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Mit dem Zug durch Europa: Pärchen im MK zieht das große Los

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Von: Johannes Opfermann

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Mit ihrer eher spontanen Bewerbung um ein Interrail-Ticket waren Kenneth Kothe und Marielle Barwich erfolgreich. Im September soll es auf die große Reise gehen.
Mit ihrer eher spontanen Bewerbung um ein Interrail-Ticket waren Kenneth Kothe und Marielle Barwich erfolgreich. Im September soll es auf die große Reise gehen. © Kothe

Für mehrere Wochen kostenlos mit dem Zug durch Europa reisen und dabei fremde Länder und Kulturen kennenlernen, neue Städte erkunden und die Abgeschiedenheit der Natur genießen – um jungen Europäern das zu ermöglichen, vergibt ein Jugendprogramm der EU jedes Jahr Interrail-Tickets. Zwei gehen dieses Jahr an ein junges Paar aus Plettenberg, für das der Traum der Rundreise durch Europa bald wahr wird.

Plettenberg – „Das war eine relativ spontane Idee“, sagt Kenneth Kothe, einer der beiden Gewinner des Interrail Travel Passes. Auf den Gedanken, sich um ein Interrail-Ticket zu bewerben, brachte ihn seine Freundin Marielle Barwich im Urlaub im vergangenen Jahr: „Wollen wir das nicht zusammen machen?“

Bewerbung über EU-Programm

Gesagt – getan. Die beiden 19-Jährigen bewarben sich bei dem DiscoverEU-Programm der Europäischen Union um eines der Interrail-Tickets. „Wir mussten ein paar Fragen zu Europa beantworten: Das waren ein paar allgemeine Fragen, die wir richtig beantworten mussten, aber auch Fragen dazu, wie sehr wir uns mit Europa identifizieren und zu uns persönlich.“ Fünf Minuten, länger dauert die Bewerbung nicht.

Normalerweise werden die Interrail-Tickets nur an 18- und 19-Jährige vergeben, doch zum Zeitpunkt der Reise – geplant ist sie für den September – wäre Marielle bereits 20. Wegen Corona sind allerdings die letzten beiden Verlosungsrunden abgesagt worden. Damit die jungen Erwachsenen, die deswegen nicht zum Zuge gekommen sind, auch die Möglichkeit haben, sich um ein Ticket zu bewerben, konnten sich 2021 ausnahmsweise auch diejenigen bewerben, die zwischen dem 1. Juli 2001 und dem 31. Dezember 2002 geboren wurden.

Nach der Bewerbung im Oktober dauerte es ein paar Monate, bis Kenneth und Marielle Bescheid bekamen. Am 6. Januar trudelte die Nachricht ins Email-Postfach ein. „Das war ganz unverhofft“, sagt Kenneth. „Wir konnten es kaum glauben, weil es ja ganz spontan war da mitzumachen. Umso mehr hat es uns gefreut.“

Bei der Wahl ihres Reisefensters sind die Gewinner flexibel. Zwischen dem 1. März 2022 und dem 28. Februar 2023 können sie bis zu 30 Tage unterwegs sein. Die beiden jungen Plettenberger wollen Anfang September aufbrechen, wenn hoffentlich auch Corona vorbei ist, und das Reisen unbeschwerter möglich ist. Außerdem haben sie dann auch erst Zeit für diese Reise.

Zuerst soll es nach Nordeuropa gehen: Eines der Ziele ist Norwegen, hier der Geiranger-Fjord.
Zuerst soll es nach Nordeuropa gehen: Eines der Ziele ist Norwegen, hier der Geiranger-Fjord. © Sigrid Harms

„Das ist für uns so ein kleines Luftloch, bevor das richtige Leben beginnt“, sagt Kenneth. Er hat im vergangenen Jahr sein Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium gemacht und arbeitet noch bis August als Bufdi (Bundesfreiwilliger) bei der Stadt Plettenberg. Ab Oktober wird er dann zur Bundeswehr gehen. Marielle ist im diesjährigen ASG-Abschlussjahrgang und möchte im Anschluss an die Interrail-Reise in einem Berufserkundungsjahr als Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten.

Den genauen Startzeitpunkt können die zwei jungen Erwachsenen frei wählen. „Der Vorteil ist: Wir müssen nichts buchen, sondern können spontan losfahren, ab dann gelten die 30 Tage“, sagt Kenneth. „Davon können wir aber nur sieben Tage im Zug verbringen.“ Insgesamt können die beiden also nur sieben Mal Zug fahren, es sei denn sie fahren mehrmals am gleichen Tag. Diese Einschränkungen sei allerdings verständlich: „Nur im Zug hat man wenig von der Reise. Und das Ziel des Programms ist ja nicht nur im Zug zu sein, sondern viel von den Kulturen und den Ländern mitzubekommen.“

Neue Erfahrungen sammeln

Die 30 Tage, die die beiden ab Reiseantritt Zeit haben, teilen sie unter sich auf. „Wir haben es so geregelt, dass jeder von uns zwei Wochen plant“, erzählen sie. Diese zweimal zwei Wochen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines haben die Touren – eine in Nord- und eine in Südeuropa – gemeinsam: „Wir haben uns extra Ziele rausgesucht, wo wir noch nicht waren, denn wir wollen viele Bilder und Erfahrungen mitnehmen von Orten, die wir noch nicht gesehen haben.“ Also ganz im Sinne des DiscoverEU-Programms.

Zuviel Gepäck wollen die beiden nicht mitnehmen. Koffer oder Trolleys seien im Zug und bei Zwischenaufhalten in einer Stadt eher unhandlich und eine zu große Last, meinen sie. Sie wollen eher ans Backpacking angelehnt reisen und nur das nötigste mitnehmen – was eben in zwei große Reiserucksäcke passt.

Wo es in der ersten Hälfte der Reise hingeht, stand für Kenneth schnell fest: „Es wird eine Nordtour: Ich möchte in Kopenhagen beginnen, dann nach Göteborg und weiter nach Oslo und Bergen“, erzählt er. „Mich hat Skandinavien schon immer fasziniert, aber ich bin noch nie dort gewesen.“

Als Fan der Serie Vikings interessieren ihn die Mythen und Geschichte der skandinavischen Länder ebenso wie die Landschaft und die unberührte Natur. Zwar sind die Städte auf der Reise per Zug die ersten Anlaufpunkte, aber man bleibe dann nicht unbedingt im Stadtkern. Man könne Tagesausflüge unternehmen, um weiter nach draußen in die Wildnis zu kommen. „Vielleicht zelten wird auch, das ist in Norwegen und Schweden auch im Wald erlaubt, wenn man sich entsprechend verhält“, sagt Kenneth.

Die zweite Hälfte soll in Budapest starten. Von dort geht es weiter nach Venedig und zum Comer See.
Die zweite Hälfte soll in Budapest starten. Von dort geht es weiter nach Venedig und zum Comer See. © Robert Michael

Von Bergen aus soll es dann per Flugzeug zum Ausgangspunkt der zweiten Reisehälfte gehen, die Marielle plant. „Die erste Anlaufstelle wäre Budapest“, sagt sie. Mit seinen vielen historischen Bauten hat die ungarische Hauptstadt für die beiden geschichtsinteressierten jungen Leute viel zu bieten. „Dafür ist Budapest perfekt.“

Von dort aus geht es weiter nach Italien, das für die beiden Plettenberger nicht gänzlich unbekannt ist – in der Toskana waren sie schon, Marielle auch schon in Venedig. Doch die Lagunenstadt, die mit auf der Reiseroute steht, ist zumindest für Kenneth ein noch unbekanntes Reiseziel. Das gilt auch für die anderen Ziele in Italien. Es soll nach Rom gehen, danach war eigentlich die Weiterreise nach Mailand eingeplant, stattdessen soll es nun zum Comer See gehen; der ist allerdings gar nicht so weit von Mailand entfernt, sodass auch ein Besuch in der norditalienischen Metropole nicht ausgeschlossen ist.

Detailplanung kommt erst noch

Das ist allerdings nur die grobe Planung. Spontane Änderungen – wegen Corona oder auch aus anderen Gründen – sind immer noch möglich. „Wenn irgendetwas nicht klappen sollte, suchen wir ein anderes Ziel“, geben sich die beiden ganz entspannt. Da der Interrail Travel Pass nur die kostenlose Zugreise ermöglicht, müssen sie sich ohnehin noch mit vielen Details auseinandersetzen. „Um Verpflegung und Unterkunft müssen wir uns selbst kümmern.“

Und was genau sie an den einzelnen Ländern und Städten unternehmen, welche Sehenswürdigkeiten sie besichtigen, in welchen Clubs sie vielleicht feiern gehen – das sind alles Dinge, die Kenneth und Marielle in den nächsten Monaten genauer planen können. Möglicherweise überlassen sie aber auch vieles der Spontanität – damit sind sie schließlich schon bei der Ticket-Verlosung gut gefahren.

Reiseberichte

Wenn die beiden jungen Plettenberger im September ihre Tour durch Europa antreten, werden sie die Leser mit Reiseberichten an ihren Erlebnissen teilhaben lassen.

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