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Möbelschleppen statt Unterrichtsvorbereitung: Umzug zweier Schulen wird zum Kraftakt

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Von: Johannes Opfermann

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So haben sie sich den Umzug nicht vorgestellt: Schulleiterin Sandra Noltsch und Stellvertreter Dr. Eberhard Stroben müssen mit ihren Kollegen noch unzählige Möbel in die Klassen räumen. Die Unzufriedenheit an der Zeppelinschule ist groß.
So haben sie sich den Umzug nicht vorgestellt: Schulleiterin Sandra Noltsch und Stellvertreter Dr. Eberhard Stroben müssen mit ihren Kollegen noch unzählige Möbel in die Klassen räumen. Die Unzufriedenheit an der Zeppelinschule ist groß. © Opfermann, Johannes

Im Frühjahr war eine Belastung des Neubautrakts der Geschwister-Scholl-Realschule mit Asbest und PCB festgestellt worden. Damit Teile der Realschule während der anstehenden Kernsanierung im KBOP der Zeppelinschule unterkommen können, wurden die KBOP-Klassen zum Hauptstandort der Hauptschule verlegt. Doch an der Zeppelinstraße ist man mit dem Umzug alles andere als zufrieden. Die Lehrer fühlen sich alleingelassen.

Plettenberg – „Am Anfang der Ferien waren wir zuversichtlich, dass wir es gut hinbekommen, aber es hat sich dann anders entwickelt“, sagt Schulleiterin Sandra Noltsch. „Es ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, ergänzt Stellvertreter Dr. Eberhard Stroben. „Wir sind zwar umgezogen, aber es war doch ein Kraftakt.“ Und dieser Kraftakt ist noch nicht abgeschlossen. „Wir haben noch diverse Baustellen im Haus und es steht noch nicht alles da, wo es stehen soll“, sagt Stroben.

Umzug ein Kraftakt für das Kollegium

Was das konkret bedeutet, begreift man erst beim Besuch in der Schule. Am Freitag vor dem ersten Schultag – am kommenden Mittwoch – stehen in den Fluren noch haufenweise Tische und Stühle, die erst noch eingeräumt, Regale, die zusammengebaut werden müssen. Dabei sind die Lehrer schon seit Tagen mit dem Um- und Einräumen beschäftigt. Etliche Klassenräume sind noch komplett zugestellt mit Möbeln, die nur zum Teil dort hinein gehören. „Es wurde einfach reingestellt“, so Stroben. „Die Kollegen waren teilweise erschrocken über das, was sie gesehen haben. Wir fühlen uns etwas überfordert.“

Im BOB, dem Berufsorientierungsraum, steht alles voll mit Mobiliar und Büchern, die erst noch an den richtigen Ort müssen. Im Technikraum von Dorothee Grothe stehen acht mit einem Z markierte Stahlschränke; ihre sind es nicht. „Ich kann nicht an mein Werkzeug dran“, sagt sie, denn das ist zugestellt. „Und mein Schrank steht in einem anderen Raum.“ Dazu ist der Raum komplett mit schweren Werkbänken zugestellt, den neuen ebenso wie den alten, die eigentlich entsorgt werden sollten.

Der Technikraum ist völlig zugestellt. Zu den alten Werkbänken wurden neue hinzugestellt und die schweren Schränke links gehören eigentlich nicht in diesen Raum.
Der Technikraum ist völlig zugestellt. Zu den alten Werkbänken wurden neue hinzugestellt und die schweren Schränke links gehören eigentlich nicht in diesen Raum. © Opfermann, Johannes

Einiges, was mit umgezogen ist, gehört auf den Müll und wird von den Lehrern aussortiert, parallel zum Einräumen der Klassenzimmer. Ohne den Arbeitseinsatz der Kollegen wäre es nicht zu schaffen, betonen Schulleiterin und Stellvertreter. Etliche werden wohl über das Wochenende anpacken und Sonderschichten schieben müssen, um ihre Klassenzimmer bis zum Schulstart fertig zu bekommen. Ob das bis Mittwoch klappt, da ist die Schulleitung skeptisch.

„Wir sind bereit, Einiges hinzunehmen und selbst zu machen, aber irgendwo ist die Grenze der Machbarkeit erreicht“, findet Noltsch. „Unsere eigentliche Aufgabe ist aber die Schüler zu unterrichten und zu erziehen.“

Und eben nicht in der Woche vor dem Schulstart Möbelpacker zu spielen. Von der körperlichen Belastung einmal abgesehen, fehlt den Lehrern Zeit für ihren eigentlichen Job. „Wir können nicht sagen, dass wir die Tage gut für die Unterrichtsvorbereitung nutzen konnten. Stattdessen versuchen wir, die Klassenräume überhaupt zum Laufen zu kriegen“, so Stroben. Sinnbildlich für das Durcheinander ist auch eine Durchsage über die Lautsprecheransage: Vermisst werden Bücher für die 9. Klasse, die offenbar nicht an Ort und Stelle sind. Wer sie in seinem Raum findet, möge sich bitte melden.

Manche Lehrerkollegen üben sich im Galgenhumor, während sie einen zugestellten Klassenraum umräumen: „Dieser Raum ist wenigstens gestrichen.“ Über die vier Klassenräume und ein Flur, die neu gestrichen wurden, freut sich das Kollegium zwar, aber auf das gesamte Gebäude gerechnet ist es nicht viel. Beim Einräumen stellen die Lehrer die Regale bewusst so, dass die nicht gestrichenen, dafür mit allerlei Schmierereien verschmierten Wände verdeckt sind. Flecken auf dem Boden, Löcher in den Wänden – es gäbe soviel mehr zu tun. Und in den Fluren, wo die Decken aus Brandschutzgründen abgehängt wurden und man nun auf die nackten Kabelstränge schaut, hallt es nun laut. Keine gute Akustik zum Lernen.

„Wir wollen an der Hauptschule weiter eine gewisse Wertigkeit erhalten, damit sie ein attraktiver Lernort ist“, sagt Schulleiterin Noltsch. „Und es ist nicht nur ein Lern- sondern mit dem Ganztagsunterricht auch ein Lebensort. Wie sollen wir hier gut leben und lernen können, wenn die Lernumgebung nicht passt?“

Der Umzug bedeutet für das Kollegium einen Kraftakt. Ob bis zum Schulstart alles am richtigen Platz ist, ist unklar.
Der Umzug bedeutet für das Kollegium einen Kraftakt. Ob bis zum Schulstart alles am richtigen Platz ist, ist unklar. © Opfermann, Johannes

Gefühl von weniger Wertschätzung

Die Umsetzung des Umzugs verstärkt da den Eindruck einer gewissen Geringschätzung gegenüber der Zeppelinschule. Ganz nebenbei ist dies die Schule, an der ein Großteil der Arbeitnehmer und Auszubildenden in den großen Industriebetrieben, auf die Plettenberg als Industriestadt so stolz ist, zur Schule gegangen ist.

„Auch wenn es nur subjektiv ist, setzt sich das Gefühl bei den Kollegen fest, dass die Hauptschule weniger Wert ist als andere Schulen. Wenn die rufen, wird etwas gemacht, bei uns wartet man jahrelang“, sagt Noltsch.

Dass aus Sicht der Lehrer zu wenig an der Schule gemacht wurde, hat auch Auswirkungen auf das, was die Pädagogen ihren Schülern neben den reinen Unterrichtsinhalten vermitteln wollen. „Wir versuchen, den Schülern Werte zu vermitteln wie Sauberkeit oder Achtung vor Sachgegenständen“, sagt Schulleiterin Noltsch. „Aber wenn schon unzählige Löcher in den Wänden sind, wie soll man es einem Schüler vermitteln, dass er nicht das nächste reinmachen soll?“

Während zunächst der Umzug aus dem KBOP zur Zeppelinschule erfolgen musste, läuft nun auch der Umzug von Teilen der Geschwister-Scholl-Realschule nach nebenan. Noch lässt sich aber für Schulleiterin Monika Storm aber nicht abschätzen, ob bis zum ersten Schultag alles abgeschlossen sein wird. „Ich will es stark hoffen“, sagt sie.

„Das Umzugsunternehmen ist dabei, die Tische und Stühle vom Neubau ins KBOP zu bringen“, so Storm am Donnerstag. Vorher sei aus dem Technikraum bereits ein Smartboard umgezogen, das am neuen Standort eingerichtet werden musste. Damit zum Beispiel ein KBOP-Raum als Technikraum dienen kann, mussten Steckdosen-Würfel über den Tischen angebracht werden, damit die Schüler beispielsweise löten können.

„Kein Zuckerschlecken, aber zumutbar“

Zu der Unzufriedenheit über den Umzug teilt Hanno Grundmann seitens der Stadtverwaltung Folgendes mit: „Für alle Seiten kam die Feststellung von Asbest in Teilen der besagten Realschule im vergangenen Mai überraschend. Es musste schon aus Gesundheitsgründen zügig gehandelt werden, was auch geschah. Die finanzielle Seite war und ist nachrangig.“ Für die Durchführung dieses Umzugs seien zwei Umzugsunternehmen, teils mehrfach, beauftragt worden. Die Kosten in gut fünfstelliger Höhe wurden ohne großes Zögern bereitgestellt.

„Es muss damit gerechnet werden, dass bei einem nicht alltäglichen Umzug wie diesem, solche spezialisierten Umzugsunternehmen nicht alle Arbeiten erledigen oder den Lehrkräften abnehmen können“, erklärt Grundmann im Auftrag der Stadtverwaltung. „Gerade auch in der notwendigen, gebotenen Eile ist einfach damit zu rechnen, dass der eine oder andere organisatorische Punkt nicht zur vollen Zufriedenheit aller berücksichtigt werden konnte.“

Weiter teilt der Stadtsprecher mit: „Natürlich ist es unerfreulich für die Lehrkräfte, wenn sie in der unterrichtsfreien Zeit mit einem Umzug beschäftigt sind, der für alle involvierten Kräfte bestimmt kein Zuckerschlecken ist. Die Arbeiten sind nach Auffassung der Verwaltungsleitung allerdings zumutbar. Das neue Schuljahr beginnt in wenigen Tagen und die Schülerinnen und Schüler sollen ohne weitere Verzögerungen unterrichtet werden können.“

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