Speditionen haben stark zu kämpfen

Coronakrise: Massiver Rückgang an Aufträgen

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Nicht nur die Spedition Fölker spürt wegen Corona einen deutlichen Auftragsrückgang.

Plettenberg – Umsatzrückgänge von 50 Prozent machen den heimischen Speditionsunternehmen zu schaffen. Denn da bei vielen ihrer Kunden Kurzarbeit angesagt ist, sind Transportaufträge weggebrochen. Daher ist auch bei den Speditionen das Thema Kurzarbeit angekommen.

„Die Aufträge sind massiv zurückgegangen, weil viele Automobilzulieferer zu unseren Kunden zählen und entsprechend weniger zu tun haben. Das wirkt sich dann recht schnell auf die Transportbranche aus“, sagt Stefan Klute, Inhaber von der Firma Fölker Transporte, die 30 Mitarbeitern beschäftigt. Er schätzt, dass die Aufträge um 50 Prozent eingebrochen sind. 

Genauso hoch beziffert auch Martin Sonntag, Disponent der Maier Spedition, die Umsatzeinbrüche. Diese seien sehr plötzlich gekommen, denn vorher sei die Auftragslage noch gut gewesen. „Vor der Coronakrise konnte man sich vor Aufträgen kaum retten, dann kam von heute auf morgen der 50-prozentige Einbruch“, sagt Sonntag. 

„Normalerweise transportieren wir zum Beispiel Stahl von Siegen nach Plettenberg für diverse Gesenkschmieden und Stanzbetriebe. Die haben jetzt alle Kurzarbeit – das ist alles weggebrochen.“ Das wird für die Speditionsfirma mittelfristig auch anstehen. Zunächst habe man erst einmal Urlaub abgebaut, aber danach werde wohl nichts anderes übrigbleiben, als im Mai Kurzarbeit anzumelden, schätzt Sonntag. 

„Es ist etwas ruhiger geworden“, sagt Reinhold Grebe, Inhaber der Grebe Spedition, möchte den Rückgang allerdings nicht näher beziffern. Es habe die Speditionsbranche nicht so schwer getroffen wie etwa die Gastronomen, trotzdem spürt auch er in seinem Speditionsbetrieb mit zwölf Mitarbeitern – Aushilfen eingerechnet – die Coronakrise. Dadurch, dass Grebes Kunden weniger produzieren und teils in Kurzarbeit gegangen sind, seien auch die Transportaufträge rückläufig. „Der März ging noch, wir müssen nun schauen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht“, sagt Grebe. Wegen des Auftragsrückgangs hat er Kurzarbeit angemeldet. 

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Auch Fölker Transporte hat bereits Kurzarbeit angemeldet, wie Inhaber Klute erklärt, zunächst versuche man aber noch ohne Kurzarbeit auszukommen, indem Urlaubstage abgebaut würden. 

Man müsse aus dieser schwierigen Situation das Beste machen, findet Martin Sonntag von der Maier Spedition angesichts der Auswirkungen der Coronakrise. „Wir können den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Ziel sei der Erhalt der Arbeitsplätze. Daher bemühe man sich, den Betrieb am Laufen zu halten. „Die Kosten laufen weiter, ob ein Lkw steht oder fährt“, erklärt Sonntag. 

Von den neun Lkw der Firma stehen derzeit zwei komplett still, bei anderen habe man die Zahl der täglichen Touren auf die Hälfte gedrosselt. Dafür ist der Arbeitsaufwand in der Disposition nun umso größer. „Man ist den ganzen Tag damit beschäftigt, etwas auf die Lkws drauf zu kriegen.“ 

In der Krise sucht sich das Unternehmen dabei auch Aufträge außerhalb der Stahlbranche. So habe man ein Kühlfahrzeug angemietet und liefere nun für einen großen Kühldienstleister Lebensmittel zu den Märkten einer Discounter-Kette. „Wir fahren auch vermehrt Gerüstmaterial, was wir sonst selten machen.“ Da auf vielen Baustellen nach wie vor gearbeitet wird, fährt momentan täglich ein Lkw Gerüstmaterial aus. 

Auch bei Fölker Transporte sucht man jenseits des üblichen Kundenstammes nach Aufträgen. „Wir versuchen es, aber es ist praktisch aussichtslos“, sagt Stefan Klute. Eigentliche gebe es nirgendwo mehr Aufträge. Allenfalls im Bereich Lebensmittel gebe es einen erhöhten Bedarf, aber da fehle es an entsprechenden Kontakten in die Branche. 

Neben den Auftragsrückgängen hat die Coronakrise noch weitere Veränderungen für die Speditionen mit sich gebracht, nämlich im Bereich der Vorsichtsmaßnahmen. 

„Wir haben im Büro Schutzwände aufgestellt und die Fahrer sind angehalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und zu desinfizieren“, sagt Sonntag von der Maier Spedition. Für die Mitarbeiter habe man daher Desinfektionsspray, Handschuhen und Mundschutz zurregelmäßigen Nutzung bereitgestellt. 

Bei Fölker Transporte wurde eine Acrylglaswand aufgestellt, um die Mitarbeiter in der Abfertigung zu schützen. Ankommende Fahrer sind zum Händewaschen angehalten. Auch die eigenen Mitarbeiter sollen auf die Handhygiene achten, was natürlich auch für die Grebe Spedition gilt. Begegnungen gebe es im Unternehmen allerdings wenig wie Reinhold Grebe sagt, da die Fahrer meist den ganzen Tag unterwegs seien. 

Aber auch bei den Kunden, die angefahren werden, müssten jeweils unterschiedliche Hygienemaßnahmen befolgt werden. „Jeder Kunde handhabt es anders“, sagt Grebe. Bei einigen, bei denen es früher möglich war, direkt auf das Gelände zu fahren, müsse nun erst geklingelt werden. 

„Was ganz bitter ist, ist, dass Fahrer teilweise bei Kunden nicht die Toiletten benutzen dürfen“, weist Martin Sonntag von der Maier Spedition auf eine problematische Situation hin. „Das finde ich eigentlich nicht in Ordnung.“ 

Stefan Klute von Fölker Transporte kennt das Problem auch aus den Berichten seiner Mitarbeiter. „Die Fahrer müssen bei der Anlieferung mit Handschuhen und Mundschutz ausgestattet sein, die man selbst gar nicht bekommt.“ Aber sie dürften bei den Kunden nicht die Toiletten benutzen. „Man wird ein bisschen wie ein Aussätziger behandelt“, sagt Klute. Die Vorsichtsmaßnahmen seien zwar irgendwo verständlich, aber für die Fahrer sei es eben eine blöde Situation. Immerhin könnten sie inzwischen wieder Toiletten an Raststätten benutzen, was zwischenzeitlich auch nicht möglich gewesen sei.

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