Schwierigkeiten für die Lebensretter

Kein Training, weniger Mitglieder: Der Einfluss von Corona auf die DLRG

Ein Training im Wasser war in der vergangenen Monaten nicht möglich.
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Die Rettungsschwimmer der Plettenberger DLRG-Ortsgruppe können bei Einsätzen nicht nur auf ihr 90 PS starkes Rettungsboot setzen. Sie müssen auch regelmäßig trainieren, um im Fall der Fälle fit zu sein. Ein Training im Wasser ist jedoch aufgrund der coronabedingten Schließung des Aquamagis in der vergangenen Monaten nicht möglich gewesen.

Obwohl es bereits Mitte Mai ist, herrscht an der Oestertalsperre noch überwiegend Ruhe. Kein Wunder: Bei den zurzeit kühlen Temperaturen wagen sich nur einige wenige Hartgesottene ins Wasser. Doch zum Sommer hin dürften wieder deutlich mehr Menschen auf der Suche nach Abkühlung und Erholung zur Talsperre kommen. Doch wie hat sich Corona auf den DLRG ausgewirkt, der dann an der Oester auf die Badegäste achten soll?

Plettenberg – In den vergangenen Jahren hatten die Rettungsschwimmer der DLRG zumindest an den Wochenenden stets ein wachsames Auge auf die Badegäste. Doch wie sieht das in Zeiten von Corona aus? Wir sprachen mit dem ersten Vorsitzenden der DLRG-Ortsgruppe Plettenberg Sven Geistert.

Kontaktbeschränkung

Das Ziel sei es, so Geistert, an den Ferienwochenenden vor Ort zu sein, um das Baden abzusichern; je nach Wetterlage auch bis in den September hinein. Aber: „Es steht und fällt mit den Ausgangsbeschränkungen.“ Die Rettungsschwimmer empfinden es mitunter als Problem, dass sie sich privat nur mit einer Person treffen dürfen, im Zuge des – natürlich ehrenamtlichen – Wachdienstes aber mit mehreren hundert in Kontakt kommen. Ein bisschen Sicherheit gibt da die Impfung: Bis Mitte Juni sollten alle Wachleiter die zweite Dosis bekommen haben. Auch das Coronaschutzkonzept steht.

Kein Training

Worauf die Rettungsschwimmer zurzeit aber gänzlich verzichten müssen, ist das Training im Wasser. Normalerweise trainiert die Plettenberger DLRG im Aquamagis, doch das ist seit nunmehr mehreren Monaten geschlossen. Geistert berichtet, er habe angefragt, ob es möglich sei, im heruntergekühlten Wasser des Aquamagis zu trainieren, doch bei Temperaturen von rund 18 Grad sei dies nicht denkbar. „Da kann ich die Rettungsschwimmer nicht reinschicken“, so Geistert.

So bleibt ihnen nichts anderen übrig, als sich mit Gymnastik fit zu halten, bis die Temperaturen der Oestertalsperre ein Training hier gestatten; zumal nicht klar ist, wann das Aquamagis wieder öffnen wird.

Nichtschwimmer

„Schwimmausbildung ist natürlich überhaupt nicht machbar“, erklärt Geistert. „Ich kann keine Kinder in der Oester trainieren.“

Daraus ergibt sich ein nicht zu unterschätzendes Problem: Die Anzahl der Kinder, die nicht schwimmen können, steigt stetig an. Durch Corona „fehlen uns fast zwei Jahrgänge“, so Geistert. Wobei sich diese Entwicklung schon seit längerem abzeichne, durch Corona aber nochmals verschärft werde.

Man sehe schon, dass die Unfälle zunehmen, sagt Geistert. Dabei sind es vor allem Fließgewässer, die, im Vergleich zu Seen, das größere Gefahrenpotential bergen. Auch die Lenne sehe sehr friedlich aus, habe aber stellenweise sehr starke Strömungen.

Nun zieht es die Menschen hierzulande weniger an die Flüsse, weil es andere Bademöglichkeiten gibt, doch wenn an der Oester aufgrund der hohen Stauung kein Platz ist und die Bigge zum Teil abgesperrt wird, kann eine Abwanderung durchaus passieren.

Der DLRG-Familientag, der traditionell am 1. Mai stattfindet, musste coronabedingt auch in diesem Jahr abgesagt werden.

„Schwer was los“

„Die Leute wollen raus“, weiß Geistert und prophezeit, dass „im Sommer richtig schwer was los“ sein werde. Er geht davon aus, dass es in diesem Jahr noch mehr als im vergangenen zu Problemen mit der Anzahl der Personen an der Oester kommen werde.

„Bei wirklichen Einsätzen wird der Ton schon rauer“, erzählt Geistert. So komme es immer wieder zu Anpöbeleien, wenn auf das Sprungverbot von der Mauer hingewiesen werde oder darauf, dass der Weg für Rettungsfahrten freizuhalten sei. Andererseits haben sich die DLRGler auch über ein „super nettes Feedback“ in Bezug auf den Boards-Verleih im vergangenen Jahr freuen dürfen. Das Stand-Up-Paddling in Zusammenarbeit mit der Kultour GmbH und weitere Angebote soll es auch im diesem Sommer wieder geben (wir berichteten).

Mitgliedereinbruch

Wie gut oder schlecht der DLRG Ortsverband Plettenberg aus der Coronakrise kommt, bleibt abzuwarten. Wie bei vielen anderen Vereinen verzeichnet auch der DLRG einen massiven Mitgliedereinbruch. Das liegt vor allem daran, dass die Anzahl der Kinder sonst recht hoch ist. „Wir können noch nicht absehen, wie es aussieht, wenn das Bad wieder aufmacht“, so Geistert. Die Frage werde auch sein, ob die Jugend wieder zum Schwimmen kommen oder sich in der Zwischenzeit anderweitig orientiert haben wird.

Finanzielles

„Einnahmequellen fallen weg, aber die Ausgaben bleiben“, seufzt Geistert. Dennoch gebe es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch wenn das traditionelle Familienfest am 1. Mai in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal hintereinander ausfallen musste und die Umbaumaßnahmen am Vereinsheim ein wenig ins Stocken geraten seien, schaut die DLRG-Ortsgruppe Plettenberg positiv in die Zukunft.

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