Massive Probleme beim Umbau der Vier-Täler-Schule / Stadt Plettenberg plant Kauf der Bonifatiuskirche

Bürgermeister im MK: „2,4-Millionen-Projekt ist uns komplett um die Ohren geflogen“

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Der Umbau der Vier-Täler-Schule bringt massive Probleme mit sich.

Unerwartete Schwierigkeiten gibt es beim Umbau der ehemaligen Vier-Täler-Schule in Plettenberg-Holthausen.

Plettenberg - Vor allem das Thema Brandschutz machte umfangreiche Neuplanungen notwendig, über die jetzt Bürgermeister Ulrich Schulte, Bauamtsleiter Sebastian Jülich und Michael Schröder (Sachgebiet Allgemeiner Sozialer Dienst) in einem Pressegespräch informierten.

Überdies wurde der Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am Mittwochabend auf den neuesten Stand in Sachen Kindergarten-Planung gebracht. Der Bürgermeister gab dort unumwunden zu: „Das 2,4-Millionen-Projekt ist uns komplett um die Ohren geflogen.“ Die Plan-Änderungen sind einschneidend und von großer Tragweite, Ulrich Schulte nannte das Projekt im Pressegespräch sogar „unseren Berliner Flughafen“. Nicht alle Umbau-Maßnahmen werden im laufenden Kindergarten-Betrieb stattfinden können, weshalb die Stadt auf der Suche nach geeigneten Übergangs-Räumlichkeiten eine ungewöhnliche Lösung anstrebt: Den Kauf der ehemaligen Bonifatiuskirche im Oestertal.

Der ursprüngliche Plan: Der Baubeschluss fiel bereits im Juli 2019 und sah vor, den großen Gebäudekomplex in Holthausen umfangreich umzubauen, um ihn gleich für mehrere Institutionen nutzen zu können: Zum einen für die beiden Holthauser Kindergärten, die zusammengelegt werden (das geschieht auch unabhängig von den Baumaßnahmen rein formell zum neuen Kindergartenjahr) und durch eine U3-Gruppe erweitert werden. Zum anderen für die Offene Ganztagsgrundschule (OGS) der Grundschule Holthausen sowie die Volkshochschule (VHS). Schon vor vier Jahren war das Stadtarchiv nach Holthausen umgezogen.

Die Planungen, die innerhalb der Stadtverwaltung vorgenommen wurden, hatten unter der Voraussetzung begonnen, dass das Gebäude dem Stand der Technik (z. B. hinsichtlich des Brandschutzes) entspricht und bauaufsichtlich genehmigt ist. Ursprünglich sollten die Umbauarbeiten bereits in diesem Sommer abgeschlossen werden, damit die neue Kindertagesstätte ihren Betrieb aufnehmen kann.

Der Ist-Zustand: Der derzeitige Stand ist allerdings ein anderer: „Mutig und frisch haben wir angefangen“, berichtet Ulrich Schulte. Da allerdings im Dezember die städtische Bauleiterin krankheitsbedingt ausfiel, wurde ein externer Architekt mit der Fortführung beauftragt.

Das hat nicht nur zu einer deutlichen Verzögerung der Maßnahme geführt, sondern hat auch, und das erscheint viel gravierender, bei der Überprüfung der Örtlichkeiten zahlreiche Mängel zu Tage gefördert. Unter anderem entspricht der Gebäudezustand der ehemaligen Vier-Täler-Schule sowie des Stadtarchivs nicht der Baugenehmigung. Der Fluchtweg aus dem Sonderklassentrakt, der zur Hangseite gelegen ist, sei so nicht zulässig, weil er unter anderem zu lang sei und über eine Treppe führe, die nicht der Norm entspräche. Dieser Gebäudeteil darf bis zu einem Umbau gar nicht mehr genutzt werden. Heißt: Die Volkshochschule, die in der Zwischenzeit bereits die neuen Räumlichkeiten im zweiten Obergeschoss bezogen hatte, musste (vorerst) wieder raus. Schlechte Nachrichten gibt es auch für das Stadtarchiv: Es entspricht nicht den Brandschutz-Anforderungen und müsste nachgerüstet werden.

Wichtig ist Schulte und Jülich in diesem Zusammenhang aber zu betonen: „Es besteht derzeit keine Gefahr – die Menschen kommen immer raus.“ Eine Brandmeldeanlage sei selbstverständlich vorhanden. Das Problem: Das Gebäude wäre in einem Brandfall nicht zu retten.

Die neue Planung: Nach dem Stopp des Umbaus hat man nun die Planung angepasst und ein neues Brandschutzkonzept entwickelt. „Wir wollen vernünftig Grund reinbringen“, verspricht Bürgermeister Ulrich Schulte. Zum einen sollen die Räumlichkeiten im Sonderklassentrakt nach den neuen Vorgaben für die VHS und die OGS hergerichtet werden. Die entscheidende Änderung ist aber: Aus einem großen Gebäudekomplex werden zwei. Die Verbindung zwischen dem Gebäudeteil, der sich zur Straße Auf der Lied befindet, und dem Sonderklassentrakt am Hang wird aus Brandschutzgründen gekappt. Die „Pausenhalle“ mit dem aufgesetzten Spitzdach, für das es laut Jülich weder eine Baugenehmigung noch eine Statik gebe, wird zurückgebaut.

Kindergarten-Betrieb: Dieser massive Eingriff in das Gebäude bedeutet aber, dass der Umbau nicht während des laufenden Kindergarten-Betriebes stattfinden kann, weil durch eine komplette Einrüstung Ein- und Ausgänge versperrt wären, zudem in manchen Bauabschnitten kein Wasser oder Strom zur Verfügung stünden. Dennoch müssen Räumlichkeiten für die neue U3-Gruppe geschaffen werden.

Und damit begann die Suche nach einem passenden Ausweich-Objekt, das die Stadtverwaltung laut Michael Schröder gerne in Holthausen gefunden hätte. Doch das gelang nicht: Nachdem zwischenzeitlich auch eine Containerlösung im Gespräch war, ist man schließlich auf die einstige Bonifatiuskirche im Oestertal gestoßen, die seit längerem leer steht und nun von der Stadt gekauft werden soll. Zwar ist der Vertrag mit der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius noch nicht unterschrieben, doch die Verhandlungen sind so gut wie abgeschlossen. Dazu gab es einen Dringlichkeitsbeschluss im Hauptausschusses, der Rat muss Ende des Monats noch seine endgültige Zustimmung geben.

Die Stadt Plettenberg plant den Kauf der ehemaligen Bonifatiuskirche, um sie vorübergehend als Kindergarten herzurichten.  

Die Planung sieht vor, dass der Versammlungsraum, der sich zwischen eigentlicher Kirche und Wohnhaus befindet, für den U3-Betrieb hergerichtet wird. In der Kirche selbst erfolgt dann der Umbau für den Ü3-Betrieb. Sind die Kinder vorübergehend umgezogen, kann der Um- und Ausbau der Kindertagesstätte in Holthausen beginnen, der im Sommer 2021 abgeschlossen sein soll.

Das große Manko an dieser Lösung ist die Entfernung nach Holthausen. Das wurde auch an den zahlreichen Nachfragen von verärgerten Eltern in der Einwohnerfragestunde des Jugendhilfeausschusses deutlich. Doch die Stadtverwaltung verspricht kurzfristige Lösungen. Denkbar ist z. B. ein Shuttlebus-Service, zudem soll es Härtefall-Regelungen geben.

Die Kosten: Ursprünglich waren für die Baumaßnahme 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Dabei soll es laut Sebastian Jülich auch bleiben: „Die Kosten steigen nicht“, sagt der Bauamtsleiter. Erklären lässt sich das dadurch, dass in den neuen Plänen zwar einzelne Baumaßnahmen hinzukommen, andere aber wegfallen. Unter anderem ist es nicht mehr notwendig, am vordereren Gebäudeteil einen Balkon oder Spielflur anzubauen.

Hinzu addieren sich allerdings die Kosten für den Kauf der Bonifatiuskirche, die sich nach Informationen unserer Zeitung etwa auf den Preis eines Einfamilienhauses belaufen. Zudem fallen Kosten für die vorübergehende Herrichtung als Kindergarten an.

Angedacht ist auch schon die anschließende Nutzung im Oestertal: Dort soll dann das Archiv untergebracht werden. Hier werden die Kosten aktuell mit etwa 75 000 Euro veranschlagt. „Wirtschaftlich und dauerhaft ist das die bessere Lösung“, erklärt Schulte.

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