Sportliche Spendenaktion

Krebspatient Oliver Trelenberg fährt 5000 km für schwerkranke Kinder

Daumen hoch für eine bemerkenswerte Spendensammlung eines außergewöhnlichen Ausdauersportlers: Plettenbergs Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff (links) empfing Oliver Trelenberg im Rathaus-Innenhof.
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Daumen hoch für eine bemerkenswerte Spendensammlung eines außergewöhnlichen Ausdauersportlers: Plettenbergs Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff (links) empfing Oliver Trelenberg im Rathaus-Innenhof.

Für den guten Zweck: Spendenradler Oliver „Oli“ Trelenberg ist über 5 000 Kilometer durch Deutschland geradelt und hat Geld für krebskranke Kinder gesammelt. Der letzte Stopp vor seiner Hagener Heimat: Plettenberg.

Plettenberg – Der hiesige Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff hat den 55-Jährigen am Freitagnachmittag vor dem Rathaus empfangen und ihm im Namen der Stadt einen Spendencheck überreicht. Im Haus Battenfeld ließ Oli den Tag ausklingen. Das Gefühl, fast wieder zuhause zu sein? „Geil!“

Hinter ihm lagen bei unserem Gespräch gut 4 950 Kilometer, die er kreuz und quer durch Deutschland gefahren ist. Er zählt Düsseldorf, Saarbrücken, Hamburg und München auf. Ein roter Faden? „Den gibt es nicht wirklich.“ Es war die bereits sechste Tour, die der selbst an Krebs erkrankte Mann mit einem von Tiefschlägen geprägten Leben bereits unternommen hat. Als Motivation – für sich und für die, denen es schlechter geht.

Fliegende Hoffnung

Gut 30 Kilo Gepäck hatte er am Rad, darunter hunderte Flyer, die er auf der Reise an die unterschiedlichsten Menschen verteilt hat, mit denen er ins Gespräch gekommen ist. „Das passiert immer ganz zufällig.“

Auf den Flyern steht eine Kontonummer. Dieses Jahr unterstützt der Hagener „Flying Hope“ (Fliegende Hoffnung), dem Piloten mit langjähriger Flugerfahrung angehören. Der Verein vermittelt Flüge für Kinder, die dringend in Hospize, zu medizinischen Sonderbehandlungen oder zu Kuraufenthalten geflogen werden müssen, weil ein Transport auf anderem Weg nicht mehr möglich ist.

Die 83-tägige Tour hat Trelenberg vier Tage lang intensiv geplant, die er dann – „ganz altmodisch“ – mit Hilfe von Fahrradkarten abgefahren ist. Das klappt gut. „Ich bin noch zu keinem Termin zu spät gekommen.“

Ein anderer Grund, warum er auf Karten setzt: „So kann ich die Steigungen besser einplanen.“ Denn eine Folge seiner Kehlkopfkrebs-Erkrankung ist, dass sein Lungenvolumen massiv abgenommen hat. Trelenberg stößt schnell an körperliche Grenzen.

„Eigentlich habe ich nur Luft zum Leben – nicht für Sport“, erzählt er selbst ein bisschen erstaunt, was ihm Ärzte gesagt haben. Froh war er über die diesjährige Premiere mit dem E-Bike, ohne die er einige Steigungen nicht hätte bewältigen können.

Bei seinen Touren – die aktuelle hat am 6. Juli gestartet – stünden nicht die Kilometer im Vordergrund, sondern die „geile Zeit auf dem Fahrrad.“ Und: „Ich möchte Menschen helfen, denen es schlechter geht als mir“. Anderen, die ähnliches durchmachen, gibt er mit auf den Weg: „Es hilft, jeden Tag ein oder zwei Stunden in die Natur zu gehen und zu genießen, was geht.“ Beim Fahrradfahren beschäftige er sich nicht mit seinen Einschränkungen. Er blicke nach vorne.

Etliche Rückschläge

Seine Geschichte ist erschütternd, sein Kampf zurück ins Leben beeindruckend. Schonungslos ehrlich erzählt der Mann mit den Tattoos und dem blauen Shirt mit der Aufschrift „Radeln für den guten Zweck“, wie eigentlich von Geburt an alles schief läuft. Demütigungen, körperliche und psychische Gewalt sind in seiner Kindheit keine Seltenheit.

Im zarten Alter von elf Jahren wird er zum Alkoholiker. „2003 habe ich mit dem Saufen aufgehört.“ Seitdem befindet er sich in Therapie. Zwei Freiheitsstrafen, zwei Scheidungen, ein schwerer Arbeitsunfall sind weitere Tiefpunkte in seinem Lebenslauf.

2009 entdeckt er das Fahrradfahren, merkt den positiven Einfluss auf seine Gesundheit. Es geht bergauf. Doch 2013 dann der nächste Schock: Diagnose Kehlkopfkrebs. Jetzt aufgeben? „Keine Option.“

Trelenberg kämpft sich durch. Steigt wieder aufs Rad. Die ersten Versuche enden nach fünf bis sieben Kilometern. „Im Jahr danach bin ich über 5 000 Kilometer geradelt“, sagt er stolz. Das ist der Startschuss, um seine Leidenschaft mit dem guten Zweck zu verbinden. Seit 2015 sammelt er auf tausenden Kilometern Spenden für Vereine, die sterbenskranke Menschen unterstützen. Über die Jahre sind so über 30 000 Euro zusammengekommen – dieses Jahr noch gar nicht mit eingerechnet.

Bei der Tour 2020 ist er gut 60 Kilometer am Tag gefahren. Ob das mit diesen ernsten Einschränkungen nicht ein bisschen bekloppt ist? „Man muss schon eine Schraube locker haben“, sagt er von sich.

Und er will weiter machen. Denn: „Das Rad hält mich in der Spur des Lebens.“ Kaum hat er Tour Nummer 6 hinter sich, will er sich jetzt den nächsten Verein suchen, den er unterstützen kann, um dann im nächsten Jahr wieder voll motiviert in die Pedale zu treten.

Spenden

Bankverbindung: Stadt Hagen, Sparkasse Hagen Herdecke,

IBAN: DE23 4505 0001 0100 0004 44

BIC: WELADE3HXXX

Verwendungszweck: Spende „Flying Hope“.

Spender, die im Verwendungszweck ihre Anschrift angeben, erhalten eine Spendenquittung.

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