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Nach Asbestfunden: So könnte es am Standort Vier-Täler-Schule weitergehen

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Von: Johannes Opfermann

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Wie es nach dem Abriss der Vier-Täler-Schule am Schul- und Kita-Standort Holthausen weitergeht, hängt von der gewählten Variante für Neu- und Umbau ab.
Wie es nach dem Abriss der Vier-Täler-Schule am Schul- und Kita-Standort Holthausen weitergeht, hängt von der gewählten Variante für Neu- und Umbau ab. © Dickopf

Dass die asbestbelastete Vier-Täler-Schule abgerissen wird, steht fest. Doch wie es danach am Schul- und Kita-Standort Holthausen weitergeht, hängt davon ab, welche Räume für Kita, Grundschule, OGS-Betreuung und VHS neu geschaffen oder umgebaut werden. Im Bau- und Liegenschaftsausschuss gab es zur Überraschung der Verwaltung eine knappe Mehrheit für die teuerste von drei Varianten.

Plettenberg – Diese sieht nicht nur einen Abriss der Vier-Täler-Schule vor, sondern auch den der Grundschule. Danach würde ein Neubau nach heutigem Standard errichtet, in dem sowohl Kita als auch Grundschule untergebracht wären.

Endgültig entschieden ist damit noch nichts, denn nach der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag (9. September) befasst sich auch der Rat am Dienstag, 14. September, noch einmal mit dem Thema. Und bis dahin könnte sich noch einiges ändern. Auch dass das Thema noch einmal von der Tagesordnung genommen werden könnte, ist nicht ausgeschlossen.

Votum überrascht Verwaltung

Das Votum im Bau- und Planungsausschuss war mit sechs Stimmen für die sogenannte Variante 6 – von allen mit 8,06 Millionen Euro die teuerste – äußerst knapp. Die Variante 4, die zudem vom Jugendhilfeausschuss favorisiert wird, erhielt vier Stimmen, die Variante 5 nur eine.

Damit erwischte der Ausschuss die Verwaltung auf dem falschen Fuß. „Wir haben für Variante 6 keine Pläne vorbereitet, weil wir nicht erwartet haben, dass sie favorisiert wird“, zeigte sich Bürgermeister Ulrich Schulte in der Sitzung überrascht.

Den Auftrag, die Variante 6 zusätzlich zu den anderen schon weiter ausgearbeiteten zu prüfen, hatte die Verwaltung erst im März erhalten. Im Nachgang sagte Schulte im Gespräch mit der Redaktion, dass die Verwaltung diese Option schon aufgrund der Kosten hinten gesehen habe. Dass die Variante 6 weniger detailliert ausgearbeitet war als die Varianten 4 und 5, sei in den Ausschussunterlagen offenbar nicht klar herausgekommen. Dies betonte auch Patrick Hansmann, CDU-Fraktionschef, nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister. „Wir waren davon ausgegangen, dass schon alles untersucht worden ist“, sagte er. „Es ist noch nicht klar, ob es auch so umsetzbar ist.“

Bis zur Ratssitzung am Dienstag versucht die Stadtverwaltung weitere Informationen zusammenzutragen, um die anderen Argumente – neben den Kosten – gegen Variante 6 zusätzlich zu untermauern. Es könne aber sein, so sagen Schulte und Hansmann übereinstimmend, dass das Thema noch einmal von der Tagesordnung genommen wird. „Man müsste das Ganze noch einmal unvoreingenommen diskutieren“, erklärt der Bürgermeister. Die Zusammenführung von zwei Nutzungen – Schule und Kita – in einem Gebäude sei „sehr kritisch“ und bringe Schwierigkeiten beim Nutzungskonzept und der Architektur mit sich.

Auch Dirk Busch vom Sachgebiet Gebäudewirtschaft hatte in der Sitzung in seinen Ausführungen über die einzelnen Varianten deutlich über die Nachteile der Komplettlösung hingewiesen. „Das ist mit Sicherheit nicht die cleverste Lösung“, sagte er. Das Gebäude müsse dann zweigeschossig werden, sodass in einem die Kita und im anderen die Schule untergebracht sei. Das könne laut Busch zu Problemen führen: „Es gibt Konfliktpotenzial bei übereinanderliegenden Bereichen, wenn zum Beispiel unten geschlafen und im Raum darüber getobt wird.“ Auch das Thema Rettungswege sei bei einem zweigeschossigen Neubau schwieriger zu lösen. Diese Variante sei „nicht zu empfehlen“.

Doch trotz dieser Kosten und den angesprochenen Problemen sprach sich die CDU für diese Variante aus. Dirk Thomée verwies auf die Schulgebäude der Stadt, die zum Teil über 60 oder sogar 100 Jahre (Martin-Luther-Schule) alt seien.

Gebäude nach dem neuesten Stand

„Wir müssen einmal modellhaft eine Schule von Grund auf und nach modernstem Standard errichten“, sagte er. Er führte auch den Aspekt der Nachhaltigkeit an. Bei der energetischen Sanierung eines bestehenden Gebäudes erreiche man nur 50 bis 60 Prozent der Effizienz eines Neubaus. Die möglichen Probleme, wenn Kita und Schule in einem Gebäude untergebracht wären, hielt er für lösbar. Auch PWG und Grüne votierten für Variante 6.

FDP-Vertreter Reinhard Panzer, der den Vorschlag für den Komplettneubau (also die Variante 6) im März selbst gemacht hatte, stimmte dagegen für die Variante 5. Diese sieht vor, einen modernen Standards entsprechenden Neubau für die Grundschule Holthausen zu schaffen. In einer sogenannten Cluster-Lösung würden die Klassen- und Differenzierungsräume um einen zentralen Bereich angeordnet, erläuterte Dirk Busch zu dieser Variante, die insgesamt 5,85 Millionen Euro kosten würde. Die Klassenräume wären alle in einem Geschoss untergebracht, Verwaltung und Lehrerbereich im Untergeschoss. Das alte Grundschulgebäude wäre dann für die Kita umzubauen. „Vom Platz her würde es funktionieren, fünf Gruppen unterzubringen“, so Busch. Auch eine sechste Gruppe ließe sich möglicherweise realisieren. Für diese Variante spräche außerdem, dass der Garten und der Spielbereich weitergenutzt werden könnten.

Die SPD stimmte dagegen für die Variante 4. „Die Grundschule ist noch in gutem Zustand und es ist nicht erforderlich, sie abzureißen“, erklärte Uwe Boese die Entscheidung. Bei dieser Variante würde eine neue Kita nach heutigem Standard gebaut werden, ebenfalls in der sogenannten Cluster-Lösung. Die eigentlichen Betreuungsräume wären in einem eingeschossigem Trakt untergebracht, im Untergeschoss die Personalräume. Für den Neubau einer Mensa für die Grundschule, den diese Variante mit einschließt, seien die beschränkten räumlichen Möglichkeiten laut Dirk Busch problematisch, doch eine circa 280 Quadratmeter große Mensa, in der bis zu 100 Kinder gleichzeitig mit Essen versorgt werden könnten, seien nach den Plänen möglich. Insgesamt würde diese Variante – die wie alle anderen auch 750 000 Euro für den Abriss der Vier-Täler-Schule beinhaltet – 6,15 Millionen Euro kosten.

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