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„Ich muss mir Sorgen machen“: Zu wenig Frittenfett für Imbisse wegen des Kriegs

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Von: Johannes Opfermann

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Für Pommes Frites, Currywurst und Co. braucht Andrea Laurenz Frittieröl. Doch die Mengen, die sie davon vorbestellen kann, sind aktuell begrenzt.
Für Pommes Frites, Currywurst und Co. braucht Andrea Laurenz Frittieröl. Doch die Mengen, die sie davon vorbestellen kann, sind aktuell begrenzt. © Opfermann, Johannes

Die Tankstellen hat der Krieg in der Ukraine längst erreicht, die Spritpreise gehen durch die Decke. Und Bäcker sorgen sich über steigende Mehlpreise. Doch auch Imbiss-Klassiker wie Pommes und Currywurst – von Altkanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder einst als „Kraftriegel der Facharbeiter“ geadelt – sind vom fernen Kriegsgeschehen betroffen, denn das Frittenfett wird knapp.

Plettenberg – Der Grund sind die Hamsterkäufe, die schon wieder um sich greifen. Das scheinen der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie – bei aller Verschiedenheit dieser Krisen – dann doch gemeinsam zu haben.

Zumindest fühlt sich Andrea Laurenz, Inhaberin des Wieden-Grills dieser Tage an den Beginn der Pandemie erinnert, denn wieder beginnen Menschen Waren wie Klopapier, Nudeln, Mehl oder Speiseöl in großen Mengen einzukaufen.

„So viele Nudeln kann nie jemand essen“, kann sie darüber nur den Kopf schütteln. „Ich weiß gar nicht, wofür die Leute so viel Mehl kaufen. Sie backen damit vielleicht einen Kuchen, aber sonst?“ Die steigenden Mehlpreise aufgrund des Krieges – die Ukraine sowie Russland sind wichtige Getreideexporteure – betreffen den Wieden-Grill im Gegensatz zu Bäckereien nur am Rande, zum Glück.

„Ich brauche Mehl nur zum Panieren der Schnitzel“, sagt Andrea Laurenz. Auf eines kann sie aber auf keinen Fall verzichten: Frittenfett. Und da auch Speiseöl bei den Hamsterern auf dem Einkaufszettel steht, lag es nahe, dass auch Frittieröl schon von so manchem vorsorglich gebunkert wird. Laurenz wollte auf Nummer sicher gehen.

„Ich habe bei meinem Lieferanten angerufen und gefragt: Muss ich mir Sorgen machen um mein Frittenfett? Die Antwort lautete: Ja“, berichtet die Betreiberin des Wieden-Grills. Kein gutes Zeichen für die Imbiss-Institution am Wieden.

„Ohne Frittenfett dichtmachen“

„Ich mache ja fast alles in Fett: Fritten, Hotdogs, Schnitzel oder Chicken Nuggets. Auch für Frikadellen brauche ich Fett“, sagt Laurenz. „Wenn ich kein Frittenfett bekomme, könnte ich dichtmachen. Ich könnte dann nur noch das anbieten, wofür ich kein Fett brauche, also vielleicht noch Bratkartoffeln.“

Nur zur Beruhigung: Eine Schließung des Wieden-Grills droht nicht, aber die derzeitige Knappheit des Frittieröls bekam auch Laurenz zu spüren. Eigentlich hätte sie nämlich am liebsten eine größere Menge auf Vorrat bestellt, doch das ging nicht. „Ich konnte nur die Menge bestellen, die ich sonst auch bei meinem Lieferanten bestelle, das sind 40 Liter pro Woche, mal mehr mal weniger.“

Diese Mengen bei einem Imbiss entsprechen dann wohl den haushaltsüblichen Mengen, auf die sich Kunden in Supermärkten und Discountern zum Teil beschränken müssen. Denn je nach Einkaufszeit – diese Erfahrung machen derzeit viele Plettenberger – steht man vor leeren Regalen oder wird auf eine Begrenzung der Abgabemenge hingewiesen.

„Nur haushaltsübliche Mengen kaufen“

„Wir bitten unsere Kunden und Kundinnen immer, Waren nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. Bei größeren Nachfragen behalten wir uns wie immer vor, die Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken“, schreibt Christian Schneider, Teamlead External Communications bei Aldi Nord auf ST-Nachfrage. Noch bevor Aldi die Preiserhöhung bei rund 400 Produkten bekannt gegeben hatte – die Konkurrenz wird sicher bald nachziehen – hatte er sich zur Knappheit einiger Produkte und das vielfach zu beobachtende „Hamstern“ geäußert.

„Der Abverkauf einiger Warengruppen, unter anderem bei Speiseölen und Mehl, schwankt derzeit sehr stark von Tag zu Tag. Dadurch kann es sein, dass einzelne Artikel kurzzeitig vergriffen sind“, erklärt der Unternehmenssprecher. „Die Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Märkten und in der Logistik arbeiten jedoch engagiert daran, für Nachschub zu sorgen. Wir beliefern unsere Filialen täglich mit neuer Ware. Als Grundversorger sind wir in der Lage, täglich Millionen von Menschen in Europa mit Lebensmitteln zu versorgen. Selbstverständlich stehen wir in engem Kontakt mit unseren Lieferanten, um frühzeitig auf weitere Entwicklungen reagieren zu können.“

Weitere Supermarktketten mit Filialen in Plettenberg, die ebenfalls zu dem Thema kontaktiert wurden, hatten sich bis Redaktionsschluss noch nicht zurückgemeldet.

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