Erste Vakzinlieferung an Praxen

Impfstart beim Hausarzt: Noch einiges ist unklar

Jetzt beginnen Corona-Schutzimpfungen auch in Arztpraxen.
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Jetzt geht es auch in den Arztpraxen los: Die Corona-Schutzimpfungen – hier ein Beispielfoto von einer der Impfungen im Radprax-Krankenhaus Plettenberg – finden jetzt noch flächendeckender statt.

Ab dieser Woche beginnen die ersten Hausärzte damit, Patienten in ihren Praxen gegen Corona zu impfen. Auch einige Plettenberger Mediziner bereiten sich darauf vor.

Plettenberg – Darunter ist auch Michael Achenbach, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, der sich über diesen wichtigen Fortschritt beim Thema Impfen freut. Bis 12 Uhr mittags am Dienstag vor Ostern mussten er und andere Ärzte, die mit dem Impfen loslegen wollen, bei Apotheken ihre Impfstoffbestellung abgeben. Achenbach hoffte auf 18 bis 50 Dosen, abhängig von der insgesamt zur Verfügung stehenden Menge, rechnete aber eher mit einer Menge im unteren Bereich. Zwei Tage später erfuhr er dann genau, wie viel Impfstoff ihm zugeteilt werde, und war positiv überrascht: „Ich bekomme 30 Dosen. Das ist schon ganz gut.“

Diese Impfstoffmenge – geliefert wird das Präparat von Biontech/Pfizer – ist auch schon komplett eingeplant für impfberechtigte Personen, die er vorgemerkt hat. „Wir haben keine Kapazitäten mehr, um noch jemanden mitzuimpfen.“

Grundsätzlich benötigten Patienten, die sich in einer fremden Praxis gegen das Coronavirus impfen lassen möchten – zum Beispiel weil der eigene Hausarzt keine Impfung durchführt –, ein Attest, aus dem hervorgeht, dass sie impfberechtigt sind.

Diejenigen, die bei Michael Achenbach geimpft werden sollen, hätten alle einen Bezug zur Praxis. Darunter seien aber auch jüngere Menschen, denn der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist ab 16 Jahren zugelassen. „Auf der Liste stehen bei mir teilweise auch 16- oder 17-Jährige, die ebenfalls impfberechtigt sind, beispielsweise weil sie Diabetiker mit Komplikationen sind.“

Aber auch Angehörige von Personen, die zu Hause gepflegt werden, beispielsweise wegen einer Behinderung, sind impfberechtigt. Kinder mit einem solchen Pflegebedarf gehören auch zu Achenbachs Patienten. Bis zu zwei Angehörige dürften geimpft werden.

Dabei hat Achenbachs Praxis in der Woche nach Ostern eigentlich geschlossen, wegen der Impfstoff-Lieferung aber extra an einem Tag geöffnet, um das Vakzin unter die Leute zu bringen. Abhängig davon, an welchem Tag genau der Impfstoff geliefert wird – das erfährt Achenbach erst kurz vorher – wird dann an einem Nachmittag ein Impftag durchgeführt.

Weil der Impfstoff schnell verimpft werden muss, ist Achenbach auch froh, dass seine Liste an potenziellen Impflingen deutlich mehr als 30 Personen umfasst, auf die die Menge der zugeteilten Dosen exakt passen würde. „Es kann immer sein, dass jemand ausfällt, und bevor man den Impfstoff wegschmeißt, ruft man besser jemanden an.“

Als positives Signal bewertet Achenbach übrigens, dass erst jüngst Studien eine sehr hohe Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs auch bei 12- bis 15-Jährigen festgestellt hatten. Überhaupt laufe die Forschung zur Anwendung des Impfstoffs bei Kindern und Jugendlichen immer mehr an, darunter sogar eine Studie zur Verimpfung des Vakzins bis hinunter zu einem Alter von sechs Monaten.

Doch zurück zu den Erwachsenen und der Frage, in welchen Praxen sie geimpft werden können. Welche Ärzte schon ab dieser Woche mitmachen, ließ sich nicht in Erfahrung bringen, da in der Vorwoche mehrere geschlossen und somit nicht erreichbar waren. Andere wollten keine Auskunft zum Thema geben, auch weil sie teils mit Anfragen zum Thema Corona-Impfungen überhäuft würden.

Eine der Praxen, die in dieser Woche mit den Impfungen ebenfalls starten könnte, ist die von Allgemeinmediziner Dr. Olaf König. „Wir sind grundsätzlich mit dabei“, sagt er. „Wir wären darauf vorbereitet in dieser Woche zu impfen, wenn wir Impfstoff kriegen.“ König äußert sich zurückhaltend, was den Impfstart in den Praxen anbelangt. Bisherige Erfahrungen in der Pandemie hätten gezeigt, dass Zusagen nicht immer eingehalten werden konnten.

Deswegen möchte König erst einmal abwarten, ob und wieviel Impfstoff – 20 Impfdosen soll seine Praxis erhalten – tatsächlich geliefert werden. „Es könnte schließlich auch sein, dass nicht geliefert wird oder der Impfstoff dann doch im Impfzentrum gebraucht wird.“ Dann Leute bereits zum Impfen einbestellt zu haben, wäre ärgerlich. „Wir sind deswegen vorsichtig, aber in der Lage zu improvisieren“, sagt König. „Was wir machen können, werden wir machen.“

Ärzte sind sich einig: Impfstart in Praxen ist ein positives Zeichen 

Vor allem das positive Signal will Kinderarzt Michael Achenbach in den Vordergrund stellen: „Wichtig ist mir, dass in der Bevölkerung etwas Entspannung ankommt: Es geht mit dem Impfen los, die Lieferungen beginnen und es wird auch immer mehr werden.“ Zwar sei Impfstoff immer noch ein knappes Gut, aber dass nun die Lieferungen an die Hausärzte beginnen, sei ein gutes Zeichen, dass die Knappheit nicht mehr so schlimm sei wie noch vor kurzem. „Das Prozedere mit Bestellungen, Lieferungen und Impfungen wiederholt sich jetzt Woche für Woche“, erklärt Achenbach.

Nicht nur die zur Verfügung stehenden Impfstoffmenge werde immer weiter zunehmen, so Achenbach. Auch der Kreis der Anspruchsberechtigten und die Zahl der Ärzte, die in ihren Praxen impfen, werde immer größer.

Dass sich das positiv auf die in der Kritik stehende deutsche Impfkampagne auswirke, meint auch Dr. Olaf König: „Wenn die Praxen mitimpfen, kann eine große Zahl von Menschen geimpft werden, eben wegen der großen Zahl von Praxen.“

Der Allgemeinmediziner warnt aber auch, dass die Arztpraxen, die in der Pandemie schon sehr stark eingespannt seien, auch noch andere Aufgaben in der medizinischen Versorgung zu erfüllen hätten. Sie müssten sich schließlich auch um Patienten mit Krebs- und Herzerkrankungen kümmern oder solche, die eine Organtransplantation benötigen. Das versuche man alles zusammen mit dem Impfen zu organisieren, was durch die Pandemie aber nicht leichter sei. 

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