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Invasion in die Ukraine: Auswirkungen auf heimische Unternehmen

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Von: Johannes Opfermann, Markus Wilczek

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Die heimische Industrie sorgt sich vor allem um steigende Energiepreise.
Die heimische Industrie sorgt sich vor allem um steigende Energiepreise. © Dickopf, Georg

„Der Handel mit Russland wird ziemlich zum Erliegen kommen!“ Davon geht Frank Herrmann, Außenhandelsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), aus, nachdem Russland am Donnerstag den Krieg mit der Ukraine begonnen und eine große Invasion gestartet hat. Wie sehen die Unternehmen vor Ort die Entwicklungen in Osteuropa, wie blicken sie auf die Sanktionen gegen Russland? Und was bedeutet das vor allem für das Geschäft der Plettenberger Firmen?

Plettenberg – „Wir haben keine direkten Kontakte oder Lieferantenbeziehungen nach Russland oder Ukraine“, sagt Stefan Quinckhardt, Geschäftsführer der Junior Kühlkörper GmbH. Deswegen könne das Unternehmen eigentlich mit Abstand auf den Konflikt blicken. Doch kalt lasse es ihn nicht, dass nach Jahrzehnten Frieden Krieg in Europa herrscht. „Privat macht es mir wirklich erhebliche Sorgen“, sagt Quinckhardt.

Wie sich das Ganze auf die wirtschaftliche Lage auswirken wird, sei ganz schwer zu greifen. „Es wird sicher nicht zu positiven Effekten führen“, sagt er. Was Junior genau wie anderen Unternehmen auch große Sorgen bereite, seien steigende Rohstoffpreise, etwa für Aluminium und Stahl, aber auch die Energieversorgung. „Energie wird das große Thema sein“, ist sich Quinckhardt sicher. Die Frage wird sein, wie man auf steigende Energiepreise reagiere. „Wir sind schon abhängig von Russland“, meint er mit Verweis auf die russische Gaslieferungen und dem Ausstieg aus der Atomkraft. Klar sei: „Die Industrie braucht Energie und zwar viel und zu wettbewerbsfähigen Preisen.“

„Verunsicherung“

Ähnlich äußert sich auch Roland Newe, Geschäftsführer der Firma Mendritzki. „Wenn die Gaspreise weiter steigen, wird uns das sehr stark betreffen“, sagt er. Die Frage sei, wie Gazprom sich verhalte – Lieferungen sollen wohl weitergehen – und ob das russische Gas noch abgenommen würde. „Es wird schon zu Verunsicherung führen“, meint Newe.

Bereits vor der jetzigen Eskalation waren die Gas- und Energiepreise gestiegen, sodass allein im Kaltwalzwerk in Plettenberg Mehrkosten von einer Million Euro für Gas und Strom entstanden seien.

Zu Auswirkungen auf geschäftliche Kontakte erklärt Newe: „Das Kaltwalzwerk in Plettenberg wird es nicht betreffen, denn wir haben keine Kunden in Russland.“ Zwar habe man dort schon Rohmaterial eingekauft und vor kurzem auch überlegt, Stahl einzukaufen. Das Thema sei jetzt aber wohl erstmal vom Tisch. Ein Anziehen der Stahlpreise auf dem Rohstoffmarkt befürchtet Newe indes nicht, da die russischen Produzenten auf dem Weltmarkt nicht die wichtigsten „Player“ seien.

Innerhalb der Mendritzki Holding sei allerdings die MWS Schneidwerkzeuge GmbH in Schmalkalden direkt von dem Krieg und daraus folgenden Sanktionen betroffen. „Die MWS verkauft landwirtschaftliche Messer für Landmaschinen und da ist Russland der wichtigste Exportmarkt“, so Newe. Ein Umsatzeinbruch in diesem Bereich sei für die MWS zwar ein „großer Brocken“, habe in der Gruppe als Ganzes aber nur geringe Auswirkungen.

Im heimischen Kammerbezirk betreiben rund 90 Unternehmen direkten Handel mit Russland, etwa 60 mit der Ukraine. 30 Firmen verfügen über eine Niederlassung in Russland, zwei Unternehmen produzieren dort beziehungsweise in der Ukraine.

„Im Handelsranking unserer Firmen liegt Russland auf Rang 14, die Ukraine noch deutlich tiefer“, sagte Herrmann. Dabei gehe es zu einem großen Teil um Exporte. „Importiert nach Deutschland werden ja vor allem Öl und Gas“, so Herrmann. Hier sei die SIHK-Region eher indirekt durch möglicherweise weiter steigende Gas- und Ölpreise betroffen.

Bislang sei ein Handel mit Russland durchaus möglich gewesen. „Denn die Sanktionen beschränkten sich größtenteils auf Einzelpersonen sowie den Öl- und Gassektor. Das wird jetzt natürlich anders. Das Land wird nach dem Beginn der Kriegshandlungen isoliert werden“, sagt Herrmann, der mit einer deutlichen Verschärfung der Sanktionen rechnet.

Besonders zu spüren bekommen dürften das laut Herrmann heimische Unternehmen, die Niederlassungen in Russland betreiben. „Da werden die Auswirkungen sicherlich extrem sein“, befürchtet Herrmann.

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