Klaus-Peter Lange begann mit 14 Jahren seine Ausbildung zum Friseur

Nach 64 Arbeitsjahren: Plettenberger Friseur Lange schließt seinen Salon

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Klaus-Peter Lange (li.) und sein Sohn Christian Lange werden das gleichnamige Friseurgeschäft in Böddinghausen Ende Mai schließen.

Plettenberg – Wir schreiben das Jahr 1956. Marylin Monroe heiratet Arthur Miller und der Fürst von Monaco gibt Grace Kelly das Ja-Wort. In Deutschland wird die Wehrpflicht eingeführt, die Mauer zwischen Ost und West gibt es noch nicht und in Lüdenscheid startet der damals 14-jährige Klaus-Peter Lange seine Ausbildung im Friseursalon von Hans Hüster. Zwölf Jahre später – 1968 – macht sich der in Cottbus geborene Lange in Böddinghausen mit einem eigenen Friseurladen selbstständig.

52 Jahre später hat der heute 78-Jährige Plettenberger gemeinsam mit seiner Frau Inge, die jahrzehntelang erfolgreich den Damensalon leitete, sowie Sohn Christian den Entschluss gefasst, dass dieses Jahr das letzte sein wird. „Am 30. Mai 2020 werden wir unseren Friseursalon schließen“, sagt Lange. Der 52-jährige Sohn, der den Familienbetrieb seit der Jahrtausendwende leitet, will sich beruflich umorientieren.

Der Grundstein für das über 50-jährige Bestehen des Friseursalons Lange in Plettenberg wurde 1965 gelegt, als Klaus-Peter Lange die Friseurmeisterprüfung in Arnsberg ablegte.

Drei Jahre arbeitete er danach noch in seinem Ausbildungsbetrieb, ehe er am 13. August 1968 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und dem Vorschlag von Fritz und Helga Thomas folgte und in einem Ladenlokal im Böddinghauser Hof seinen eigenen Friseursalon eröffnete.

Klaus-Peter Lange (re.) mit seinem einstigen Ausbilder Hans Hüster und dem Team.

Zehn Jahre später baute sich der Plettenberger auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Haus und richtete im Erdgeschoss den heute noch existierenden Friseursalon Lange ein. Zeitweile waren dort drei Lehrlinge und drei Friseure beschäftigt und es gab viel zu tun.

Dass ein Friseur manchmal auch Diplomat sein muss, verdeutlicht Christian Lange. „Wenn Kundinnen kommen und aussehen wie Hella von Sinnen, aber wie Claudia Schiffer gestylt werden wollen, war das nicht immer ganz einfach im Kundengespräch“, sagt der selten um einen Spruch verlegene Inhaber Christian Lange.

Gut funktionierte seinerzeit das Miteinander der Plettenberger Friseure, die sich zu Stammtischen trafen und gemeinsam etwas unternahmen. Jäh beendet war das Zusammenspiel der Coiffeure allerdings, als ein Plettenberger Friseur ausscherte und bei sich den freien Montag strich, wohlwissend, dass er damit allen anderen Kunden abjagen würde.

Heute leiden die zahlreichen Friseurbetriebe in Plettenberg laut Lange zum einen an den deutlich länger gewordenen Intervallen zwischen den Besuchen, an der hohen Zahl der Betriebe und der sinkenden Einwohnerzahl. „Wir haben heute 5000 Bürger weniger als in den 80er Jahren“, betont Lange.

Mit diesem akkuraten Herren-Haarschnitt (re.) gewann Klaus-Peter Lange einen Preis.

Dass man in einem Friseurgeschäft alles erfahre, was gerade passiert, sei im Facebook-Zeitalter nicht mehr so wie früher. „Spannend und unterhaltsam war es aber eigentlich immer“, sagt der Senior, der nach dem im letzten Jahr verstorbenen Herbert Kalthoff wohl der dienstälteste Friseur in Plettenberg ist und sogar noch die Coronakrise miterlebte. Die Pandemie machte den Friseurbetrieben das Leben zuletzt schwer, ist aber nicht der Grund für die Schließung, die nun aus altersbedingten Gründen erfolgt.

Die Angestellte Regina Heinke, die seit 32 Jahren eine feste Größe in dem Familienbetrieb ist, will sich in der Nähe ihrer Heimat Fretter eine neue Anstellung suchen. Und so kommt ein wenig Wehmut auf, wenn der Senior am kommenden Samstag um 12.45 Uhr seinen letzten Stammkunden bedient und nach 64 (!) Arbeitsjahren die Schere aus der Hand legen wird.

Das rund 70 Quadratmeter große Ladenlokal am Böddinghauser Weg will Familie Lange nach der Geschäftsaufgabe vermieten. „Am liebsten an eine Versicherung, einen Bäcker oder etwas Ähnliches“, sagt Klaus-Peter Lange, ehe er sich seinem nächsten Kunden im Herrensalon zuwendet, um mit immer noch sehr geübter Hand einen gepflegten und akkuraten Herrenschnitt vorzunehmen.

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