Brückenprüfung der Bahn

Wie lange hält die uralte Lennebrücke noch?

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Die fast 160 Jahre alte Lennebrücke am Siesel zeigt überaus deutliche Alterserscheinungen und wurde in der vergangenen Nacht mit einem Spezial-Lkw untersucht.

160 Jahre hat die denkmalgeschützte Lennebrücke am Siesel auf dem Buckel. Aufgrund ihres Alters muss sie regelmäßig kontrolliert werden. Am frühen Mittwochmorgen stand wieder eine solche Brückenprüfung an.

Plettenberg – Wir schreiben das Jahr 1861. Wilhelm I. wird neuer König von Preußen, Zar Alexander hebt die Leibeigenschaft im russischen Reich auf und Abraham Lincoln hat in den Südstaaten einen Bürgerkrieg und ein Problem mit den Konföderierten Staaten in Amerika. Ungeachtet dieser weltpolitischen Ereignisse wird im beschaulichen Plettenberg die Eisenbahnbrücke zwischen der Ortslage Soen und dem Siesel ihrer Bestimmung übergeben. Seitdem rollten hunderttausende Personen- und Güterzüge über die beeindruckende Brücke, die nicht nur den Ersten und Zweiten Weltkrieg, sondern auch zahlreiche Hochwasserwellen überstanden hat.

Normalerweise untersucht die Bahn nach Auskunft der Presseabteilung die Brückenbauwerke nur alle sechs Jahre –- am Siesel sind die Intervalle aufgrund des baulichen Zustands kürzer. In der vergangenen Nacht kam ein 20 Tonnen schweres Untersichtgerät auf Lkw-Basis zum Einsatz, um die Brückenschäden zu dokumentieren. Die Anwohner wurden wegen der Lärmbelästigung vorgewarnt.

Laut Anwohnerinformation sollte die Brückenkontrolle zwischen 23 und 4 Uhr stattfinden. Unklar war zunächst, ob die Prüfung tatsächlich stattgefunden hatte, denn zumindest zu Beginn des angegebenen Zeitraums war davon noch nichts festzustellen. Auf Nachfrage bestätigte Michael Hoopf, der für die Prüfung zuständige Bauleiter, dass die Prüfung durchgeführt wurde, allerdings erst ab 1 Uhr nachts. Auch erst ab diesem Zeitpunkt wurde erst die Strecke gesperrt. In der Information vorab habe man den Zeitraum bewusst etwas weiter angegeben.

Bis die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, wird es noch dauern. Was die Untersuchung der Brücke ergeben hat und wie schlimm es um das denkmalgeschützte Bauwerk steht, werden wir dann an dieser Stelle berichten.

Knapp 160 Jahre hinterließen ihre Spuren an denkmalgeschützter Lennebrücke

Über die Lennebrücke und ihren Zustand schreibt Eisenbahn-Experte Dietmar Kunen: Für die Region Südwestfalen ist die Ruhr-Sieg-Strecke eine wichtige Transportader, an der allerdings 159 Jahre nach ihrer durchgängigen Eröffnung am 6. August 1861 für Jedermann sichtbar der Zahn der Zeit vor allem an den gemauerten Eisenbahnviadukten nagt. Zum Mauern der Sieseler Brücke wurde Kalkmörtel benutzt, der im Flussbereich mit einem hohen Anteil an Trass Verwendung fand. Ein gemauertes Ziegelsteingeländer bildete den Abschluss der Brücke. Der aktuelle Zustand zeigt an den Brückenbögen und den Strompfeilern starke Auswaschungen des Mörtelmaterials, die. Dies deutet darauf hin , das Oberflächenwasser aus dem Gleisbereich ungehindert auf das Mauerwerk der Brückeninnenseite trifft und die Auswaschungen auslöst. Des Weiteren sind die Fugen der Bruchsteinmauerung schadhaft, das Fugenmaterial ist teilweise mehlig und feucht. Das Eindringen von Wasser in die schadhaften Fugen wird durch Birkenbewuchs begünstigt. Bei Frostwetter friert das eindringende Wasser und sprengt Fugen und Steine auseinander. Herabfallende Steine sind daher keine Seltenheit. Die Brücke litt vor allem durch die hohe Zugfolge der Nachkriegsjahre, als im Blockabstand schwere Kohlezüge ins Siegerland und Erzzüge aus dem Siegerland ins Ruhrgebiet über das Bauwerk rollten, das heute eine Tempobeschränkung hat. So gesehen wird es „höchste Eisenbahn“, die Brücke zu untersuchen und Sanierungsarbeiten an dem fast 160 Jahren alten Bauwerk vorzunehmen, das in der Denkmalliste der Stadt Plettenberg steht.

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