Was passiert jetzt mit der Praxis?

Er testete sich selbst: Kinderarzt aus dem MK mit Corona infiziert

Jetzt hat das Coronavirus mit Michael Achenbach einen Menschen erwischt, auf den viele Eltern und Kinder angewiesen sind: Plettenbergs einziger Vollzeit-Kinderarzt hat sich am Samstag selber getestet und einen positiven Befund erhalten. 

Plettenberg - In der zweiten Welle bleiben die Corona-Zahlen im Märkischen Kreis aktuell hoch. Einer von denen, die sich mit Corona infizierten ist Kinderarzt Michael Achenbach aus Plettenberg. Ein PCR-Test hat das Ergebnis des Schnelltests mittlerweile bestätigt. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

StadtPlettenberg
LandkreisMärkischer Kreis
Fläche96,29 km²
Einwohner25.237 (Dezember 2019)

Kinderarzt mit Corona infiziert: Erkenntnis nach Selbsttest - Guter Gesundheitszustand

Wie geht es Michael Achenbach?
„Gar nicht so schlecht“, antwortete Achenbach auf die Nachfrage der Redaktion nach seinem Gesundheitszustand. Aber er will nicht zu vorschnell sein, denn als Medizin-Experte weiß er, dass die Corona-Erkrankung häufig erst nach sechs oder sieben Tagen ihren Höhepunkt erreicht.
Was bedeutet der Ausfall für die Patienten?
Für seine Patienten ist die Quarantäne des Arztes und der damit verbundene Ausfall eine schlechte Nachricht. Denn Behandlungen in der Praxis an der Kaiserstraße sind damit vorerst nicht mehr möglich. Am Montag und Dienstag dieser Woche konnte seine Kollegin Dr. Ingrid Tewes-Holtvoeth das Patientenaufkommen zumindest einigermaßen auffangen, doch weil sie nur an diesen beiden Tagen vor Ort ist und Michael Achenbach nun ausfällt, ist seit diesem Mittwoch und bis Ende dieser Woche kein Kinderarzt mehr in Plettenberg anwesend. Telefonisch bleibe seine Praxis aber weiterhin erreichbar, sagte Achenbach im Gespräch.
Wann traten die Symptome bei ihm auf?
Die Symptome traten bei Michael Achenbach am Samstagmorgen auf. Kreislaufprobleme, plötzliche Schlappheit, leichtes Fieber – der Mediziner entschloss sich umgehend, selbstständig einen Schnelltest durchzuführen. Auch den noch sichereren PCR-Test nahm er tags darauf durch die Möglichkeiten in seiner Praxis selbst vor, schickte den Abstrich am Montag ins Labor, aus dem er am Dienstagnachmittag die endgültige Bestätigung bekam: Ja, er hat sich wirklich mit Corona infiziert.
Michael Achenbach – hier auf einem Archivfoto, auf dem er in Vor-Coronazeiten seinen Kühlschrank mit den Impfdosen zeigt – hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Ihm geht es „gar nicht so schlecht“, sagt er selbst.

Kinderarzt mit Corona infiziert: Erkenntnis nach Selbsttest - Achenbach hat viele Kontakte

Wer gilt jetzt als Kontaktperson?
Zu diesem Zeitpunkt waren längst alle Vorkehrungen getroffen. Noch am Wochenende hatte das Ehepaar Achenbach alle Patienten per Handynachricht vorsorglich informiert, die in den 48 Stunden vor dem Auftreten der ersten Symptome – also Donnerstag und Freitag – mit Michael Achenbach in Kontakt gekommen sind. Am Montag schaltete sich dann das Gesundheitsamt ein und half Achenbach bei der Priorisierung der Kontaktpersonen – denn als Kinderarzt kommt der Plettenberger mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Kurzkontakte werden deshalb nicht berücksichtigt. Aber alle Eltern und Kinder, bei denen Achenbach im Verlauf der letzten Woche Vorsorgeuntersuchungen oder Beratungen, die 15 Minuten oder länger gedauert haben, vorgenommen hat, und auch das Personal wurden auf der Kontaktliste verzeichnet. „Das waren am Ende immer noch über 30 Personen“, erklärt Achenbach, den ein glücklicher Umstand davor bewahrt hat, dass er noch mehr Patienten potentiell angesteckt haben könnte.
Was war das für ein „Glücksfall“?
Am Dienstag letzter Woche hatte er einen Patienten behandelt, der möglicherweise am Coronavirus erkrankt war. Weil dieser angemeldet war, hatte Achenbach alle Schutzmaßnahmen berücksichtigt und trat dem Patienten in vollständiger Schutzmontur gegenüber. Als am Donnerstag letzter Woche der Befund einging, dass der Patient wirklich an Corona erkrankt war, trugen Achenbach und sein Personal rein vorsorglich am Freitag in der Praxis statt der normalen die deutlich besser schützenden FFP-2-Masken. Kontakte gelten mit solchen Fällen in der Regel als nicht gefährdend, weshalb „alle Patienten von Freitag – bis auf eine Ausnahme – beim Gesundheitsamt nicht als Kontaktpersonen vermerkt sind.“

Wenn es weiter bergauf geht, dann könnte es nächste Woche eine Videosprechstunde geben.

Michael Achenbach zum möglichen weiteren Vorgehen in seiner Kinderarzt-Praxis.

Kinderarzt mit Corona infiziert: Erkenntnis nach Selbsttest - Keine Gewissheit über Infektionsquelle

Wer ist noch in längerer Quarantäne?
Das wird sich zeigen. Seit diesem Mittwoch arbeitet das Gesundheitsamt die Achenbach’sche Kontaktliste ab. Sein Personal befindet sich bereits in einer Pendel-Quarantäne; die Mitarbeiter dürfen nur zum Arbeiten aus dem Haus, sodass zumindest die Erreichbarkeit der Praxis weiterhin gewährleistet ist.
Wie geht es nun in der Praxis weiter?
Das hängt maßgeblich von Michael Achenbachs Gesundheitszustand ab. „Wenn es weiter bergauf geht, dann könnte es nächste Woche eine Videosprechstunde geben“, sagt Achenbach, der dann zwar weiterhin keine Behandlungen durchführen, aber immerhin Rezepte schreiben könnte.
Wo und wann hat sich Achenbach mit Corona infiziert?
Er weiß es nicht. „Es ist auch müßig, darüber zu spekulieren“, sagt er. „Ich habe mich eben irgendwo angesteckt, aber ich bin damit weder der erste, noch der zweite Arzt in Plettenberg, der davon betroffen ist“, sagte Achenbach, ohne Namen seiner Kollegen nennen zu wollen.

Rubriklistenbild: © Foto: ST-Archiv

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