Mitarbeiter des Hit-Supermarkts berichten im Interview über ihre Erfahrungen

Supermarkt-Mitarbeiter über Corona: "Es wurde schon viel gebunkert"

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Doppelt geschützt: Obwohl die Schutzwand eigentlich ausreicht, tragen Natalie Nestler und ihre Kollegen an der Kasse mit Mundschutz.

Pletttenberg – Der Job an der Supermarkt-Kasse ist an sich schon stressig, doch in der Coronakrise kam noch ein zusätzlicher Aufwand hinzu – durch Kunden, die Hamsterkäufe machen wollten und umfangreiche Schutzmaßnahmen, die beachtet werden mussten. Natalie Nestler (29) und Benjamin Peter (35) vom Plettenberger Hit-Markt berichten im STGespräch, wie sich die Coronakrise auf ihre Arbeit ausgewirkt hat.

Wie haben Sie bei Ihrer Arbeit die Coronakrise erlebt?

Natalie Nestler: Am Anfang war es ein bisschen angespannt. Es war alles neu für uns. Wir wussten die Abläufe, aber waren doch verunsichert, wie gefährlich das Virus ist und wie wir uns verhalten sollen. Mit der Zeit lockerte sich dann die Anspannung.

Benjamin Peter: Die Verunsicherung der Kunden und Mitarbeiter ist deutlich gesunken.

Wie hat sich die Arbeit verändert? Was war dabei das Schwierigste und ist Ihnen die Umstellung schwergefallen?

Nestler: Es wurden Sicherheitsabstände eingeführt und die Hygienemaßnahmen verstärkt. Die Umstellung ist eigentlich nicht schwergefallen, aber das Schwierigste war auf jeden Fall, die Masken zu tragen.

Peter: Die Regeln galten für den kompletten Markt. Da wir den Kunden den Raum lassen mussten, hat alles etwas länger gedauert. Das Maskentragen ist schon schwierig gewesen. An der Kasse ging es noch.

Weil in NRW Kassierer und Kassiererinnen keine Maske tragen müssen, wenn es einen gleichwertigen Schutz durch Trennwände gibt...?

Peter: Ja. Aber mit Maske 25-Kilo-Kisten zu schleppen, ist schon schwieriger. Die Kassentrennwände im Hit-Markt sind übrigens quasi über Nacht eingebaut worden. Das hat sehr schnell funktioniert.

Coronavirus: So erlebten die Supermarkt-Mitarbeiter die Krise 

Zu Beginn gab es Hamsterkäufe, dann immer mehr Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und eine Maskenpflicht. Wie haben Sie die Veränderungen im Laufe der Krise wahrgenommen? Und wie haben sich die Kunden verhalten?

Nestler: Es wurde am Anfang schon ordentlich gekauft und gebunkert, aber es hat sich dann gelegt. Letztendlich haben die Kunden das bekommen, was sie wollten.

Peter: Man hat am Anfang gemerkt, dass die Kunden verunsichert und teilweise gereizt waren, das hat sich aber gelegt. Wir haben versucht, ihnen die Unsicherheit zu nehmen, indem wir dafür gesorgt haben, dass sie die Waren bekommen konnten, die sie brauchten. In der Phase der Hamsterkäufe war es schon schwierig dafür zu sorgen, dass jeder eine Packung Klopapier und ein Paket Mehl bekommt. Da mussten wir schon ein paar Mal mit Kunden diskutieren. Einige haben es nicht eingesehen, dass sie nicht sieben oder acht Pakete bekommen können, denn irgendwie musste auch die Grundversorgung gesichert werden.

Verschiedene Berufsgruppen werden in der Krise als „Helden/Heldinnen des Corona-Alltags“ bezeichnet, darunter auch Kassierer und Kassiererinnen im Supermarkt. Wie finden Sie diese Art der Wertschätzung?

Nestler: Für mich ist es selbstverständlich, dass wir jeden Tag unsere Arbeit machen, aber es ist schön, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Viele Kunden haben uns kleine Geschenke gebracht – zum Beispiel Pralinen – oder gesagt: „Schön, dass Sie da sind.“

Peter: Wir waren vorher da, sind jetzt da und werden weiter da sein. Wir haben alles getan, was wir konnten. Und auch die Kolleginnen, die Kinder haben, sind trotzdem zur Arbeit gekommen.

Nestler: Mit der Hilfe von Oma, Opa und Freunden, die sich um die Kinder gekümmert haben, hat das ganz gut geklappt.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Coronakrise?

Nestler: Dass mehr aufeinander geachtet wird und verschiedene Tätigkeiten mehr geschätzt werden.

Peter: Dass der Umgang mit den Mitarbeitern so ruhig bleibt, wie er jetzt ist, und sie nicht von den Kunden wegen jedem bisschen angepöbelt werden.

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