Verkehrszeichen „Gefahrenstelle“ improvisiert

Kuriosität: An Bundesstraße im MK steht ein Verkehrsschild, das es gar nicht gibt

Das umgedrehte „Vorfahrt gewähren“-Schild.
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Das umgedrehte „Vorfahrt gewähren“-Schild steht sowohl an der Bushaltestelle Wiebecke als auch gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Auf der Bundesstraße 236 zwischen Siesel und Pasel steht ein Verkehrsschild, das in Deutschland gar nicht vorkommt. Selbst der Landesbetrieb Straßen.NRW wundert sich über die Kuriosität.

Plettenberg – In Deutschland ist so gut wie alles geregelt. Zum Beispiel Verkehrszeichen. Diese sind Teil der Straßenausstattung und werden behördlich angeordnet. Privatpersonen dürfen grundsätzlich keine Verkehrsschilder aufstellen; eine Ausnahme ist die Sicherung und Kennzeichnung von Baustellen, aber auch dies bedarf der vorherigen Zustimmung der zuständigen Straßenverkehrsbehörde.

Womit wir beim Thema wären: An einer Baustelle auf der Bundesstraße 236 zwischen Siesel und Pasel stehen in Höhe Wiebecke seit Abschluss der Maßnahme zwei Schilder, die es so eigentlich gar nicht gibt. Der Reihe nach: Überquert man den Bahnübergang am Siesel in Richtung Finnentrop, folgt nach rund 200 Metern auf der rechten Seite ein Verkehrszeichen.

Es ist das allererste in der Liste der Gerfahrenzeichen, trägt deshalb die Nummer 101, und weist mittels eines Ausrufezeichens auf weißem Grund in einem rot umrandeten Dreieck mit der Spitze nach oben auf eine Gefahrenstelle hin. An besagter Stelle hinter dem Bahnübergang ist es mit dem Zusatz „Straßenschäden“ versehen. So weit, so gut.

Knapp einen Kilometer weiter, ausgangs mehrerer Rechtskurven, sind diese Straßenschäden unlängst beseitigt worden. Nach der Neuasphaltierung der Bundesstraße wurde dort Rollsplitt aufgebracht, so steht es auch auf einem Zettel, der unter einem Schild angebracht wurde, das die gleiche Form und Farben wie das erwähnte Schild mit der Nummer 101 aufweist, auf dem jedoch das Ausrufezeichen (Gefahrenstelle) fehlt.

So sieht das korrekte Schild „Gefahrenstelle“ aus.

Ein solches Verkehrszeichen gibt es in Deutschland aber gar nicht. Irgendein Piktogramm ist auf allen dreieckigen Schilder mit Spitze nach oben immer zu finden, sei es eine Schneeflocke (Verkehrszeichen 101-51), ein Auto, das vom Ufer ins Wasser fällt (101-53) oder ein Rind (101-12), das auf Viehtrieb hinweist. Bekannt im Sauerland ist auch Gefahrenzeichen 142, der springende Hirsch, der vor Wildwechsel warnt.

Ein rot umrandetes Verkehrszeichen mit weißem Grund, aber ohne Symbol, ist indes das Schild mit der Nummer 205 (Vorfahrt gewähren) aus der Rubrik der Vorschriftszeichen. Nur zeigt hierbei die Spitze des Dreiecks nicht nach oben, sondern nach unten – ein Schild, das es in dieser Ausrichtung kein zweites Mal gibt.

Die Vermutung liegt nahe, dass Verkehrszeichen 205 nun dafür herhalten musste, weil Verkehrszeichen 101 gerade nicht zur Hand war, als die Ausbesserungsarbeiten an der B 236 beendet waren. Also wurde es kurzerhand gedreht und sah prompt einem Gefahrenzeichen täuschend ähnlich. Mangels Piktogramm aber eben auch nur ähnlich. Aufgrund des Zettels mit der Aufschritt „Rollsplitt“ hätte zumindest ein Ausrufezeichen her gemusst.

Mittels eines wasserfesten Filzschreibers hätte man es aufmalen können, aber dann wäre es als Vorschriftzeichen 205, wieder zurückgedreht, an anderer Stelle wohl nicht mehr zu gebrauchen gewesen.

„Das ist natürlich so nicht zulässig“, machte Andreas Berg, Pressesprecher der Außenstelle von Straßen.NRW in Hagen, sofort deutlich, nachdem er mit unserem Bild des falschen Schildes konfrontiert wurde. „Das wird die Baufirma gemacht haben, wir waren das nicht“, versprach Berg, seine Kollegen von der zuständigen Regionalniederlassung Südwestfalen in Netphen über die unkonventionelle Schilderdrehung zu informieren, nahm den Notbehelf der Baufirma aber auch mit einer gehörigen Portion Humor: „Das ist echt mutig und kommt auf jeden Fall in meine Kuriositätensammlung.“

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