Ärztemangel

Ist Plettenberg zu wenig ländlich für Ärzte?

Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Landtag, Bürgermeister Ulrich Schulte und der FDP-Ortsvorsitzende Michael Schulte im Gespräch mit Kinderarzt Michael Achenbach.
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Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Landtag, Bürgermeister Ulrich Schulte und der FDP-Ortsvorsitzende Michael Schulte im Gespräch mit Kinderarzt Michael Achenbach.

Das Thema Ärztemangel ist in Plettenberg in aller Munde, spätestens nachdem die Heimatzeitung über die bevorstehende Praxisschließung von Rodica Csapo und Ute Hülsmann berichtete.

Plettenberg – Bürgermeister Ulrich Schulte, der sich in Sachen Nachfolgelösung für Ohle in aussichtsreichen Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung und einem Interessenten befindet, traf sich am Donnerstag mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der FDP im Landtag, Susanne Schneider. In Begleitung des FDP-Ortsvorsitzenden Michael Schulte besuchte der Bürgermeister den Kinder- und Jugendmediziner Michael Achenbach. Zum Thema Ärztemangel hatte Achenbach einiges zu sagen.

Was am meisten überraschte: Offenbar ist es nicht die Praxis selbst, die bei der Wahl entscheidend ist. Ein Ausschlusskriterium ist stattdessen das Wort „Sauerland“. „Das Sauerland wird als ländliche Region verstanden. Wer nach Plettenberg kommt und eine ländliche Struktur erwartet, wird enttäuscht, denn Plettenberg ist zu wenig ländlich.“ Der Märkische Kreis habe nun einmal eine andere Struktur als der Hochsauerlandkreis oder der Kreis Olpe, so der Kinderarzt.

Ein Thema der Diskussionsrunde in der Teeküche der Praxis war auch die schlechtere Bezahlung der Ärzte in Westfalen, die auf weniger Privatpatienten zurückzuführen sei. Auch die Zulassungshürden fürs Studium und die mangelnden Inhalte im Studium wurden angesprochen. Laut Michael Achenbach wollen anfangs fast alle Medizinstudenten Hausarzt werden – am Ende seien es gerade einmal 15 Prozent. „Hausärztliche Themenfelder kommen im Studium praktisch nicht vor.“ Der Themenkomplex sei völlig unterrepräsentiert, bedauerte Achenbach.

Ein weiteres Problem sei die Verweiblichung der Medizin. Mittlerweile seien 80 Prozent der Medizinstudenten weiblich. Und den Absolventinnen sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Die Konsequenz: „Für drei Ärzte brauchen wir fünf Nachrückerinnen, um die gleiche Arbeitszeit abzubilden“, betonte Achenbach.

In dem Zusammenhang brach Susanne Schneider eine Lanze für die Universität Witten/Herdecke, die statt auf einen Numerus Clausus auf PC-Test setzt. Leider sei der NC an Universitäten wie in Münster aber noch eine Heilige Kuh.

Abschließend ging es um die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Plettenberg. Ulrich Schulte berichtete von den Schwierigkeiten für Kommunen, ein solches MVZ zu gründen. Die Idee einer GmbH mit einer selbstschuldnerischen Bürgschaft oder ein Genossenschaftsmodell seien nicht einfach in die Tat umzusetzen.

Letztlich wurde klar, dass Kommunen vor Ort etwas tun müssen, um Ärzte zu gewinnen, aber das auch ein Stück weit der Mangel verwaltet werden muss. Um das Problem grundlegend zu beheben, müsse das Gesundheitssystem auf allen Ebenen verändert werden, so Bürgermeister Schulte abschließend.

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