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Impfung gegen Corona: Apotheker sind bereit, Tierärzte eher zurückhaltend

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Von: Johannes Opfermann

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Claudia Sielermann findet es gut, dass Apotheken nun auch gegen Corona impfen sollen.
Claudia Sielermann findet es gut, dass Apotheken nun auch gegen Corona impfen sollen. © Christogeros, Christos

Um möglichst schnell mehr Menschen gegen das Coronavirus zu impfen oder deren Impfschutz aufzufrischen, gibt es Überlegungen, auch Apotheker, Zahnmediziner und Tierärzte in die Impfkampagne mit einzubeziehen. Doch dabei gibt es einige Hürden zu überwinden.

Apotheken

Plettenberg – „Die Idee ist gut, wir müssen boostern“, sagt Claudia Sielermann, Inhaberin der Märkischen Apotheke zu dem Überlegungen, dass Apotheker in die Impfkampagne miteingebunden werden sollen. „Wir müssen zusätzliche Impfangebote schaffen.“

Das sieht Jörg Düerkop von der Wieden-Apotheke genauso. „Im Prinzip muss es irgendwie sein, dass andere Berufsgruppen mitimpfen“, sagt er. „Sonst weiß ich nicht, wie die Politik bis Weihnachten 30 Millionen Boosterimpfungen durchführen will.“ Man wolle den Ärzten nichts wegnehmen, sondern nur unterstützen.

Aber dafür müssen erst die Voraussetzungen geschaffen werden. Das fängt an bei der Qualifikation der Apotheker, denn nicht alle dürfen – so der aktuelle Stand – impfen.

Mehr als 200 Apotheken in Westfalen-Lippe und damit rund 320 Apothekerinnen und Apotheker haben im Rahmen des Modellprojektes Grippeimpfungen bereits die dafür notwendigen Schulungen erhalten. „Viele andere müssen diese Qualifikation erst erwerben“, sagt Jörg Düerkop, der ebenso wie Claudia Sielermann zu den Apothekern gehört, die bei dem Modellprojekt mitmachen und entsprechend geschult sind. „Man muss wissen, wie man impft, wo man die Nadel einsticht“, sagt sie. Bei ihrem Kurs hätten sich die teilnehmenden Apotheker gegenseitig Pseudoimpfungen mit Kochsalzlösung gespritzt. „Man muss es am Patienten ausprobieren.“

Solange aber nicht mehr Apotheker eine entsprechende Schulung haben – und nur die Apotheker selbst, nicht ihre Angestellten, sind dann berechtigt zu impfen – , wären die Apotheker im Modellprojekt „ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Sielerman: „Wir müssen die Infrastruktur schaffen, damit die Apotheken das leisten können.“

Abgesehen von der Qualifikation steht auch die Haftungsfrage. Die Betriebshaftpflicht decke die Dienstleistung Impfen nicht ab und müsste wohl angepasst werden. Vor allem aber stellt sich auch ein Platzproblem. „Wir brauchen die entsprechenden Räumlichkeiten“, sagt Sielermann. „Durch den Besprechungsraum kann ich die Patienten nicht durchschleusen.“ Und auch ein Wartezimmer, in dem die Patienten nach der Impfung noch 15 Minuten – wegen einer möglichen allergischen Reaktion – zur Beobachtung bleiben, gibt es nicht.

Einige Apotheken seien für die Impfungen groß genug, andere eben nicht, das hänge von der individuellen Apotheke ab, sagt Düerkop, der in der Notdienstwohnung über den Apothekenräumen Impfungen durchführen könnte.

Sielermann sieht bei der Lösung des Raumproblems die Kommunalpolitik gefordert. Sie fände es sinnvoll, dass wie bei den Impfaktionen mit dem Impfbus an der Schützenhalle Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, wo dann Apotheker oder Zahnärzte Impfungen durchführen können.

Tierarzt

Den Überlegungen, dass auch Tierärzte Impfungen gegen Corona verabreichen, die es vor einigen Monaten schon einmal gab, steht Tierarzt Martin Zöllner skeptisch gegenüber. „Ich halte es nicht für notwendig, dass die Tierärzte dabei mitmachen“, sagt er. „Wenn wirklich alle Stricke reißen, kann man mithelfen, aber bei allem muss man klipp und klar sagen, dass wir Tierärzte sind und sich unsere Ausbildung auf die Behandlung von Tieren beschränkt.“ Um das Setzen einer Spritze gehe es dabei nicht, sondern um den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen. Denn dann müsste man sich doch rasch an einen Humanmediziner wenden, möglicherweise gar einen Notarzt rufen.

Zöllner verweist auch auf die erneute Knappheit bei der Impfstoffverteilung. „Was nützt es da, wenn ich bereit wäre zu impfen, aber keinen oder zu wenig Impfstoff bekäme.“ Zudem sei eine Tierarztpraxis nicht für die Behandlung von Menschen, sondern an den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet. Zudem könne es da immer zu Kontakt mit Tierhaaren kommen, ein Risiko für potenzielle Impflinge mit Tierhaar-Allergie. Theoretisch denkbar wäre es, an einer Impfstelle außerhalb der Praxis zu impfen, aber grundsätzlich sieht Zöllner andere als besser geeignet als Tierärzte. Er meint die Ärzte, die – teils aus dem Ruhestand reaktiviert – vorher in den Impfzentren im Einsatz waren. „Und es gibt viele gut ausgebildete Arzthelferinnen und Pflegepersonal, die sich beim Impfen – unter ärztlicher Aufsicht – einbringen könnten und in dieser Hinsicht vorzuziehen wären.“

Zahnarzt

„Prinzipiell bin ich gern dazu bereit, wenn Not am Mann ist, damit schnell mehr Boosterimpfungen stattfinden können“, sagt Zahnarzt Mike Bahrstadt. Doch das sei davon abhängig, ob sich dies zeitlich einrichten lässt. Gerade zum Jahresende sei in Zahnarztpraxen viel zu tun, weil dann viele aufgeschobene Vorsorgeuntersuchungen nachgeholt würden. Und ohnehin habe man mit den wegen Corona hinzugekommenen Dokumentationspflichten für die Testnachweise der Patienten nicht weniger zu tun.

Grundsätzlich könne Bahrstadt sich aber vorstellen mitzuimpfen, auch wenn es dazu noch keine Anfragen gebe. Organisatorisch müsste dafür vorher aber einiges geklärt werden, wie Schulungen und Ausnahmegenehmigungen für die Zahnärzte, damit sie auch impfen können und dürfen. Eine zeitliche Planung sei ebenso nötig, damit in seiner Praxis beispielsweise vor- oder nachmittags geimpft werden könnte. Räumlich wäre es dagegen kein Problem, denn getrennte Behandlungs- und ein Wartezimmer seien in einer Zahnarztpraxis ebenso vorhanden wie beim Hausarzt.

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