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Nach A45-Sperrung: Mehr Güter auf die Schiene - doch es gibt ein Problem

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Von: Christos Christogeros, Georg Dickopf

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Die MEG in Plettenberg sorgt dafür, den Lkw-Verkehr auf der Straße und der Autobahn zu reduzieren. Doch wenn man ein längeres Nebengleis hätte, wäre noch viel mehr möglich. Nachfragen gibt es derzeit reichlich.
Die MEG in Plettenberg sorgt dafür, den Lkw-Verkehr auf der Straße und der Autobahn zu reduzieren. Doch wenn man ein längeres Nebengleis hätte, wäre noch viel mehr möglich. Nachfragen gibt es derzeit reichlich. © Paul Zimmer

Sehr interessante Einblicke in die Plettenberger Industrie gab es in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Mike Böhme, örtlicher Betriebsleiter der Märkischen Einsenbahngesellschaft (MEG), berichtete dort über die Aktivitäten der MVG-Tochtergesellschaft und vor allem über die Schwierigkeiten, den Transport über den Schienenverkehr nach der A 45-Sperrung auszuweiten.

Plettenberg – Doch das gestalte sich mehr als schwierig – dabei bestünde derzeit eine große Nachfrage in Folge der A 45-Sperrung. Aus Platzgründen könne man diese jedoch nicht bedienen. Dies habe auch mit der Digitalisierung des Schienennetzes der Bahn zu tun, durch die sich Taktzeiten verkürzten. Deshalb sei es höchst problematisch, wenn ein Güterzug die Strecke länger als nötig blockiert.

„Wir bekommen nur zehn Waggons auf unser Gelände. Im Grunde müsste man den Toom-Baumarkt abreißen, um damit das Nebengleis deutlich zu verlängern“, sagte der Betriebsleiter. Doch weil das natürlich nicht gehe, könne man nicht viel beitragen zur Linderung des A 45-Problems. Man leide selbst unter der Sperrung, da man das Material vom Standort in Eiringhausen per Lkw zu den Kunden bringe und nun viel weniger Umläufe und Fahrten schaffe.

Suche nach Alternativstandorten

Um mehr auf die Schiene zu bekommen, müsse man mindestens zwei lange Schienenstränge neben dem Hauptgleis verlegen können. Und genau deshalb habe er die gesamte Bahnstrecke abgefahren auf der Suche nach Alternativstandorten. Bedauerlicherweise habe die Bahn um das Jahr 2000 herum aber viele Grundstücke und Anschlussstücke verkauft und viele Gleise stillgelegt. „Das ist nicht auf einen Schlag umkehrbar“, so Böhme.

Ein ideales Gelände sei allerdings das Kraftwerksgelände in Werdohl-Elverlingsen, das über ein rund ein Kilometer langes Gleis verfügt. Doch ein Teilstück der Flächen, auf denen sich das Gleis befindet, habe die Enervie-Gruppe an Eon verkauft, die bereits einen Teil verpachtet hätte.

An dieser Stelle hakte Bürgermeister Ulrich Schulte ein und bot an, mit den Bürgermeistern in Werdohl und Altena und möglicherweise auch mit Eon beziehungsweise Enervie über das Thema zu sprechen, was Mike Böhme sehr begrüßen würde.

Zum Kraftwerksgelände in Werdohl-Elverlingsen führt ein rund 1 000 Meter langes Nebengleis (am rechten Bildrand), das laut MEG-Betriebsleiter Mike Böhme ideal wäre, um mehr Güter vom Lkw auf die Schiene zu bekommen. Allerdings plane Enervie nicht, den Gleisanschluss zu reaktivieren. Geplant sei, das gesamte Gelände, inklusive Anschluss, an einen Investor zu verkaufen.
Zum Kraftwerksgelände in Werdohl-Elverlingsen führt ein rund 1 000 Meter langes Nebengleis (am rechten Bildrand), das laut MEG-Betriebsleiter Mike Böhme ideal wäre, um mehr Güter vom Lkw auf die Schiene zu bekommen. Allerdings plane Enervie nicht, den Gleisanschluss zu reaktivieren. Geplant sei, das gesamte Gelände, inklusive Anschluss, an einen Investor zu verkaufen. © Enervie

Elverlingsen soll an Investor gehen

Ob sich ein solches Projekt allerdings tatsächlich umsetzen ließe, erscheint eher fraglich. Denn auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Andreas Köster, Pressesprecher von Enervie, dass die Mark-E (100-prozentige Tochter von Enervie) derzeit alleiniger Inhaber des Gleisanschlusses auf dem Kraftwerksgelände in Elverlingsen sei. Darüber hinaus bestünden keinerlei Pachtverhältnisse mit Vertragspartnern. Die Mark-E habe mit der DB Netz AG einen Pachtvertrag für einen Teil des Gleises abgeschlossen, der zum 31. März ausgelaufen sei. „Die Mark-E hat keinerlei Absicht, den stillgelegten Gleisanschluss zu reaktivieren, denn derzeit sind die Verhandlungen zwischen Mark-E und einem potenziellen Investor zum Verkauf der von uns angebotenen Gesamtfläche – inklusive Gleisanschluss – weit fortgeschritten. Bei einem erfolgreichen Vertragsabschluss hat der neue Inhaber der Fläche somit auch uneingeschränktes Zugriffsrecht auf den Gleisanschluss“, erklärte Köster.

Sobald die Verhandlungen mit dem potenziellen Investor erfolgreich abgeschlossen sind, wolle das Unternehmen dies beizeiten öffentlich kommunizieren.

Ungeachtet dessen will die MEG auch den Vorschlag von Heiko Hillert (CDU) prüfen, der das Gelände um das einstige Chemiewerk am Siesel ins Gespräch brachte für einen Güter-Umschlagplatz.

Die Märkische Eisenbahngesellschaft (MEG)

Die MEG erwirtschafte laut Mike Böhme in Plettenberg mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,4 Millionen Euro und schlage dort jährlich 110.000 Tonnen Stahl und 30.000 Tonnen Schrott um. „Wir sind das Vormateriallager für Europas größten Gabelzinkenhersteller“, betonte Böhme, der mit seinem Team Kunden in Schweden, Italien, Frankreich und anderen Ländern betreut. Der auf der Schiene ankommende Stahl werde heute mit einem riesigen Magneten abgeladen, was von einem Mitarbeiter erledigt werden könne.

Erst jüngst habe er eine Anfrage eines indischen Kunden bekommen, der russischen Stahl habe ordern wollen. „Ich habe dem Kunden abgesagt, denn das machen wir nicht“, betonte Böhme und erntete dafür zustimmenden Blicke der Ausschussmitglieder.

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