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Integration ukrainischer Schüler: „Das Konzept hat gegriffen“

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Von: Johannes Opfermann

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Kinder und Jugendliche aus der Ukraine werden auch in die Plettenberger Schulen integriert. Knapp 70 Flüchtlingskinder sollen es derzeit sein.
Kinder und Jugendliche aus der Ukraine kamen zunächst in Willkommensklassen, um später an den Plettenberger Schulen in den Regelunterricht integriert zu werden. Nach den Sommerferien sind diese Gruppen allerdings nicht mehr vorgesehen. © DPA

Durch den Ukraine-Krieg flohen zahlreiche schulpflichtige Kinder mit ihren Müttern nach Plettenberg. Stadt und Schulen mussten schnell darauf reagieren. Nachdem das Schuljahr vor nicht einmal zwei Wochen zu Ende gegangen ist, fällt das erste Fazit positiv aus.

Plettenberg – „Es geht weiter seinen geregelten Gang: Die Kinder lernen verstärkt Deutsch und werden langsam in die Regelklassen integriert“, erklärt Christoph Wilk, Sachgebietsleiter Jugend, Schule und Sport. Je nach Leistungsstand erfolge die Integration individuell und sei auch fächerabhängig. In Sport, Musik oder Mathematik sei es beispielsweise eher möglich, die ukrainischen Kinder mitlaufen zu lassen, bei Fächern wie Philosophie oder Deutsch dagegen schwieriger.

Modell funktionierte in Plettenberg gut

Das System habe sich aus Sicht von Schulamtsleiter Christoph Wilk bewährt: „Ich würde sagen, dass es in Plettenberg schon gut funktioniert hat in der Zeit, in der wir dieses Verfahren hatten. Wir sind zufrieden, wie es gelaufen ist: Das Konzept hat gegriffen.“ Selbst die Schulaufsicht, die dem zunächst etwas skeptisch gegenübergestanden habe, teile inzwischen diese Auffassung, so Wilk. Das sei auch in der letzten Sitzung des Bildungsausschusses deutlich geworden.

Dieses Konzept musste recht schnell auf die Beine gestellt werden, als im Laufe des ersten Kriegsmonats immer mehr ukrainische Flüchtlinge in der Vier-Täler-Stadt eintrafen, entweder einzelne Familien oder – dank der von der Bus-Brücke organisierten Transporte – gleich ganze Busladungen. Doch Vorgaben des Landes NRW, wie mit den schulpflichtigen Kindern verfahren werden sollte, fehlten zunächst. Normalerweise sei es so, dass Kinder ohne Deutschkenntnisse – nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Zugewanderte – im Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Märkischen Kreises getestet und eingeschätzt werden, in welche Klasse man sie einstufen kann. Danach würde in Absprache mit den Schulen und je nach Kapazitäten eine Klasse gefunden, in der das Kind dann direkt im Regelbetrieb aufgenommen werden kann.

Doch dieses Verfahren erschien den Verantwortlichen in Plettenberg angesichts der hohen Zahl zu beschulender Kinder als nicht zielführend. Eine aus drei Schulleitern, zwei Vertretern der Stadt und einer Vertreterin des Betreuungsvereins bestehende Arbeitsgruppe arbeitete ein Konzept aus. Es wurden zwei Willkommensklassen eingerichtet, je eine für Kinder im Grundschulalter und für jene zwischen zehn und 16 Jahren. Eine Tagesstruktur für die Kinder, der Kontakt zu Gleichaltrigen und das Kennenlernen des deutschen Schulsystems, an erster Stelle aber das Erlernen der deutschen Sprache, standen dabei im Vordergrund. Nach einigen Wochen konnten dann – nach der entsprechenden Einstufung – bereits die ersten Schüler zum Teil in Regelklassen integriert werden, zumindest in manchen Fächern. Neuankommende Flüchtlingskinder rückten nach.

Zahlen veränderten sich zuletzt kaum noch

In der letzten Zeit hat sich allerdings nur noch wenig getan, die Zahlen sind seit Mai im wesentlichen unverändert. Insgesamt besuchten vor den Ferien rund 80 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine Plettenberger Schulen, davon waren 37 an den weiterführenden Schulen und 35 an den Grundschulen untergebracht. Hinzu kamen acht ältere Schüler am Berufskolleg und acht Kinder im Vorschulalter ohne Kindergartenplatz, die eine Vorbereitungsgruppe in der Martin-Luther-Schule besuchten. Bis auf einzelne Zu- und Wegzüge hat sich an diesen Zahlen seit Anfang Juni nichts mehr verändert. Da die ukrainischen Kinder nach und nach in die Regelklassen integriert worden sind oder noch werden, haben allerdings die Willkommensklassen mit Ende des Schuljahres 2021/22 erst einmal ausgedient.

„Nach den Ferien sind sie nicht mehr vorgesehen“, erklärt Wilk. Dann werde bei den einzelnen neu ankommenden ukrainischen Schülern wie bei anderen Zuzügen auch verfahren, das heißt sie würden eingeschätzt und je nach Leistungsstand einer Schule zugewiesen. „Sollte es noch einmal zu einer großen Welle an Flüchtlingen kommen, würde man aber noch einmal über das Thema Willkommensklassen reden“, so Wilk.

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