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Kunden müssen flexibel sein: Große Lieferprobleme bei Fahrrädern

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Von: Johannes Opfermann

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Zur Endmontage fehlen vielen Fahrradherstellern Komponenten wie Ketten oder Schaltungen, die größtenteils aus Asien importiert werden. Das führt wiederum zu Lieferproblemen bei den Rädern, berichtet Ute Schröder vom Zweirad-Haus Schröder in Holthausen.
Zur Endmontage fehlen vielen Fahrradherstellern Komponenten wie Ketten oder Schaltungen, die größtenteils aus Asien importiert werden. Das führt wiederum zu Lieferproblemen bei den Rädern, berichtet Ute Schröder vom Zweirad-Haus Schröder in Holthausen. © Opfermann, Johannes

Eigentlich lädt der Sommer zum Radeln ein, doch wer sich ein neues Fahrrad anschaffen möchte, muss mit erheblichen Wartezeiten rechnen. Denn die weltweiten Lieferprobleme, die insbesondere auch die Fahrradbranche betreffen, bekommen auch die Händler in der Vier-Täler-Stadt zu spüren.

Plettenberg – Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts rechnen Einzelhändler noch mindestens bis zum Sommer 2023 mit erheblichen Lieferproblemen, die bei Fahrrädern mit am gravierendsten sind.

Zweirad-Haus Schröder

Dass dies auch für hiesige Fahrradhändler gilt, kann Ute Schröder, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernd das Zweirad-Haus Schröder in Holthausen führt, nur bestätigen: „Es sind nicht nur Fahrräder betroffen, sondern auch Elektroräder, Reifen und Ersatzteile – alles, was aus Asien kommt.“ Erst waren es die Herstellungswerke, die wegen Corona lange geschlossen waren. Die Produktion läuft zwar inzwischen wieder an, dafür gibt es lange Verzögerungen auf den Transportwegen.

Da viele Hersteller auf Komponenten der japanischen Firma Shimano angewiesen sind, fehlen diesen die Einzelteile für die Endmontage, erklärt Schröder. Betroffen sind beispielsweise Schaltungen, Bremsen, bei Elektrofahrrädern kommen auch Teile des Motors hinzu. „Alle technischen Teile kommen von Shimano.“ Auch bei Kinderfahrrädern, die nur eine Ein-Gang-Schaltung haben, gibt es aus diesem Grund Lieferprobleme, weil die Bremsnabe für die Rücktrittbremse ebenfalls vom japanischen Hersteller kommen.

„Ware, die wir im August 2021 bestellt haben, ist noch nicht da. Die bekommen wir teilweise erst nächstes Jahr“, sagt Ute Schröder. „Und die Hersteller können nicht sagen, wann sie liefern können.“ Viele nähmen keine Nachbestellungen mehr entgegen, sodass auch Kunden, die heute etwas bestellen möchten, kein konkretes Lieferdatum genannt werden könne.

„Wir können keinen Kunden bedienen, der ein bestimmtes Rad aus dem Katalog bestellen möchte – zum Beispiel auch noch mit einem anderen Rahmen oder einer anderen Farbe“, sagt Schröder. Kunden müssten dann von ihren Wünschen abweichen und zum Beispiel das Rad eines anderen Herstellers nehmen. Anbieten könne man momentan nur die Ware, die auch im Laden vorhanden ist oder die bereits bei den Herstellern bestellt, aber noch nicht geliefert wurde. „Bei allen Herstellern ist es das gleiche Bild“, so Schröder zu der insgesamt frustrierenden Lage: „Wir können die Kunden nicht so bedienen, wie wir möchten.“ Wenn es über einen längeren Zeitraum so bleibe, dass Händler keine Ware mehr hätten, aber selbst noch laufende Rechnungen bedienen müssen, könne es für manchen schwierig werden.

Die Lieferprobleme betreffen im Übrigen nicht nur Neuware bzw. die Komponenten für die Fahrrad-Produktion, sondern auch die Ersatzteile. Somit ist auch im Zweirad-Haus nicht nur der Verkauf, sondern auch der Werkstatt-Bereich betroffen. „Kunden müssen teilweise länger auf eine Reparatur warten“, so Schröder.

Reifen sind von den Lieferproblemen ebenfalls nicht ausgenommen, denn größtenteils handelt es sich auch hier um Importware aus Asien. Die Lager vieler Lieferanten, auch bei Reifen für motorisierte Zweiräder, seien folglich leer. Einzelne Hersteller wie Schwalbe seien deswegen dazu übergegangen, Altreifen zu recyceln, erklärt Schröder.

Bike-Galerie

Michael Bergmann, Inhaber der Bike-Galerie zeichnet ein nicht ganz so dramatisches Bild wie die ifo-Umfrage mit Lieferproblemen bis mindestens zum nächsten Sommer, berichtet aber auch von Verzögerungen. „Es gibt Fälle, wo Kunden ein Dreivierteljahr warten, aber das ist eher die Ausnahme.“

Die Verzögerungen liegen eher zwischen zwei und zehn Wochen, schätzt der Eiringhauser Fahrradhändler, aber es sei nicht so, dass man bis zum nächsten Jahr keine Ware bekomme. Bei Lieferterminen, die zwischen Januar und März lagen, seien die Verzögerungen etwas stärker gewesen als jetzt. Bestellungen für Juni bis August seien sogar zum Teil pünktlich.

Michael Bergmann von der Bike-Galerie ist auch von den Lieferproblemen betroffen. Mit Vorausplanung und Flexibilität könne man sich darauf aber einstellen. (Archivfoto)
Michael Bergmann von der Bike-Galerie ist auch von den Lieferproblemen betroffen. Mit Vorausplanung und Flexibilität könne man sich darauf aber einstellen. (Archivfoto) © Dickopf, Georg

Es komme auch darauf an, wie die Kunden mit der Lieferproblematik umgehen. „Es ist nicht so, dass man auf den Knopf drückt und in 14 Tagen ist das Fahrrad da“, sagt Bergmann. „Wer sich darauf einstellt, frühzeitig bestellt und flexibel ist, bekommt auch ein Fahrrad.“

Insgesamt komme es bei den gegenwärtigen Schwierigkeiten auf die einzelnen Lieferanten und Hersteller an. Wenn diese die Einzelteile zur Montage ihrer Räder bekämen, könnten sie diese auch ausliefern. „Es gibt aber definitiv Probleme, weil die die Hersteller nicht an alle Einzelteile kommen. Es sind ganz banale Sachen wie Ketten oder Bremsscheiben, die einfach fehlen“, so Bergmann. „Das liegt primär an den Zulieferketten aus Asien.“

Die Fahrradbauer in Europa könnten sogar noch mehr Fahrräder bauen und verkaufen, wenn sie die Teile dafür hätten und nicht schon ihre Produktionskapazitäten ausgeschöpft hätten. „Sie haben den Luxus, dass es mehr Kunden gibt als sie Fahrräder bauen können“, so Bergmann.

Auch das wirkt sich aber darauf aus, dass die Auswahl eingeschränkt ist. „Ich kann nur das nehmen, was schon in einer bestimmten Stückzahl produziert wird.“ Flexible Nachbestellungen – auch für die Saison 2023 – seien nicht möglich.

Auch der Werkstattbereich in der Bike-Galerie ist von den Lieferproblemen mitbetroffen, da Einzelteilen wie Schläuche, Reifen, Ketten oder Ritzel fehlen und nicht innerhalb weniger Tage lieferbar sind. „Als kluger Händler muss ich da für meine Kunden vorsorgen und das Lager auffüllen. Es ist alles von der richtigen Planung abhängig, dann fluppt es“, so Bergmann.

2-Rad Meyer

„Die allgemeine Liefersituation, die Lage in der Branche ist prekär“, sagt Holger Rahn, Inhaber von 2-Rad Meyer an der Wilhelmstraße. Dabei sei es immer vom Lieferanten und dem jeweiligen Fahrradmodell abhängig. „Bei einem Lieferanten hatte ich großes Glück – der hat mich gut beliefert – und bei einem hatte ich großes Pech.“

Für Holger Rahn von 2-Rad Meyer hängen Verzögerungen stark vom Lieferanten ab. (Archivfoto)
Für Holger Rahn von 2-Rad Meyer hängen Verzögerungen stark vom Lieferanten ab. (Archivfoto) © Opfermann, Johannes

Auf den Messen und Präsentationen für die Fahrradsaison 2023 werde deutlich, dass die Produktvielfalt durchaus da ist. „Das Problem ist, was man geliefert bekommt“, so Rahn. Bestellungen für das kommende Jahr müsste man eigentlich bis zum Frühjahr 2022 abgeben. Von einem Lieferanten habe er sogar schon für 2023 bestellte Ware erhalten, berichtet der Fahrradhändler. Andererseits sei vor kurzem eine Lieferung eingetroffen, die schon vor einem Vierteljahr erwartet wurde.

Bis Ende 2023 werde es wohl noch zu Verzögerungen kommen, schätzt Rahn. Verlässliche Aussagen seien im Moment jedoch nicht möglich.

„Es ist aber nicht so, dass es gar nichts an Fahrrädern gibt“, betont Rahn, auch wenn das zum Teil so dargestellt werde. „Es gibt durchaus Bikes, aber es nicht so wie früher, dass man in der laufenden Saison noch nachbestellen kann.“

Denn die Hersteller könnten nur das produzieren, was bereits vorbestellt ist, vorausgesetzt sie bekommen die entsprechenden Teile. „Auch die Hersteller sind blank, es können nur die Modelle produziert werden, für die Materialien und Einzelteile verfügbar sind“, erklärt Rahn.

Das wirkt sich auch auf den Werkstattbetrieb aus, denn manche Teile seien ganz schlecht zu bekommen. Doch wie bei den kompletten Fahrrädern sei dies auch im Bereich Ersatzteile je nach Lieferant oder benötigtem Teil sehr unterschiedlich. Neben steigenden Preisen sei es somit eine zusätzliche Herausforderung, sich nach neuen Bezugsquellen umzusehen, um möglichst schnell an fehlende Teile zu kommen, so der Fahrradhändler.

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