-gruppige Kita in Sentiris-Trägerschaft in Betrieb.

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