Unternehmen in Plettenberg

„Mitarbeitern gutes Gefühl geben“: Testangebot in den Firmen startet

Dr. Jan Lindemann (links), Geschäftsführer des Messingwerks.
+
Dr. Jan Lindemann (links), Geschäftsführer des Messingwerks, begrüßt die Tests für Mitarbeiter, betont aber, dass es sich um ein absolut freiwilliges Angebot handele. (Archivfoto)

Plettenberg – Ab dieser Woche startet die Testpflicht für Unternehmen oder exakter die Verpflichtung, den Mitarbeitern ein Testangebot zu machen. Wir haben in einigen Plettenberger Firmen nachgefragt, wie sie auf die Testpflicht vorbereitet sind und welche freiwilligen Testangebote sie bereits machen.

Linamar

Bei der Firma Linamar Plettenberg GmbH (vormals Seissenschmidt) habe man sich bereits frühzeitig um das Thema Mitarbeiter-Testungen gekümmert. Im Dezember habe man 500 Schnelltests geordert und im Januar eine medizinische Fachangestellte eingestellt, um Tests durchzuführen, berichtet Personalleiterin Bettina Neumann auf ST-Anfrage. „Im März haben wir weitere 6.000 Tests bestellt.“ Bei etwa fünf Euro pro Schnelltest kommeallein für diese Order eine Summe von über 30.000 Euro zusammen.

Die Testpflicht für Unternehmen sieht Neumann als vernünftig an. „Wir haben jetzt alle die Verpflichtung, mitzuhelfen.“ Da es schon länger im Gespräch sei, Testangebote an die Mitarbeiter für Firmen verpflichtend zu machen, habe sich Linamar entsprechend mit der frühzeitigen Anschaffung beschäftigt.

Bislang habe eine angestellte Fachkraft bei vermuteten Kontaktpersonen von bestätigten Corona-Fällen im Betrieb Tests durchgeführt. „In den letzten Wochen haben wir bei einem positiven Fall das gesamte Umfeld, also ganze Schichten durchgetestet“, erklärt Neumann. Positive Schnelltestergebnisse habe man an das Gesundheitsamt gemeldet. Bei 900 Mitarbeitern würden auch die bereits bestellten Tests noch eine Weile ausreichen, so Neumann. In drei oder vier Wochen müsse man wohl nachbestellen. Die Ausgabe der Tests an die Mitarbeiter stelle laut Neumann noch ein logistisches Problem dar, doch auch das würde man lösen.

„Ich weiß nicht, wie groß die Resonanz sein wird“, sagt Neumann. Denn die Mitarbeiter nutzten auch die anderen Testangebote in Plettenberg, worum man seitens der Firma auch gebeten habe.

Messingwerk

Auch im Messingwerk würde das nun verpflichtende Testangebot an die Mitarbeiter positiv aufgenommen. „Wir sehen das Testangebot als zusätzliche sehr gute Möglichkeit, die bisherigen Maßnahmen zur Pandemieeindämmung zu ergänzen“, teilt Dr. Jan Lindemann, einer der beiden Geschäftsführer des Messingwerks, mit. Bereits zu Beginn der Pandemie habe man viele Schutzmaßnahmen ergriffen und immer wieder angepasst. Neben verschärften Hygiene- und Abstandsregeln von Anfang an wurden auch, wo es möglich war, administrative Tätigkeiten ins Homeoffice verlegt, um Kontakte am Arbeitsplatz auf ein Minimum zu reduzieren.

„Wir können unsere Mitarbeiter nur loben, dass sie sich immer unmittelbar gemeldet haben, wenn der Verdacht einer Covid-Infektion bestanden hat.“ Wenn nicht bereits eine amtliche Quarantäne angeordnet war, habe man frühzeitig die Möglichkeit genutzt, PCR-Tests in einem medizinischen Labor durchführen zu lassen. „Daher stellt aus unserer Sicht das Angebot von Covid-Schnelltests im Unternehmen einen weiteren Baustein der Pandemiebekämpfung dar, bis hoffentlich in nächster Zukunft durch zum Beispiel entsprechend hohe Impfquoten eine Normalisierung des öffentlichen Lebens ermöglichen werden“, schreibt Lindemann.

Das Messingwerk habe sich von Anfang an mit einem freiwilligen Testangebot an der Eindämmung der Pandemie beteiligen wollen, doch die Beschaffung von Tests für die 170 Beschäftigten (einschließlich Auszubildenden) habe sich zunächst als Herausforderung dargestellt. Die bereits in der letzten Märzwoche platzierte Bestellung über mehrere hundert Testkits sei erst in der vergangenen Woche erfüllt worden, berichtet Lindemann. Mittlerweile sei das Angebot an Corona-Tests nach seiner Wahrnehmung jedoch ausreichend.

„Insgesamt rechnen wir mit monatlichen Kosten im vierstelligen Euro-Bereich, wenn die Mehrheit der Mitarbeiter das Angebot annimmt“, so Lindemann.

Das Angebot im Messingwerk bestehe in einem wöchentlichen Selbsttest. „Die Auswertung des Tests erfolgt dabei durch gezielt geschulte Mitarbeiter“, erklärt Lindemann. „Bei dem ersten Termin hat dieses Angebot mit etwa 45 durchgeführten Tests sehr gute Resonanz gefunden.“

Es handle sich dabei um ein absolut freiwilliges Angebot, „sodass es selbstverständlich keinerlei Konsequenzen nach sich zieht, wenn jemand das Angebot nicht wahrnimmt“, betont der Geschäftsführer. Im Fall eines positiven Schnelltests würde eine sofortige häusliche Quarantäne bis zur weiteren Klärung mittels PCR-Test angeordnet. Sollte auch dieses Ergebnis sich als positiv herausstellen, griffen die amtlichen Maßnahmen der Pandemiebekämpfung.

Westfälische Stahlgesellschaft (WS)

Das Thema Schnelltests für Mitarbeiter sei auch bei Markus Krummenerl, geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe Westfälische Stahlgesellschaft, ein Thema. „Wir nehmen das ernst und werden ein Testangebot zur Verfügung stellen.“ Man habe zunächst einmal rund 1000 Schnelltestes bestellt, warte aber noch auf die Lieferung.

„Wir können die Mitarbeiter nicht zwingen, bieten aber demnächst die Möglichkeit, sich vor Ort im Unternehmen zu testen“, sagt Krummenerl. Allgemein sei man sehr vorsichtig und schicke Mitarbeiter beim kleinsten Verdacht in die Testzentren in Plettenberg oder Herscheid und übernehme auch mögliche Testkosten. Zudem herrsche auf dem gesamten Betriebsgelände Maskenpflicht. Entsprechende FFP2- Masken würden den Mitarbeitern in großer Menge zur Verfügung gestellt.

Schmiedetechnik Plettenberg (STP)

Die Firma Schmiedetechnik Plettenberg würde direkt mit Testungen loslegen und dafür Testzentren auf dem Betriebsgelände einrichten, und zwar sowohl für die 300 Mitarbeiter, die in den Werken 1 und 3 der Schmiedetechnik beschäftigt sind, als auch für die etwa 50 Mitarbeiter in der Werkzeugtechnik Plettenberg. Möglich würde das durch eine Kooperation mit der Firma Reitemeyer.

„Wir testen entsprechend der Schichtzeiten und starten als Drei-Schicht-Betrieb am Montagmorgen um 5.30 Uhr mit den ersten Testungen“, sagt Katja Müller, die im Unternehmen seit März 2020 als Gesundheitsmanagerin alles rund um die Coronakrise regelt. Das Unternehmen befürworte die Einführung einer Testpflicht. „Das ist der Beitrag, den wir als Unternehmen leisten können, und wir wollen auch unseren Mitarbeitern ein gutes Gefühl geben“, so Müller.

Dabei wolle man bei den Testungen noch einen Schritt weitergehen und zweimal in der Woche testen – montags und donnerstags. Außerdem mache die Firma die Tests für ihre Mitarbeiter verpflichtend und habe dabei auch die Unterstützung des Betriebsrats, sagt Müller: „Mitarbeiter dürfen nur aufs Gelände, wenn sie sich testen lassen.“ Bei positiven Tests würde der Mitarbeiter dann zum Labor Wahl in Lüdenscheid geschickt, um einen PCR-Test zu machen.

„Wir wollen, dass es auch sinnhaft ist, und nicht nur testen, weil wir es müssen“, erklärt Müller die strengeren Regeln.

Fastenrath

Bei der Firma Fastenrath wolle man in Kürze ebenfalls mit Schnelltests beginnen und den Mitarbeitern einen Test pro Woche anbieten, verrät Thomas Kroyer, Geschäftsführer der Firma, auf Nachfrage. Das Management habe bereits im März – unabhängig von der politischen Diskussion über eine Verpflichtung – entschieden, den Mitarbeitern ein Testangebot zu machen. „Wir machen das zum Schutz unserer Mitarbeiter und aus unserer Verantwortung ihnen und der Gesellschaft gegenüber.“

Der Erfolg der Pflicht für Unternehmen, den Mitarbeitern ein Testangebot zu machen, hänge auch davon ab, wie schnell diese an Tests kämen.

Bis spätestens Ende April wolle man den Mitarbeitern – 80 in Plettenberg, 100 am Standort im Westerwald – ein Testangebot machen können, so Kroyer. Es sei aber absolut freiwillig, ob die Mitarbeiter dieses annehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare