Coronavirus: Harte Zeiten für Plettenberger Künstler

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Martina Wittkopp-Beine und Günter Heerich leiteten die Sitzung des Kulturkreises im Rathaus, an der auch Vertreter der Plettenberger Chöre teilnahmen.

Plettenberg – „Wir müssen in diesen Zeiten zusammenrücken und uns gegenseitig unterstützen.“ Mit diesen Worten umschrieb Martina Wittkopp-Beine als Mitglied des Plettenberger Kulturkreises die coronabedingt schwierige Situation. Doch die Stadtarchivarin machte am Donnerstag bei der Zusammenkunft der Mitgliedsvereine des Kulturkreises und der Vertreter der Plettenberger Männerchöre auch Mut.

„Es haben alle unter der Situation gelitten, aber so schwierig es auch ist, hat sich niemand unterkriegen lassen und den Kopf in den Sand gesteckt“, freute sich Wittkopp-Beine und ermunterte alle, neue Ziele zu fassen und positiv in die Zukunft zu schauen.

Corona: Plettenberger Chöre über schwierige Probensituation

Die Vertreter der Gesangsvereine – unter anderem waren dies der Männerchor Ohle, der MGV Holthausen, der MGV Eiringhausen und der Madrigalchor – berichteten von einem völligen Stillstand bei den Chören. Man könne nicht mehr proben und habe die Sorge, dass die ohnehin zumeist älteren Sänger nicht alle als aktive Sänger weitermachen. Theoretisch müsste man für die Probeabende eine Fläche von rund 300 Quadratmetern vorweisen. Diese Regelung gelte bis zum 31. August.

Auch sei es schwer, Veranstaltungen zu planen. Angesichts der Kosten für Sänger und Pianisten, die Hallenmiete, die Plakate und neuerdings auch für einen Bühnenbeauftragten sei es nahezu unmöglich, Verluste zu vermeiden, zumal man nur einen Bruchteil der Zuschauer zulassen dürfe. Noch dazu würden den Chören durch Extragebühren für den Bühnenbeauftragten und die Kürzung der Vereinszuschüsse von der Stadt „Knüppel zwischen die Beine geworfen.“

Deshalb plane man eine Anfrage zwecks einer Corona-Hilfe beim Bürgermeister. Horst Walschus bedauerte, dass der MGV Holthausen sein 140-jähriges Bestehen am 7. Juni absagen musste. Einen neuen Versuch will man am 7. November starten. Der Madrigalchor plant ein Konzert im Dezember.

Kantorei Christuskirche

Kantorin Liesa-Verena Forstbauer freute sich, dass Gottesdienste seit dem 21. Mai wieder erlaubt seien, der Gemeindegesang hingegen noch nicht. Anders sei das am morgigen Sonntag um 11 Uhr beim Open Air Gottesdienst vor der Erlöserkirche. Die Christuskirche sei nun auch wieder offen für stille Gebete.

Bachforum Plettenberg

Peter Schmidtsiefer musste als Leiter des Bachforums viele Klassikkonzerte verschieben. Am 1. November spiele das Alinde-Quartett im Ratssaal, am 13. November könne man sich auf Vano Bamberger & Band freuen und am 28. Dezember sei eine kurzweilige Märchenstunde unter dem Titel „Debussy trifft den kleinen Prinzen“ geplant.

Werkstatt Plettenberg

Hartmut Engelkemeier freute sich, dass man trotz der Coronakrise die Stipendiaten-Auswahl abschließen konnte. Lukas Weiß sei Anfang Mai in das Stipendiatenhaus eingezogen. Man plane seine Abschlussausstellung im Herbst. Engelkemeier sah die Coronakrise als Chance, neue Pfade zu betreten.

Kunstgemeinde

Martin Meißner musste für die Kunstgemeinde Plettenberg einige Theaterstücke absagen – beispielsweise das Stück am 3. Mai: „Willkommen bei den Hartmanns“. Bei 200 zahlenden Abonnenten sei es schwer festzulegen, wer nun bei zukünftigen Theateraufführungen in die Aula kommen dürfe. Bis zum 4. Oktober wolle man das geklärt haben, wenn das Stück „Paulette – Oma zieht durch gezeigt“ werde. Am 25. November ist eine Udo Jürgens-Hommage in der Aula geplant. Wie genau die Veranstaltungen umgesetzt werden, sei noch unklar. „Wir tappen da ziemlich im Nebel“, bedauerte Meißner.

Heimatkreis

Das Heimathaus hatte laut Günter Heerich geschlossen. Dies galt auch für den Museumsbereich, der mit Leader-Mitteln demnächst komplett neugestaltet werden soll. Zudem soll der Dachboden gedämmt werden und es ist eine Be- und Entlüftung geplant. Zum Ziel gesetzt habe sich der Heimatkreis auch, die Plettenberger Geschichte zu digitalisieren. „An je mehr Orten Geschichte gelagert wird, desto besser“, so Heerich, der in drei Wochen die ersten Stadtführungen starten will.

KulTour GmbH

Abgesagt werden musste laut Sylvia Eick das 2. Come Together aller Plettenberger Vereine. „Aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben, sobald es wieder möglich ist, werden wir unser Treffen nachholen“, sagte Eick, die selbst coronabedingt zahlreiche Veranstaltungen der KulTour GmbH wie die Plewo absagen musste. Fest geplant sei hingegen der Auftritt des NN-Theaters im November in der ASG-Aula. Ein Hygienekonzept habe man für die Böddinghauser Aula bereits vorbereitet, erklärte Eick.

Stadtbücherei

Die Stadtbücherei schloss laut Christiane Flick-Schöttker am 16. März ihre Türen und öffnete wieder am 5. Mai. In der Zwischenzeit habe man die Bestände aktualisiert, eine Medienausleihe to go organisiert, die Bücher-Telefonzelle neu bestückt und den Sommerleseclub vorbereitet und coronabedingt angepasst. Zudem sei die Bücherei gestrichen, mit neuen Monitoren und einer LED-Deckenbeleuchtung versehen worden. Am 28. Oktober plane man eine Veranstaltung mit Franz Müntefering. Zudem seien ein Puppenspiel und eine Lesung mit Reiner Hänsch im Herbst geplant.

Stadtarachiv

Das Stadtarchiv organisierte laut Martina Wittkopp-Beine den Holocaust-Gedenktag im Januar. Im Archiv selbst verzeichne man viele digitale Anfragen.

Im Dezember plane man die Verlegung von drei neuen Stolpersteine in der Innenstadt. Abschließend zeigte sich Wittkopp-Beine optimistisch, dass sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte, deutlich verbessere. Zuvor sei die Kultur gnadenlos ausgebremst worden. „Aber jetzt sieht man Licht am Ende des Tunnels“, so die Plettenberger Stadtarchivarin.

Dachverband der kulturtreibenden Vereine

Der Kulturkreis Plettenberg ist der Dachverband aller Plettenberger Vereine und Institutionen mit kulturellem Profil. 1989 haben sich zunächst nur ein paar Vereine zum „Kulturkreis“ zusammengeschlossen. Mittlerweile ist der Kreis größer geworden, denn auch die Chöre wurden aufgenommen. Im Kulturkreis werden die Veranstaltungstermine untereinander abgestimmt und im Kulturkreisheft veröffentlicht. Ziel ist es, der Kultur vor Ort mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und als Teil der städtischen Identität fest zu verankern. Seit 2011 veranstaltet der Kulturkreis unter dem Motto „Wir sind Kultur!“ den Tag der Kultur, der im September geplant war. Er fällt coronabedingt aus und soll 2021 nachgeholt werden.

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