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Impfpflicht in der Pflege: „Meisten Mitarbeiter sind geboostert.“

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Von: Johannes Opfermann

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Ab Mitte März gilt in NRW die Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen. Eine Nachfrage in den Plettenberger Einrichtungen zeigt, dass der Großteil der heimischen Pflegekräfte bereits gegen das Coronavirus geimpft ist. 
Ab Mitte März gilt in NRW die Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen. Eine Nachfrage in den Plettenberger Einrichtungen zeigt, dass der Großteil der heimischen Pflegekräfte bereits gegen das Coronavirus geimpft ist.  © Michael Matthey / dpa

Ab dem 15. März gilt in Kliniken und Pflegeheimen eine Impfpflicht. Wer mit besonders gefährdeten Menschen arbeitet, sollte gegen Corona geimpft sein, so die Absicht hinter dem vor Monaten gefällten Beschluss von Bund und Ländern. Nun, einen Monat vorher, tobt eine neue Debatte um die längst beschlossene Regelung. Doch nicht nur in der Politik, sondern auch an der Basis in den Pflegeheimen sorgt das Thema für Gesprächsstoff.

Matthias-Claudius-Haus

Plettenberg - „Es ist ein Gesprächsthema unter den Mitarbeitern“, bestätigt Melanie Aderhold, Einrichtungsleitung im Matthias-Claudius-Haus. Dabei sei die Einrichtung nur in einer geringen Größenordnung von dem Thema betroffen. Nur noch eine „schwindend geringe Anzahl“ von Mitarbeitern habe sich bisher nicht impfen lassen, sprich vier von insgesamt 45 Mitarbeitern. Ihnen bleibt nur noch ein Monat Zeit, bis die Impfpflicht gilt.

„Wir sind aber guter Dinge, dass wir das in dem Zeitfenster gelöst kriegen“, gibt sich Aderhold zuversichtlich. Die Betroffenen würden auf die Möglichkeit warten, sich mit einem anderen Impfstoff – dem Präparat Novavax, einem sogenannten Totimpfstoff – impfen zu lassen. Die Gründe, warum sie sich bisher nicht hätten impfen lassen, seien unterschiedlich und letztlich handele es sich um die individuelle Entscheidung der Mitarbeiter, die sich von ihren jeweiligen Hausärzten beraten ließen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie dann zum Stichtag kurz danach geimpft.“

Sollte es doch so sein, dass jemand am 15. März keinen Impfnachweis hat, müsste die Einrichtung das dem Gesundheitsamt melden. „Die prüft dann den Vorgang und würde gegebenenfalls ein Betretungsverbot aussprechen“, so Aderhold. Doch das sei keine Entscheidung der Einrichtung, sondern eine behördliche Anordnung. „Ich hoffe aber, dass das für uns nicht zum Tragen kommt.“

Während die letzten Mitarbeiter also noch ihre erste Impfung bekommen sollen, haben die ersten Bewohner des Matthias-Claudius-Hauses bereits die vierte Impfdosis erhalten. „Die Hausärzte haben das gut im Blick und haben bei einigen schon die vierte Impfung durchgeführt“, berichtet Einrichtungsleitung Aderhold. Aufgrund unterschiedlicher Zeitpunkte der Aufnahmen liege bei einigen Bewohner aber auch die Zweit- oder die Booster-Impfung noch nicht lange zurück. Die Zeitfenster, ab wann die zweite Auffrischungsimpfung gegeben werden könne, behalte man im Blick. „Das läuft alles recht reibungslos und routiniert“, lobte Aderhold.

Altenzentrum St. Josef

„Die meisten Mitarbeiter sind geboostert oder genesen, es gibt nur vereinzelte Kollegen, die noch nicht geimpft sind“, berichtet Stefanie Faros, stellvertretende Pflegedienstleitung im Altenzentrum St. Josef. Deswegen komme die Debatte um die Impfpflicht nicht so häufig zur Sprache, sei aber auch in dem Seniorenheim in Eiringhausen durchaus ab und zu ein Gesprächsthema.

Von den mehr als 80 Mitarbeitern in dem Seniorenheim seien nur ein bis zwei nicht geimpft, bis zum Stichtag 15. März, wenn die einrichtungsbezogene Impfpflicht greifen soll, würden diese es aber höchstwahrscheinlich noch nachholen. „Sie haben schon Termine gemacht“, so Faros. Für den Fall, dass sie mit Inkrafttreten der Impfpflicht noch ungeimpft seien, müsse man schauen, wie man damit umgeht. „Kündigen werden wir ihnen nicht, weil wir das auch nicht dürfen“, erklärt die stellvertretende Pflegedienstleiterin.

Die „Runde“ der zweiten Auffrischungsimpfung ist am St. Josef ebenfalls schon eröffnet worden. „Das läuft schon bei uns, ein Hausarzt hat schon damit angefangen“, berichtet Faros. Fünf- bis sechsmal sei so schon die zweite Booster-Dosis verimpft worden, wie es für besonders gefährdete Gruppen empfohlen wird. Deswegen geht Faros davon aus, dass auch noch alle übrigen der insgesamt 115 Bewohner den zweiten Booster bekommen werden.

Radprax-Seniorenzentrum

„Ich halte es für total wichtig, finde es aber schade, dass es überhaupt einer Impfpflicht bedarf“, sagt Marian Knoche, Einrichtungsleiter des Radprax-Seniorenzentrums, zu dem Thema. Sein Wunsch ist es, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die auch unter den Mitarbeitern diskutiert werde, dann auch konsequent durchgezogen wird.

Von den circa 50 Mitarbeitern im Seniorenzentrum – darunter nicht nur die Pflegekräfte – ist der überwiegende Teil geimpft und auch geboostert. Es gebe aber auch zwei Mitarbeiter, die sich noch damit auseinandersetzen müssen, ob sie sich noch impfen lassen, berichtet Knoche: „Sie wollen sich das nicht diktieren lassen.“

Man müsse schauen, wie man dann damit umgehe und was passiere, nachdem am 15. oder 16. März die nicht

geimpften Mitarbeiter ans Gesundheitsamt gemeldet werden. Dieses gebe dann eine Rückmeldung, wie es weitergeht, ob sie weiterbeschäftigt werden können. Die betroffenen Mitarbeiter würden, so Knoches Verständnis der dann geltenden Regeln, unentgeltlich freigestellt, dann allerdings auch in der Pflege fehlen. „Das wäre für die Versorgung schwierig.“

Besser wäre es, die Betroffenen würden sich noch für eine Impfung entscheiden, doch Marian Knoche ist skeptisch, ob noch ein Umdenken stattfindet: „Wer sich jetzt noch nicht hat impfen lassen, wird es wahrscheinlich auch nicht mehr tun.“ Damit stellten die Mitarbeiter auch ein potenzielles Risiko dar für die zu versorgenden Bewohner – 48 Personen werden in vollstationärer, zehn in Kurzzeitpflege versorgt.

Für sie gibt es in Kürze auch die zweite Booster-Impfung. „Das wird jetzt an Fahrt aufnehmen“, so Knoche. Die Bewohner selbst seien daran interessiert und würden nachfragen. „Wer geboostert ist, wird sich wohl auch die vierte Impfung geben lassen, in der Hoffnung, dass es danach mit Corona ruhiger wird und sie nicht noch eine fünfte oder sechste brauchen.“

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