Frauenthal in Kückelheim stimmen organisierte Mitarbeiter über Angebot der Geschäftsführung ab

Unternehmen im MK: Frauenthal-Standort in Plettenberg in Gefahr?

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Am Standort von Frauenthal Powertrain in Kückelheim laufen zurzeit Verhandlungen über eine Standort- und Beschäftigungssicherung. IG Metaller stimmen noch bis Ende Juni über ein Angebot der Geschäftsführung ab.

Plettenberg – Die Standort- und Beschäftigungssicherung ist für die Mitarbeiter des Plettenberger Standorts von Frauenthal Powertrain zurzeit wieder einmal ein brennendes Thema.

Eine Nachricht, die der WDR am Mittwoch verbreitete, und in der es hieß, dass der Standort in Kückelheim geschlossen werde, sollten sich die Mitarbeiter nicht zum Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit erklären, konnte Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis, so nicht bestätigen.

Das seien Behauptungen, es habe auch keine Betriebsversammlung gegen. „Es handelte sich um eine Mitgliederversammlung der IG Metall. Ja, es wird verhandelt“, bestätigte Gerhardt allerdings, sprach von einer noch bis zum kommenden Dienstag laufenden Abstimmung unter den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern, nach deren Ablauf sie mehr sagen könne.

Nur soviel: Die Standortgarantie für das Frauenthal-Werk in Wiesenthal sei bereits Ende 2018 ausgelaufen – ergo herrsche akuter Bedarf, sich mit der Geschäftsführung über eine möglichst längerfristige Beschäftigungssicherung zu einigen.

Dies sei allerdings, so Gerhardt, kein Einzelfall im Märkischen Kreis: „Es gibt mehrere Firmen, bei denen die Auslastungssituation zurzeit keine Vollbeschäftigung zulässt. Das betrifft unser gesamtes Gebiet – die Schmieden natürlich besonders. Da ist es sehr schwierig.“

Frauenthal war nach Ausbruch der Corona-Pandemie eines der ersten Unternehmen, das die Produktion drastisch herunterfuhr. Das Werk im Oestertal wurde für zwei Wochen komplett geschlossen. Als Grund für die Schließung wurde angegeben, dass es Corona-bedingt keine Abnehmer mehr für die Produkte – vor allem Pleuelstangen, Ausgleichswellen und Verteilerleisten – gebe.

Unbestritten ist auch, dass sich die Frauenthal-Gruppe vom Erwerb der Mahle Motorkomponenten GmbH seinerzeit mehr versprochen hatte. Schon ein gutes halbes Jahr nach der Übernahme stellte Geschäftsführer Amit Bedi fest, dass man vor Übernahme des Unternehmens eine deutlich bessere Ertragslage erwartet habe.

Gudrun Gerhardt würde sich wünschen, dass der Absatz von Hybridfahrzeugen durch das Schaffen von Kaufanreizen seitens der Bundesregierung mehr gefördert werde. Gerade auch für das Sauerland sei Hybrid gegenüber der immer beschworenen E-Mobilität („Das ist Augenwischerei“) die bessere Alternative. „Für die technische Weiterentwicklung werden dann auch wieder mehr Teile aus Plettenberg gebraucht“, ist die IG Metall-Bevollmächtigte überzeugt.

Eine angeforderte Stellungnahme der Frauenthal-Geschäftsleitung zu den Verhandlungen gab es bislang nicht. Auch der Betriebsratsvorsitzende Mario Kabala wollte sich gegenüber der Heimatzeitung nicht äußern und verwies auf die noch laufende Abstimmung.

Von Brockhaus über Mahle bis zu Frauenthal

Frauenthal ist ein börsennotierter österreichische Sanitärgroßhändler und Autozulieferer. Im März 2017 übernahm die Frauenthal-Gruppe die Mahle Motorkomponenten GmbH in Kückelheim. Dort erfolgt die Entwicklung und Produktion von Schmiedepleuel und Ausgleichswellen für die Pkw- und Lkw-Industrie – hier galt der Standort Plettenberg mit 510 Mitarbeitern als Technologieführer, mit einem Marktanteil von über 30 Prozent in Europa.

Für die Mitarbeiter von Frauenthal Automotive Powertrain in Plettenberg und den deutlich kleineren Standort im sächsischen Roßwein (130 Beschäftigte) galt auch nach dem Eigentümerwechsel die für alle Beschäftigten des Mahle-Konzerns in Deutschland abgeschlossene Beschäftigungssicherung. Diese schloss betriebsbedingte Beendigungskündigungen bis Ende 2018 aus.

Der Betrieb in Kückelheim blickt auf eine lange Tradition zurück. Friedrich Brockhaus gründete 1864 ein „Fabrikgeschäft“ mit einigen Webstühlen zu Anfertigung von Eisen- und Messingdrahtgeweben. Sehr früh wurden bei Brockhaus Teile für die Fahrrad- und Autoindustrie geschmiedet. 1905 wurden die ersten Pleuelstangen hergestellt. In den Jahren 2000/01 stand der Verkauf der Firmen Brockhaus Söhne und Kaltwalzwerk Brockhaus an, welche zu diesem Zeitpunkt über 1 000 Mitarbeiter beschäftigten und sich im Besitz von rund 70 Gesellschaftern befanden.

2 004 übernahm Mahle das Werk in Roßwein, es folgte 2005 die Verschmelzung mit der Mahle Brockhaus GmbH. 2012 erfolgte die Umfirmierung in Mahle Motorkomponenten GmbH. Schon zu Mahle-Zeiten mussten die Mitarbeiter Einschnitte verkraften. Stellenabbau, Einkommensverzicht in Höhe von 15 Prozent, Eingriffe beim Weihnachts- und Urlaubsgeld, Wegfall von Schichtzuschlägen, Wegfall von Pausenzeiten, Streichung des Kündigungsschutzes für Mitarbeiter über 55 Jahre und Verlust des Anspruchs auf Abfindungen waren 2005 ein großes Thema. Es kam zu Warnstreiks und Protesten gegen die Sparpläne des Konzerns.

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