Beschäftigung mit dem Thema Tod

Konfirmanden zu Besuch im Verabschiedungsraum eines Plettenberger Bestatters

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Die Katechumenen und Konfirmanden aus Ohle waren im Bestattungsinstitut Am Untertor zu Besuch.

Plettenberg – Er hat tagtäglich mit einem Thema zu tun, über das die meisten am liebsten gar nicht nachdenken würden: Bestatter Ralf König blickt dem Tod quasi täglich ins Gesicht. Somit war er der perfekte Ansprechpartner für die wissbegierigen Katechumenen und Konfirmanden aus Ohle, die gemeinsam mit Pfarrerin Anju Laddach dem Bestattungsinstitut Am Untertor ein Besuch abgestattet hatten.

Kann die Urne des Verstorbenen auf dem Kaminsims stehen? Was passiert, wenn ich während des Urlaubs sterbe? Viele Fragen rund um den Tod und das „Danach“ kamen bei den Jugendlichen auf – doch auch persönliche Fragen an den Bestatter fehlten nicht.

Das Treffen fand im Verabschiedungsraum statt – was ist das?

Hierbei handelt es sich um einen Raum, bei dem Angehörige Abschied nehmen können von ihren Lieben und auch die Trauerfeier ausrichten – vor allem im kleineren Kreis. „Oft wird eine Beerdigung heute nur im engsten Familienkreis gefeiert”, erklärte König den Jugendlichen. Der Raum am Untertor 3 ist in Plettenberg einmalig und auch in der Umgebung selten.

Wie wird bestattet?

Mit 95 Prozent Feuerbestattungen gibt es bei König einen klaren Trend. „Wenn wir drei bis fünf Erdbestattungen im Jahr haben, ist das schon viel“, erklärte er. Und Erdbestattungen sind auch gar nicht überall möglich. In Ohle zum Beispiel werden diese nicht mehr zugelassen. Denn die Stadt habe eine Lehmschicht festgestellt, die den Sarg konserviert. Innerhalb der normalen 30 Jahre Ruhezeit kann sich dieser nicht zersetzen. „Vielleicht ändert sich das in der Zukunft wieder.“

Bestatter Ralf König beantwortete gerne die vielfältigen Fragen der Katechumenen und Konfirmanden aus Ohle.

Die älteste Person, die König je bestattet hat?

Das war eine 103 Jahre alte Dame. „Ein sehr gesegnetes Alter“, sagte er. Kinder, gerade mal zwei oder drei Jahre alt, sind das traurige Gegenstück. „Das sind Sachen, die braucht man nicht.“ Ungeborene Kinder, sogenannte Sternenkinder, habe er auch schon bestatten müssen.

Kann ich die Asche mit nach Hause nehmen?

Nein. Was mit der Asche von Verstorbenen erlaubt ist, ist eingeschränkt, so der Bestatter. Denn in Deutschland gibt es eine Bestattungspflicht. „Oma Krause auf dem Kaminsims, wie in amerikanischen Spielfilmen, gibt es nicht.“

Wie läuft eine Seebestattung ab?

Die setzt eine Feuerbestattung voraus, erklärte König. Die immer gut 1,5 Kilo Asche wird dann samt Urne in einem Gewässer beigesetzt. Das Besondere: „Die Urne ist aus natürlichen Materialien und zersetzt sich innerhalb von zwei Stunden im Wasser.“ Der Vorteil einer Seebestattung: Die Grabpflege entfällt. Der Nachteil: Es gibt keinen Ort auf dem Friedhof, der von Angehörigen besucht werden kann. Die Stelle, an der die Urne beigesetzt wurde, wird in der Regel als Erinnerung auf einer Karte für die Angehörigen festgehalten.

Nach der Arbeit abschalten – geht das als Bestatter?

 Ja, erklärte König auf Nachfrage eines Jugendlichen. „Sicher denkt man mal an die Arbeit – aber ich habe keine Nachteile davon“, sagte König, der den Beruf schon seit über 20 Jahren macht. „Wenn das nicht so wäre, hätte ich den falschen Beruf ausgewählt.“ Beim Bestatter handelt es sich übrigens seit einigen Jahren auch um einen anerkannten Ausbildungsberuf.

Die Urne mit der Asche des Verstorbenen einfach auf den Kaminsims stellen? Laut König ist dies in Deutschland nicht möglich.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Verbrannt werden die Verstorbenen im Krematorium in Lüdenscheid. Heute sei das auch zum Beispiel in Anzug oder in Feuerwehruniform möglich, erklärte König. Offener sei in den letzten Jahren zum Beispiel auch die Gestaltung von Urnen geworden. Dass jemand Fußballfan war, dürfe ruhig deutlich werden. Auch eine lustige Anekdote auf der Trauerfeier, die zum Schmunzeln anregt, sei auf jeden Fall erlaubt. „Die Thematik ist traurig genug – man muss sie nicht noch trauriger machen“, stellte König klar.

Tod im Urlaub – was dann?

Die Jugendlichen interessierten sich auch für speziellere Fälle. Stirbt ein Plettenberger zum Beispiel im Urlaub in Bayern, sei es häufig der Fall, dass er dort eingeäschert wird, erklärte König. Die Asche könne dann auf dem Postweg in die Heimat gebracht werden. Grundsätzlich gelte: Bestatter sind untereinander gut vernetzt. „Man hilft sich.“ Die Rückführung aus einem anderen Land könne der Bestatter auch organisieren.

Was kostet eine Bestattung?

„Das kann ich pauschal nicht beantworten“, sagte König. Was für ein Sarg soll genutzt werden? Wie groß soll die Beerdigung gefeiert werden? Soll es ein Kaffeetrinken geben? Eine Anzeige in der Zeitung? Karten für Bekannte? Unterm Strich: Es gibt unzählige Möglichkeiten, die sich auf den Preis auswirken.

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