Firma weist Vorwürfe zurück

Virus-Wirbel: Ließ Plettenberger Unternehmen trotz Corona-Verdacht weiter arbeiten?

Frauenthal Powertrain in Plettenberg
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Bei Frauenthal Powertrain gab es Ende Dezember mehrere Corona-Fälle. Die Ansteckungen erfolgten laut Unternehmen aber im familiären Umfeld.

In der industriellen Produktion lassen sich viele Tätigkeiten nicht ins Homeoffice verlagern. Umso wichtiger sind Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter. Der Firma Frauenthal Powertrain werden in diesem Punkt Versäumnisse vorgeworfen. Unternehmen und Betriebsrat weisen diese jedoch entschieden zurück.

Plettenberg – Die Vorwürfe über mangelnde Corona-Schutzmaßnahmen wurden in einem anonymen Schreiben erhoben, das der Redaktion des Süderländer Tageblatts vorliegt. Demnach sei ein Arbeiter im Dezember in der Schmiede 1 zur Arbeit gekommen und habe gesagt, dass es ihm schlecht gehe und er nichts rieche. Trotz dieser Symptome hätte der betreffende Angestellte an diesem und vier weiteren Tagen weitergearbeitet und habe dabei noch einen weiteren Mitarbeiter angesteckt. Beide seien an Corona erkrankt.

Vorwurf: Firma tat zu wenig für Schutz

Sowohl der Firma Frauenthal als auch dem Betriebsrat wird in dem Schreiben Untätigkeit vorgeworfen. Es habe keine Tests für die Mitarbeiter gegeben, die ganze Schicht habe weitergearbeitet, niemand sei in Quarantäne geschickt worden. Die Firma habe auch keinen Mundschutz an die Mitarbeiter verteilt. Es würde einfach weitergearbeitet, als ob es Corona nicht gäbe, so der Vorwurf. Zudem wird die Vermutung geäußert, dass das Gesundheitsamt nichts von den Infektionsfällen wisse. Die Mitarbeiter hätten Angst, heißt es abschließend.

In einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem Betriebsrat weist Frauenthal diese Vorwürfe eindringlich zurück und schildert das bisherige Infektionsgeschehen im Unternehmen. Demnach gab es bis zum Monat Dezember lediglich zwei Infektionsfälle im gesamten Werk Plettenberg. Die Ansteckung erfolgte unabhängig voneinander im familiären Umfeld, schreibt Michael Schwarzer, Leiter Personal bei Frauenthal Powertrain und dort außerdem für den Bereich Presse und Kommunikation verantwortlich. Ende Dezember seien noch fünf Infektionsfälle hinzugekommen, von denen aktuell noch vier akut infiziert seien. Die positiven Testergebnisse dieser fünf Fälle hätten das Unternehmen allerdings erst während, teilweise sogar erst nach der Betriebsruhe vom 23. bis 31. Dezember erreicht.

Auch auf die zwei in den Vorwürfen genannten Fälle geht das Unternehmen ein. „Korrekt ist, dass es zwei Infektionsfälle in der Schmiede gab. Beide Mitarbeiter wurden in den Tagen vor Weihnachten positiv getestet, nachdem sie Symptome entwickelt hatten. Zu dieser Zeit waren beide Mitarbeiter allerdings bereits nicht mehr im Betrieb und nahmen bereits ab dem 21. Dezember ihren Resturlaub in Anspruch“, heißt es in der Stellungnahme.

Symptome und der anschließende Test ereigneten sich demnach in den arbeitsfreien Tagen. Auch eine gegenseitige Ansteckung habe es nicht gegeben. „Nach unserer Recherche der Chronologie der Ereignisse sowie auf Nachfrage bei den Vorgesetzten kann nicht bestätigt werden, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen beiden Infektionen gab, bzw. ein Mitarbeiter wissentlich mit Corona-Symptomen über mehrere Tage gearbeitet hat“, teilt Schwarzer mit. Weitere Infektionen in der Schmiede habe es nicht gegeben. Somit seien im Nachgang der zwei Infektionsfälle nach dem Jahreswechsel auch keine weiteren Test- oder anderweitige Maßnahmen eingeleitet worden. Ein Kontakt zum Gesundheitsamt, das im Normalfall Kontaktpersonen auch im betrieblichen Umfeld identifiziert und Quarantänemaßnahmen einleitet, habe weder in diesen beiden noch den drei verbleibenden Fällen im Dezember bestanden.

Weitere Fälle seien im gesamten Werk nicht hinzugekommen, heißt es. Die Mitarbeiter, die sich nach Wiederaufnahme des Betriebs am 4. Januar noch in häuslicher Quarantäne befanden, würden vor Arbeitsantritt getestet, damit das Virus nicht im Betrieb verbreitet wird.

Maskenpflicht und Spuckschutz

Dies sollen auch die Schutzmaßnahmen verhindern, welche die Firma detailliert erläutert. Im Laufe der Pandemie wurden demnach zunächst Einzelmaßnahmen ergriffen – so wurden laut Unternehmen den Mitarbeitern Ein- und Mehrwegmasken zur Verfügung gestellt – und schließlich in einem Hygienekonzept zusammengefasst.

Es beinhalte etwa die Aufstellung von Desinfektionsspendern in Eingangsbereichen, Mund- und Nasenschutzpflicht auf dem gesamten Werksgelände und die Anbringung von Spuckschutzscheiben an Anlagen, an denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Zudem sei darin geregelt, dass Mitarbeiter bei Symptomen oder direktem Kontakt mit einer infizierten Person das Werksgelände nicht betreten und, wenn sie während der Arbeit Symptome zeigen, von den Vorgesetzten nach Hause geschickt werden sollen.

Frauenthal

Frauenthal ist ein börsennotierter österreichische Sanitärgroßhändler und Autozulieferer. Im März 2017 übernahm die Frauenthal-Gruppe die Mahle Motorkomponenten GmbH in Kückelheim.

Dort erfolgt die Entwicklung und Produktion von Schmiedepleuel und Ausgleichswellen für die Pkw- und Lkw-Industrie – hier galt der Standort Plettenberg mit 510 Mitarbeitern als Technologieführer, mit einem Marktanteil von über 30 Prozent in Europa. mj

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