Arbeiten an Weihnachten

Kantorin Liesa-Verena Forstbauer begleitet über die Feiertage fünf Gottesdienste

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Kantorin Liesa-Verena Forstbauer hat nicht nur an Weihnachten viele musikalische Aufgaben.

Plettenberg – Als Kantorin hat Liesa-Verena Forstbauer viele musikalische Aufgaben in der Evangelischen Kirchengemeinde. Die 34-Jährige leitet Pop-Chor, Posaunenchor und Heilsames Singen, macht seit 2013 auch ein Musicalprojekt und begleitet Gottesdienste an Orgel oder E-Piano und manchmal auch mit Sologesang.

Nach nebenamtlichen Stellen als Chorleiterin und Organistin in Bad Oeynhausen – während des Kirchenmusik-Studiums in Herford – und später in Iserlohn ist Forstbauer nunmehr seit fast acht Jahren Kantorin in Plettenberg. Gerade zur Advents- und Weihnachtszeit ist sie stark eingespannt.

Welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest für Sie?

Für Forstbauer hat es eine große Bedeutung: „Wir machen in der Kirche Musik nicht nur um der Musik willen, sondern weil dahinter eine Botschaft steckt: Gott wird Mensch, weil er uns nah sein und uns trösten will.“ Denn gerade in der Adventszeit gebe es auch viele traurige und verzweifelte Menschen. Mit der Kirchenmusik trage man dazu bei, anderen Menschen die Feiertage schön zu machen. „Ich hoffe, dass durch die Musik Licht und Trost in die Herzen fließt“, sagt die Kantorin. „Musik geht tiefer als Sprache.“

Was unterscheidet die Arbeit an Weihnachten von normalen Arbeitstagen?

„Von der Atmosphäre her ist es dichter, es ist ein Feiertag, kein Alltag“, sagt Forstbauer. „Es ist etwas Besonderes, weil viele Menschen in die Kirche kommen, die sonst nicht kommen.“ Da viele Gottesdienste an den Feiertagen parallel stattfinden, sind neben Forstbauer auch nebenamtliche Organisten im Einsatz. Sie selbst hat an Heiligabend drei Gottesdienste, den ersten nachmittags im Krankenhaus, danach zwei weitere um 17 und 23 Uhr in der Christuskirche.

Gerade bei Letzterem spüre man die besondere Atmosphäre. „Es ist halb in der Nacht, man zündet die Kerzen an und macht sich bewusst, dass man nicht allein ist, dass Gott da ist.“ Am 1. und 2. Weihnachtstag begleitet Forstbauer ebenfalls Gottesdienste. Viele Termine hat die Kantorin allerdings schon in der Vorweihnachtszeit, darunter Proben und Auftritte mit den verschiedenen Chören, Adventsandachten oder Singen mit Grundschulkindern. „Es ist schon verrückt – eigentlich soll man im Advent zur Ruhe kommen und sich besinnen, aber man packt ihn sich voll mit Terminen.“

Was bedeutet das Arbeiten an Weihnachten für die Familie?

Weil sie als Kantorin die ganze Zeit unterwegs ist, könne sie nicht viel Zeit mit der Familie verbringen, benennt Forstbauer die negative Seite der Arbeit an Weihnachten. „Ich kann auch an Heiligabend nicht wirklich entspannen, aber das weiß man vorher, wenn man diesen Beruf ergreift.“

An Heiligabend habe sie nur vormittags etwas Zeit, dann bereite sie sich an der Orgel vor. In der späten Mittagszeit breche sie auf, übt mit einer Flötistin vor dem ersten Gottesdienst und mit dem Chor vor dem Zweiten. Nach dem 17-Uhr-Gottesdienst kommt sie gegen 19 Uhr nach Hause. „Dann habe ich zwei bis drei Stunden frei und kann zu Abend essen und vielleicht Geschenke auspacken.“ Um 22 Uhr muss sie dann zum 23-Uhr-Gottesdienst und ist nicht vor 1 Uhr wieder zurück. Nach den Gottesdiensten um 10 Uhr am 1. und 2. Weihnachtstag könne sie es dann ruhiger angehen lassen und auch die Familie besuchen.

Wie kommen Sie in Weihnachtsstimmung?

Wenn sie mehr Ruhe hätte, käme sie eher in Weihnachtsstimmung, meint Forstbauer: „Aber die Stimmung, die ich als Kind oder Jugendliche hatte, erlebe ich nicht mehr.“ Das liegt auch daran, dass die Gottesdienste für sie Arbeitszeit sind: Sie muss sich aufs Orgelspielen konzentrieren, dabei die Noten umblättern und auf die Einsätze achten. Als letztes Lied wird meistens „O du fröhliche“ gespielt, dazu zieht sie dann ein spezielles Orgelregister, damit sich ein Zimbelstern über der Orgel mitdreht und -klingt. Für die Kirchenbesucher, aber auch für sie selbst sei das ein Highlight. „Wenn die Orgel laut spielt und der Zimbel-stern sich dreht, dann wird auch für mich Weihnachten“, sagt die Kantorin.

Zuhause versuche sie, sich mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in die richtige Stimmung zu bringen. „Ich mache das Lampenlicht aus, die Kerzen an und schaue aus dem Fenster, um zur Ruhe zu kommen.“

Gibt es ein Weihnachtslied, das Sie besonders mögen oder das Sie überhaupt nicht mögen?

„,Jingle Bells’ hab ich schon zu oft im Geschäft gehört – das nervt mich ein bisschen“, sagt Forstbauer. Da sie als Kantorin mit so vielen Musikstücken zu tun hat, muss sie ein wenig nachdenken, welches Weihnachtslied ihr liebstes ist, und entscheidet sich dann für „Wie soll ich dich empfangen“. Dieses Lied von Paul Gerhardt aus dem 17. Jahrhundert sei besonders schön, sagt sie und liest ein paar Liedzeilen aus dem Evangelischen Gesangbuch vor, die ihr sehr gut gefallen: „Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß.“

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