Landeskirchliche Gemeinschaft in Plettenberg

Gemeinde in Plettenberg dreht Gottesdienst-Video im Schafstall

Eine Szene des Videos wurde in einem Schafstall in Balve gedreht.
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Eine Szene des Gottesdienst-Videos wurde in einem Schafstall in Balve gedreht. LKG-Pastor Johannes Westhoff sprach seinen Predigttext ein, gefilmt vom 15-jährigen Simon Grüßing.

Einen klassischen Gottesdienst wird auch die Landeskirchliche Gemeinschaft in diesem Jahr nicht feiern. Stattdessen gibt es ein von engagierten Gemeindemitgliedern produziertes Gottesdienst-Video, für das sogar Szenen in der Phänomenta und in einem Schafstall gedreht wurden.

Plettenberg – Ursprünglich war das Video nur als Ergänzung zu den Andachten unter freiem Himmel gedacht, die unter dem Motto „Weihnachten bewegt“ rund ums Gemeindehaus stattfinden sollten. An drei Stationen – die Hirten auf dem Feld, die drei Weisen aus dem Morgenland und Maria und Josef mit dem Jesuskind im Stall – sollte die Gemeinde so die Weihnachtsgeschichte erleben.

Ehrenamtliche Mitarbeiter sollten dort als Statisten in die jeweiligen Rollen schlüpfen. Mit viel kreativem Engagement wurden im Oktober und November Kostüme aus dem Fundus zusammengestellt, Kulissen gebaut und die Texte für die kleinen Predigten geschrieben, berichtet Gemeindepastor Johannes Westhoff. Doch an diesem Open-Air-Gottesdienst hätten maximal 100 Personen teilnehmen können. „Deshalb wurde als ,Plan B‘ eine VideoAufnahme im Vorfeld geplant, um ein Angebot für diejenigen zu haben, die an Heiligabend nicht dabei sein können oder möchten.“

Das Video ist inzwischen umso wichtiger geworden: Wegen der sich verschärfenden Corona-Infektionslage hatte die Gemeinde Anfang Dezember die Planungen für den Open-Air-Andachten zunächst umgestellt – auf zwei Gottesdienste à 50 Personen.

Aus Plan B wurde Plan A 

Das endgültige Aus kam dann am 16. Dezember, als die Evangelische Kirche von Westfalen empfahl, auf alle Präsenz-Gottesdienste bis zum 10. Januar zu verzichten, die Weihnachtsgottesdienste eingeschlossen. „Damit wurde für uns aus ,Plan B‘ – dem Videofilm – nun ,Plan A‘“, berichtet Westhoff.

Als Anfang Dezember für die Video-Szenen die Dreharbeiten begannen, war diese Entwicklung noch nicht abzusehen. Neben dem Gemeindehaus wurde auch jenseits der Stadtgrenzen gefilmt. Für die Sequenz über die drei Weisen aus dem Morgenland hatte das Mitarbeiter-Team die Idee, in der Phänomenta in Lüdenscheid zu drehen. „Die drei Weisen sind ja bei ihrer ,wissenschaftlichen Forschungsarbeit‘ im von Israel weit entfernten Mesopotamien auf den hellen Stern aufmerksam geworden“, erläutert Westhoff die Wahl des Drehorts, in dem sich „Wissenschaft zum Anfassen“ gut veranschaulichen lasse.

Die Phänomenta ist zwar wegen Corona geschlossen, erlaubte dem dreiköpfigen Filmteam jedoch, dort am 9. Dezember Filmaufnahmen zu machen. „Wir wurden freundlich in der Phänomenta empfangen und nach kurzer Absprache mit den verantwortlichenMitarbeitern stellte sich der Bereich ,Optik‘ als geeignete Location heraus“, berichtet Westhoff, der selbst vor der Kamera stand und seinen Predigttext einsprach.

Beeindruckender Dreh im Stall

Hinter der Kamera stand der 15-jährige Simon Grüßing, der gemeinsam mit seinem Vater Holger in den vergangenen Monaten schon mehrere Videos für die Gemeinde produziert hat. Fürs Filmen ist hauptsächlich Simon zuständig, sein Vater schaut ihm dabei aber über die Schulter und berät ihn, zum Beispiel bei der Wahl der richtigen Kamera-Einstellungen. Und er hilft beim Transport der Ausrüstung. Die ist mit einem Fotoapparat, der als Filmkamera dient, mehreren Ständern und gegebenenfalls Leuchten, überschaubar, muss aber eben auch erst einmal zu den Drehorten gebracht werden.

„Für mich war das Filmen eine neue Erfahrung, vor allem, wie aufwendig die Arbeit hinter der Kamera und wieviel Zeit und Aufwand in ein paar Minuten Video stecken“, sagt Simon Grüßing.

Am 12. Dezember ging es dann nach Balve, um im Schafstall der Familie Linsmann zu drehen. Maria Linsmann hatte vor einigen Jahren bei einem Gottesdienst zum Thema „Der gute Hirte“ von ihrer Arbeit als Schäferin berichtet. Nun fragte die Gemeinde an, ob sie ihren Schafstall für Dreharbeiten zur Verfügung stellen würde, und sie sagte zu. Die Dreharbeiten dort hinterließen beim Filmteam einen bleibenden Eindruck.

„Die Weihnachtsgeschichte mit den Hirten, Schafen und dem Stall gehören ja traditionell unlösbar zusammen“, sagt Pastor Johannes Westhoff. „Die Erfahrung, nun selbst für zwei bis drei Stunden für die Videoaufnahmen im Stall zu arbeiten, hat uns jedoch einen viel tieferen Einblick in diese Szene ermöglicht. Auch die Berichte der Schäferin über etliche Geburten junger Lämmern in den vergangenen Tagen und Nächten und der damit verbundene Schlafmangel, der für sie dazugehört, waren sehr beeindruckend.“

Simon Grüßing schnitt das Video am heimischen PC zusammen.

Finaler Schnitt am heimischen PC 

Deswegen sei er für den Einsatz von Holger und Simon Grüßing sehr dankbar, deren Arbeit mit den Dreharbeiten noch nicht abgeschlossen war: „Die Sequenzen müssen noch am Computer bearbeitet und geschnitten werden. Das ist ein sehr großer Aufwand, den man beim Betrachten des fertigen Films nicht vermutet“, sagt er.

„Um die einzelnen VideoSequenzen zu einem Film zusammen zu bringen haben wir eine Video-Schnittsoftware angeschafft“, erzählt Holger Grüßing. „Das erleichtert natürlich die Arbeit, Liedtexte, Gesang und Video-Sequenzen zusammenzuführen.“ Mit dem Schnitt ist vor allem Simon beschäftigt. „Für die Schnittarbeit mit Textfolien und verschiedenen Videoeinstellungen für eine Predigt benötige ich im Durchschnitt etwa anderthalb, manchmal auch zwei Stunden“, sagt Simon. Alles in allem – Dreharbeiten, Anfahrt, Schnitt – hätten sie mehr als zehn Stunden in das Video zum Heiligabend-Gottesdienst investiert, sagt Holger Grüßing.

Das fertige Video wird am heutigen Heiligabend auf dem Youtube-Videokanal der LKG Holthausen um 16.30 Uhr – der ursprünglichen Startzeit des Open-Air-Gottesdienstes – freigeschaltet. „Wir hoffen, dass aus der Not nun eine Chance wird, dass wir umso mehr Menschen mit dem Video erreichen, auch wenn wir es natürlich sehr bedauern, keine Weihnachtsgottesdienste anbieten zu können“, sagt Johannes Westhoff „Aber: Die Gesundheit der Menschen geht natürlich vor!“ 

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