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Inszenierung von Homer-Klassiker begeistert: „Odysseus, I can boogie“

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Von: Hartmut Damschen

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Das Ensemble des NN Theaters wusste einmal mehr in Plettenberg zu begeistern: Diesmal mit der Odyssee.
Das Ensemble des NN Theaters wusste einmal mehr in Plettenberg zu begeistern: Diesmal mit der Odyssee. © Damschen

Das NN Theater musste am Donnerstag aufgrund des regnerischen Wetters kurzerhand vom Stephansdachstuhl in die Plettenberger Schützenhalle verlegt werden. Der Stimmung und der Begeisterung für das Ensemble aus Köln tat das jedoch keinen Abbruch. Mit großer Spielfreude führten Michl Thorbecke & Co. das Stück Odyssee auf.

Plettenberg – Mit stehendem Applaus und strahlenden Gesichtern wurden die fünf Akteure vom NN-Theater am Donnerstag, 21. Juli, in der Schützenhalle von den begeisterten Gästen verabschiedet.

Über 300 Besucher hatten sich eingefunden, um die für die Gäste kostenfreie Veranstaltung (Wasser gab es auch kostenfrei) zu erleben.

Es gab die „Odyssee“, ein Stück um Liebe, Eitelkeiten, Macht und Größenwahn, das mit vielen Parallelen zur heutigen Zeit aufwartete. Was gut 700 Jahre vor Christus erstmals auf- und Homer zugeschrieben wurde, begann zehn Jahre nach dem Kampf um Troja. Der siegreiche Held Odysseus macht sich mit seinen Gefährten auf den Heimweg nach Ithaka zu seiner Frau Penelope und dem Sohn Telemachos.

Doch die Götter haben etwas gegen seine Rückkehr und sorgen immer wieder mit widrigen Winden und neuen Abenteuern für weitere zehn Jahre, in denen er nicht seine Heimat wiedersieht.

 Nicht immer ist es ein Zyklop, dem er sich als ein Mann namens „Niemand“ vorstellt und der ihn und seine Gefährten gefangen hält. Als der einäugige Zyklop (ganz einfach, aber dafür umso eindrucksvoller dargestellt) schon sechs Männer verspeist hat, müssen sie fliehen. Sie blenden ihn, was natürlich wehtut. So brüllt er, um andere Zyklopen zur Hilfe zu holen: „Niemand hat mir weh getan.“ Da ihm niemand anscheinend weh getan hat, gehen die Helfer wieder. Odysseus und seine Männer können durch eine weitere List fliehen. Bei weitem angenehmer war der Aufenthalt bei Circe auf ihrer Insel Aiaia, wo er mittels des Schutzkrautes Moly gegen ihren Zauber immun war, doch auf ein Jahr feuchtfröhlich das Lager mit ihr teilte.  

Die Götter hatten ein Wörtchen mitzureden.
Die Götter hatten ein Wörtchen mitzureden. © Damschen

Sieben weitere Jahre verweilte Odysseus bei Kalypso, der Schöngelockten, auf ihrer Insel Ogygia. Was da wohl so passierte?

Auf jeden Fall wollten die Götter, dass Odysseus endlich nach Hause zurückkehren durfte. Da musste selbst Meeresgott Poseidon, der größte göttliche Widersacher von Odysseus, die Luft anhalten. Als einziger von allen Trojakämpfern aus Ithaka landete er an der Küste vor Ithaka und erkundete, als Bettler verkleidet, die Lage.

Seine treue Frau Penelope hatte sich bis dahin aller Freier erwehren können. Dann kam die Rache. Mittels seines Sohnes Telemachos, und dem treuen Sauhirten Eumaios, bei dem sie zusammengefunden hatten, tötete Odysseus im Bogenkampf die Menge an Freiern und auch die ihm untreu gewordenen Knechte und Mägde.

Ende gut – naja, aber wieder alles gut. Penelope und Odysseus sind wieder vereint und die Götter zufrieden.

Einige Sprüche aus der Aufführung: Zu Beginn: „Top, lassen wir es krachen!“

„Die Menschen sind komisch. Sie machen uns Götter für das verantwortlich, was sie selbst verursacht haben.“

„Circe allein zu Haus‘“, als die Männer feststellten, dass Göttin und Zauberin Circe nicht verheiratet war und auch keinen Freund hatte, frei nach „Kevin allein zu Haus“.

Kurz vor Erreichen der Insel Thrinakia, als sich Odysseus fragte: „Was erwartet mich da?“ kam die einstimmige Antwort vom Ensemble: „Eine Pause“. Die war dann auch.

„Odysseus, I can boogie“, sangen die Sirenen frei nach dem Hit von Baccara.
„Odysseus, I can boogie“, sangen die Sirenen frei nach dem Hit von Baccara. © Damschen

Das Lied der Sirenen: „Odysseus, I can boogie“ frei nach dem Lied von Baccara „Yes Sir, I can boogie…“ und kurz darauf wurde, weil sie an den Sirenen vorbei waren, die Ohren der Gefolgsleute wieder geöffnet. Heraus kam – natürlich ein Ohrwurm (siehe „Odysseus, I can boogie).

Nicht, dass man vermutet, dass auf der Bühne eine Klamauk-Veranstaltung lief. Nein, es wurden antike Ereignisse mit heutigem Bezug den Besuchern in hervorragender Manier von Irene Schwarz, Michl Thorbecke, Oliver Schnelker und Christine Per den Besuchern geboten. Da kam keine Langeweile auf.

Die geschilderten zehn Jahre vergingen in rasantem Tempo wie im Flug einschließlich fließendem Bühnenumbau und dem Wechsel der Person des Odysseus im Darstellerteam.

Die Neugierde, wie der- oder diejenige die Figur des Odysseus ausfüllen würde, erzeugte zusätzliche Spannung.  Dabei hatte der- oder diejenige nicht den sinnbildlichen Hut auf, sondern war an einem Kopfband zu erkennen.  

Noch jemand ist besonders zu erwähnen: Bernd Kaftan. Er sorgte virtuos für Musik, Geräusche und Stimmen. Mystische Sphärenklänge erklangen von seinem Synthesizer. Variabel, wie eigentlich alle Akteure, mischte er auch, wenn erforderlich, als Darsteller mit.

Am Ende gab es stehende Ovationen der 300 Zuschauer in der Schützenhalle.
Am Ende gab es stehende Ovationen der 300 Zuschauer in der Schützenhalle. © Damschen

Szenenapplaus, Gelächter und ein nicht enden wollendes Schmunzeln und Staunen ob der Verwandlungsfähigkeit mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln verdeutlichte den Schauspieler ihren überaus effektvollen Eindruck auf das dankbare Publikum.

Zum Schluss gab es den bereits erwähnten stehenden Applaus und Bravo-Rufe.

Seit Jahren hat das NN-Theater immer wieder seine Auftritte in Plettenberg gehabt. Michl Thorbecke betonte am Ende, dass sie immer wieder gerne nach Plettenberg kommen: „Sie sind ein besonderes Publikum. Sie sind“, er suchte anscheinend nach einem passenden Wort und fuhr anerkennend fort, „eben Plettenberger.“

Die Aktricen und Akteure gingen noch durch die Reihen und sammelten – nein, nicht für die Kultour GmbH, sondern für das NN-Theater, das die letzten zwei Jahre auch nicht ganz unbeschadet überstanden hatte.

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