Nachhaltigkeitsprojekt im Familienzentrum Mittendrin

Kita-Kinder werden zu kleinen Klimarettern

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So viel Müll wurde in einem Monat im Familienzentrum Mittendrin gesammelt. Der Verbrauch soll in Zukunft reduziert werden.

Plettenberg – Ein riesiger Berg aus Plastikmüll im Sandkasten – hier möchte sicherlich kein Kind eine Burg bauen und es wird auch weder Mutter noch Vater gefallen, dass ihr Schützling an solch einem schmutzigen Ort betreut wird.

Um es vorwegzunehmen – im Sandkasten des Familienzentrums Mittendrin ist wieder alles in Ordnung und der Unrat wurde ordnungsgemäß entsorgt. Sinn und Zweck dieser zwischenzeitlichen Vermüllung war der Start des Projektes „Auf dem Weg zu Klimahelfern“, das im Familienzentrum bis zu den Sommerferien täglich Beachtung finden soll. Das Besondere: Das Projekt soll nachhaltig nicht nur die Kinder für ihren späteren Werdegang beeinflussen, sondern auch in den jeweiligen Familien für ein Umdenken sorgen. „Wir haben einen Monat lang den Plastikmüll gesammelt, um heute einmal zu zeigen, wie viel Müll in wenigen Wochen allein in unserer Einrichtung entsteht“, erklärt Einrichtungsleiterin Sandra Becker den Hintergrund des Müllberges im Sandkasten.

Die Idee

Die Idee zu dem besonderen Projekt sei nicht nur der Einrichtungsleiterin selbst gekommen, auch Kolleginnen hätten vor einigen Wochen das „Jenke Experiment“ im Fernsehen verfolgt. Bei der TV-Reportage machte sich das Team um den Journalisten Jenke von Wilmsdorff weltweit auf die Spuren von Plastikmüll, sprach mit Experten und Medizinern. „Dadurch hat bei mir persönlich ein Umdenken stattgefunden und ich habe mich mit der Frage beschäftigt, wie jeder Einzelne etwas tun kann“, so Becker. Man habe viele Gespräche im Team geführt – die erste Idee sei jedoch bei einigen Kolleginnen auf Kritik gestoßen. „Im Endeffekt haben wir aber einen gemeinsamen Weg gefunden, um die Idee umzusetzen, worauf ich mich sehr freue“, sagt Becker voller Tatendrang.

Die Umsetzung

Das Projekt soll bis zu den Sommerferien mit in den täglichen Kindergartenalltag mit eingebracht werden. „Wir werden jetzt nicht den ganzen Tag Vorträge halten, sondern uns einfach täglich ein bisschen Zeit für ein besonderes Thema in den Gruppen nehmen“, erklärt Sandra Becker. Dazu soll das Projekt in insgesamt vier Säulen aufgeteilt werden. 

Essen und Trinken, Müll, Artenvielfalt und Energien heißen die jeweiligen Kategorien, die etwa drei Wochen lang jeweils in einer Gruppe besprochen werden sollen. Zum Thema Essen und Trinken gehen die Erzieher mit den Kindern beispielsweise einkaufen: Was heißt Bio oder Fair Trade? Wie ist etwas verpackt und gibt es Alternativen zur Plastikverpackung? So könnten laut Becker einige Fragen lauten, die den Kindern beantwortet werden sollten. Außerdem wolle man sich unter anderem mit dem Thema Lebensmittellagerung beschäftigen. 

Bei der zweiten Säule „Müll“ geht es unter anderem ums Recyceln und die Fragen: Wie entsorge ich richtig und was passiert nach der Entsorgung. Artenvielfalt und Energien stellen neben dem Müll weitere Säulen des Projektes dar. Denn: Nicht nur die Vermüllung unseres Kontinents schadet dem Klima, sondern auch das Insektensterben und die Erderwärmung.

 Diese Themenbereiche sind nicht einfach, für kleine Kinder aufzubereiten. Sandra Becker und ihr Team haben aber eine Lösung gefunden: „Wir werden Vögel und Insekten beobachten und Steckbriefe erarbeiten und somit gemeinsam herausfinden, wofür diese Lebewesen auch für uns Menschen und andere Tiere notwendig sind. Dazu wollen wir beispielsweise auch einen heimischen Imker besuchen“, so Becker.

 Beim Thema Energien soll es vorrangig um das richtige Heizen und Lüften in der Kita und Zuhause gehen. Woher kommt Energie und wofür brauchen wir sie? Welche Stromquellen gibt es? Dabei soll auch die Stromgewinnung aus Wind, Wasser und Sonne beleuchtet werden.

Die Ergebnisse

„Die Ergebnisse werden dann auf Stellwänden in den einzelnen Gruppen ausgestellt“, erklärt die Einrichtungsleiterin. Daraus werden Tipps und Ideen auch für die Eltern gesammelt, die dann ebenfalls wöchentlich auf einer Tafel präsentiert werden sollen. „Wir möchten die Eltern mit ins Boot holen und nach außen zeigen, was wir erarbeitet haben. Es soll schließlich auch in den Familien ein Umdenken stattfinden und im Idealfall soll das Projekt zuhause ebenfalls umgesetzt werden“, so Becker.

 „Wenn jeder auch nur ein bisschen verändert, können wir schon viel bewegen!“ Sie freue sich auch auf Tipps aus der Elternschaft: „Beispielsweise hat eine Mutter angeregt, schmutzig gewordene Wäsche zukünftig nur noch in waschbaren Beuteln zu transportieren anstatt – wie bisher praktiziert – in Plastiktüten“, erklärt Becker. Die Idee wurde direkt umgesetzt.

Die Zukunft

Die Kinder bekommen zum Projektende eine Auszeichnung als Klimaretter. Das Team des Familienzentrums wünscht sich Unterstützung durch die Familien, das Projekt auch nach dem Sommer weiterhin zu unterstützen. Das könnte wie folgt aussehen: Auf Plastiktüten weitestgehend verzichten, einen Soda-Stream anschaffen anstatt Wasser aus Plastikflaschen zu kaufen oder Seife am Stück zu verwenden. Das seien nur einige Beispiele, wie jeder Einzelne zu einer besseren Umwelt beitragen könnte: Die Kinder und Erzieherinnen sind schon gespannt auf die kommenden Wochen und Monate (wir berichten weiter).

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