Familienzentrum in Plettenberg

Mutter klagt wegen fünfter Quarantäne an: Handelte Kita fahrlässig?

Bereits fünfmal war das Familienzentrum Oestertal von einer Quarantäne betroffen. Nach der jüngsten Phase, in der die Kinder deswegen nicht in die Einrichtung konnten, erhebt eine Mutter nun Vorwürfe.
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Bereits fünfmal war das Familienzentrum Oestertal von einer Quarantäne betroffen. Nach der jüngsten Phase, in der die Kinder deswegen nicht in die Einrichtung konnten, erhebt eine Mutter nun Vorwürfe.

Insgesamt fünfmal mussten Gruppen des Familienzentrums Oestertal bereits in Quarantäne geschickt werden. Die letzte dieser für die Familien jedes Mal sehr schwierigen Phasen ist zwar seit gut einer Woche vorbei, nun erhebt eine Mutter Vorwürfe gegen die Einrichtung. Diese hätte ein Kind mit Fiebersymptomen zu früh zurück in die Einrichtung gelassen.

Plettenberg – Vom 31. August bis zum 10. September 2020 musste erstmals eine Oestertaler Gruppe in Quarantäne und vom 23. September bis 2. Oktober 2020 zwei Gruppen. Vom 2. bis 9. Dezember 2020 und erneut vom 25. bis 29. Januar 2021 war erneut eine Gruppe in Quarantäne. Die letzte Quarantäne dauerte vom 30. August bis zum 8. September und betraf diesmal vier Gruppen. Im Vorfeld der letzten Quarantäne, die am 27. August ausgesprochen wurde, wirft nun eine Plettenbergerin, die in der Zeitung anonym bleiben möchte (Name ist der Redaktion bekannt) dem Familienzentrum und der Mutter eines Kita-Kindes vor, fahrlässig gehandelt zu haben.

Zu frühe Rückkehr eines Kita-Kindes

Demnach sei die Mutter eines Kindes am Montag, 23. August, benachrichtigt worden, dass ihr Kind Fieber habe und abgeholt werden müsse. Am Dienstag sei dieses Kind zuhause geblieben, wurde aber bereits am 25. August wieder in die Kita gebracht. Es hätte wegen der Fiebersymptome aber 48 Stunden zuhause gelassen werden müssen, so die Vorwürfe der Plettenbergerin. „Das ist fahrlässig: Die Kita hätte das Kind nicht annehmen dürfen“, sagt sie. Auch der Mutter des Kindes wirft sie Fahrlässigkeit vor.

Am 25. August sei den Eltern der Kita mitgeteilt worden, dass ein Kind positiv getestet wurde, man solle sich aber nicht beunruhigen. Am 27. August sei dann doch Quarantäne ausgesprochen worden. Weitere Kinder in mehreren Kita-Gruppen und eine Erzieherin wurden danach positiv getestet, darunter auch das Kind der Mutter, die nun die Vorwürfe erhebt. „Das hätte alles vermieden werden können“, sagt sie. „Wenn man weiß, dass das Kind Fieber hat, dann behält man es zuhause – schließlich haben wir Corona.“

Das Kind hatte kein Fieber, es hatte eine erhöhte Temperatur.

Michael Schröder, Fachgebietsleiter Jugend und Familie

Sie ist verärgert darüber, dass das Familienzentrum zum wiederholten Male von einer Quarantäne betroffen ist. „Die Psyche meiner Kinder leidet darunter“, berichtet sie von den Auswirkungen. Nicht nur für sie, sondern auch für die anderen betroffenen Familien ist es jedes Mal aufs Neue eine große Belastung. „Es darf nicht sein, dass es fünfmal zu einem Ausbruch kommt“, sagt sie.

Mit weiteren Eltern möchte sie nun Anzeige erheben, in der Hoffnung, dass dies abschreckend auf diejenigen wirkt, die das Thema Corona-Pandemie immer noch nicht ernst genug nehmen. „Denn so geht es nicht weiter.“

Michael Schröder, Fachgebietsleiter Jugend und Familie bei der Stadt, äußert sich zu den Vorwürfen gegen das städtische Familienzentrum. „Das Kind hatte kein Fieber, es hatte eine erhöhte Temperatur (37,9 Grad)“, stellt Schröder klar. Bei Kleinkindern spreche man erst ab 38,5 von Fieber.

Pädagogisch nachvollziehbar

„Somit galt die 48-Stunden-Fieberregel nicht. Das Kind musste aber trotzdem am Folgetag zu Hause bleiben.“ Am Mittwoch, als das Kind wiedergebracht wurde, habe es eine laufende Nase gehabt, aber keinen kranken Eindruck gemacht. „Von Seiten der Eltern wurde versichert, dass das Kind auch zu Hause seit Montagmittag keine erhöhte Temperatur mehr gehabt habe“, so Schröder und ergänzt: „Da das Kind gerade in der Eingewöhnung ist und die Mutter demnächst wieder arbeiten geht, wurde es aufgrund der pädagogischen Gesichtspunkte als sinnvoll angesehen, dass das Kind weiterhin die Eingewöhnungsphase wahrnimmt.“

Am Mittwochnachmittag habe die Mutter der Kita von ihrem eigenen positiven Test berichtet und darum gebeten, in der Einrichtung einen Lollitest bei ihrem Kind machen zu dürfen, berichtet Schröder. Dies sei im Beisein einer Mitarbeiterin geschehen, ohne dass die Mutter und ihr Kind die Einrichtung betraten. „Da dieser Test ebenfalls positiv war, empfahl die Einrichtung, einen unverzüglichen Test im Testzentrum durchführen zu lassen“, so der Jugendamtsleiter. „Die Gruppeneltern wurden auf die Möglichkeit eines Coronafalls aufmerksam gemacht, mit der Bitte sich zu gedulden, bis ein offizielles Ergebnis vorliegt und selbst zu entscheiden, ob sie ihr Kind so lange nicht in die Kita bringen wollen, da es durchaus auch Fehldiagnosen bei Selbsttests gibt.“

Keine Versäumnisse der Einrichtung

Da kurz nach der Feststellung der Infektion eine Elternratssitzung stattfand und die Eltern informiert wurden, seien beim Jugendamt bzw. der Stadt keine direkten Vorwürfe in Bezug auf das FZ Oestertal eingegangen. „Der Elternrat hat auch mehrfach geäußert, dass er keine Versäumnisse der Einrichtung sehe, sondern hat eher den teilweise leichtfertigen Umgang einiger Eltern mit der Infektionslage bemängelt.“

Aus den jüngsten Erfahrungen wurden allerdings Konsequenzen gezogen. Nach wie vor dürfe kein Kind die Einrichtung mit leichter Symptomatik besuchen, es sei denn, es liege alle 48 Stunden ein negativer Schnelltest aus dem Testzentrum vor. „Hier wird in der Einrichtung sehr genau hingeschaut, wie Symptome zu bewerten sind und dies einer verstärkten Bewertung unterzogen“, erklärt Schröder. „Weiterhin wurden die U3- und Ü3-Bereiche wieder stärker voneinander getrennt, um Begegnungen der Kinder auszuschließen.“

Mehrfache Ausbrüche

Zur Erklärung der mehrfachen Ausbrüche im Oestertal verweist Schröder darauf, dass die Hygieneanforderungen dort nach wie vor eingehalten würden. Da es in der Einrichtung einen hohen Anteil an berufstätigen Eltern gebe, komme es vor, dass Kinder mit leichter Symptomatik, aber gesundem Allgemeinzustand, in die Kita kommen durften, um den Eltern Schwierigkeiten mit ihren Arbeitgebern zu ersparen, erklärt der Jugendamtsleiter: „Dies ist eine Ermessensentscheidung, die die Möglichkeit einer Infektion erhöhen kann.“ Dies erkläre jedoch nicht die vermehrten Coronaausbrüche in der Einrichtung, da diese Bewertungen auch in anderen städtischen Einrichtungen so gehandhabt würden. Die betreffenden Personen handelten mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein.

„Da die Infektionen von außen in die Einrichtungen getragen werden, ist der Grund für die Häufung der Infektionen eventuell eher im sozialen Umfeld der Kinder/Familien zu suchen“, sagt Schröder und fragt: „Wie schützen sich die Familien in ihrem sozialen Kontext?“

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