Neues Archiv und Digitalisierung des Bestands

Mehr als 100.000 Euro Leader-Förderung für das Plettenberger Heimathaus

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Das Heimathaus, hier auf einer historischen Aufnahme, die vor 1973 entstanden sein muss, kann dank umfangreicher Förderung saniert werden. Als die Aufnahme entstand, diente das Gebäude noch als Wohn- und Geschäftshaus.

Plettenberg – Es hat schon mindestens rund 350 Jahre auf dem Buckel – da wird es Zeit für eine Sanierung: Das Plettenberger Heimathaus wird saniert – dank umfangreicher Mittel aus der Leader-Förderung.

Über 106.000 Euro werden demnach in das Heimathaus fließen. Die Maßnahmen verlangen jedoch weit mehr Geld: Denn die Förderung aus dem Leader-Programm der EU, mit dem Projekte im ländlichen Raum unterstützt werden, deckt 65 Prozent der Gesamtkosten, die sich auf 163.550 Euro belaufen. Doch auch die Finanzierung des Eigenanteils ist laut Günter Heerich vom Heimatkreis dank des städtischen Zuschusses gesichert.

Dämmung und Heizung

„Das Dach wird nach den neuesten Vorschriften gedämmt“, sagt Heerich. Das Heimathaus soll außerdem eine neue Heizungsanlage erhalten, um im Gebäude für Trockenheit und eine gleichmäßige Temperatur zu sorgen.

Danach sollen die Exponate dann im Dachgeschoss in Regalen aufbewahrt werden, ehe sie in das neu zu schaffende, zentrale Archiv überführt werden. „Ziel ist die Verbesserung der Recherche- und Auswertungsarbeit im Verein, die bessere Darstellung der Exponate an einem zentralen Ort, der gesicherte Zugang zu den Exponaten, auch für externe Historiker, und die Schaffung des zentralen Ortes für eine qualifizierte Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen“, wie in der Projektbeschreibung bei Leader zu lesen ist.

Im Dachgeschoss des Heimathauses sollen unter anderem das Dach gedämmt und die Brandmauern instandgesetzt werden.

Bestände sortieren

Vor den baulichen Maßnahmen, die für dieses Jahr geplant sind, wird der Heimatkreis noch einiges aussortieren müssen. Es sei früher wirklich alles aufbewahrt worden, sagt Heerich. Zum Teil verrostetes Werkzeug ist dabei, alte Radios, Bilder und Karten, Alltagsgegenstände, aber auch schöne Einzelstücke wie eine Plettenberger Straßenlaterne aus den 1930er Jahren. Das Aussortieren, das der Heimatkreis noch vor sich habe, sei eine problematische Sache: „Das fällt unheimlich schwer.“ Man könne aber nicht alles weiter aufbewahren.

Historische Dachgaube

Nicht nur die Dämmung des Daches steht auf dem Programm. Wie viele alte Häuser in Plettenberg verfügte auch das Gebäude des Heimatkreises früher über eine Dachgaube, über die etwa Heu, Stroh oder Getreide zur Lagerung nach oben auf den Dachboden gezogen wurden. Nach der letzten Renovierung des Dachstuhls, Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre, wurde die Gaube allerdings entfernt. „Sie soll jetzt wiederhergestellt werden, sodass es wieder historisch ist“, sagt Heerich. Auch der alte Lehmboden, auf den der heutige Holzboden erhöht aufgesetzt ist, soll in Teilen sichtbar bleiben.

Das Mauerwerk

Das gilt auch für die historischen Brandmauern, die ältesten Teile des Heimathauses. Wie alt sie genau sind, kann Heerich nicht sagen, da mit dem Stadtbrand von 1725 Aufzeichnungen über das Gebäude verloren gingen. Das Mauerwerk, das sich in keinem guten Zustand mehr befindet, soll instandgesetzt und verputzt werden. Wandfenster sollen allerdings ausgespart werden, sodass Teile der historischen Mauer weiter sichtbar bleiben. Auch eine Kuriosität soll hervorgehoben werden, nämlich eine Schießscharte, die auch ein Indiz für das hohe Alter der Mauer ist. Mit einer Doppelverglasung und einem dazwischen eingebauten Licht könnte die Schießscharte auch von außen sichtbar gemacht werden, erklärt Heerich.

Digitalisierung

Es gibt auch ein kleines, vom restlichen Dachgeschoss separiertes Zimmer. „Das soll das digitale Zentrum des Heimathauses werden“, sagt Heerich. Gemeint ist damit eine Digitalisierungsstation, die ebenfalls mit den Leader-Mitteln angeschafft werden soll, um möglichst viele Exponate nachhaltig zu sichern. Die digitale Aufbereitung von Informationen und Fakten soll einerseits die Qualität der Ausstellungen und Führungen verbessern und andererseits den Zugang zu Informationen erleichtern. Auch ein Tour-Guide-System soll angeschafft werden, mit der dann Besucher durch eine neu konzipierte Ausstellung geführt werden.

Die Ausstellung

Die Überarbeitung der mehr als 30 Jahre alten Dauerausstellung in der ersten Etage ist allerdings nicht im Förderumfang enthalten, wie Heerich betont: „Die Ausstellung ist vom Aussehen her etwas antiquiert“, sagt Heerich. Nichtsdestotrotz ist sie für den Heimatkreis ein wichtiges und auch aufwändiges Projekt für die kommenden Jahre. „Ich will das Museum bis Ende 2021 fertig haben“, sagt Heerich. Unter anderem soll dabei wie schon bisher die heimische Industrie eine wichtige Rolle spielen, aber dabei ein Brückenschlag von der historischen zur heutigen Industrie hergestellt werden.

Neues, zentrales Archiv

„Heute stoßen der Verein und seine Mitglieder an seine Grenzen, da der Heimatkreis im Heimathaus derzeit nicht über ein zentrales Archiv und einen Arbeitsbereich verfügt, um die gesammelten Unterlagen für Ausstellungen und Führungen auszuwerten und aufzubereiten“, heißt es in der Projektbeschreibung bei Leader. Was das bedeutet, erklärt Heimatkreis-Vorsitzender Heerich: „Wir haben über tausend unterschiedliche Exponate. Weil hier aber kein vernünftiges Klima herrscht, schätzen wir, dass ungefähr schon ein Drittel zerstört ist.“ Viele Exponate aus dem umfangreichen Fundus des Heimatkreises, darunter auch viele Akten und alte Aufzeichnungen, werden deswegen von Vereinsmitgliedern dezentral zuhause gelagert, denn sonst wären auch sie bereits zerstört, sagt Heerich. Aber es handele sich immer noch um ein Sammelsurium von hunderten Gegenständen. Dank der Leader-Förderung wird der Dachboden bald über eine Dämmung verfügen, sodass hier ein neues, zentrales Archiv eingerichtet werden kann.

Die LAG-Entscheidung

Am 23. Januar hatte die Lokale Arbeitsgruppe (LAG) der Leader-Region LenneSchiene bei ihrer Sitzung im Burghaus in Plettenberg vier neue Projekte beschlossen. Die LAG beschloss dabei einstimmig, das Projekt „Digitale Zukunft der analogen Geschichte Plettenbergs“ mit 106 307,50 Euro zu unterstützen. Damit bleibt der Löwenanteil der für alle vier Projekte in der Lenneschiene insgesamt ausgeschütteten Fördersumme – 137 052,50 Euro – in Plettenberg. Günter Heerich, Vorsitzender des Heimatkreises Plettenberg, hatte der LAG das Projekt selbst vorgestellt und freut sich über die Förderzusage: „Da waren wir natürlich überglücklich.“ Toll daran sei, dass man so der Stadt, der das Heimathaus gehört, angesichts der momentanen Haushaltslage eine große Summe Geld spart.

Die Gelder, mit denen die Stadt das Heimathaus unterstützt, hätten laut Bauamtsleiter Sebastian Jülich nur für einen Teil der Maßnahmen gereicht, die nun geplant sind. So wäre etwa nicht das komplette Dach gedämmt worden, sondern nur ein kleinerer Raum geschaffen worden. Insofern sei die Leader-Förderung schon sehr hilfreich, so Jülich.

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