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Gute Werbung über Instagram: Stadt im MK kriegt alle Bufdi-Stellen besetzt

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Von: Johannes Opfermann

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Verstärkung für das Fachgebiet Soziales: Fachgebietsleiterin Christiane Wilk (vorne rechts) stellte die rumänische Sprachmittlerin Theodora Lindner (vorne links) und die drei neuen Bundesfreiwilligen der Stadt vor (hinten von links): Gabriel Künneth, Wanatchapon Chuecharn und Kenneth Kothe.
Verstärkung für das Fachgebiet Soziales: Fachgebietsleiterin Christiane Wilk (vorne rechts) stellte die rumänische Sprachmittlerin Theodora Lindner (vorne links) und die drei neuen Bundesfreiwilligen der Stadt vor (hinten von links): Gabriel Künneth, Wanatchapon Chuecharn und Kenneth Kothe. © Opfermann

Warum entscheiden sich junge Menschen dafür, den Bundesfreiwilligendienst anzutreten? An der „Bezahlung“ kann es nicht liegen. Die Motive scheinen vielfältig, wie auch bei der Vorstellung der neuen Bundesfreiwilligen (Bufdis) für die Stadt Plettenberg deutlich wurde. Gleich vier neue Kräfte verstärken den Fachbereich Soziales in der Arbeit mit Geflüchteten – darunter auch die erste weibliche Bundesfreiwillige in Plettenberg und eine Sprachmittlerin für Menschen aus Rumänien.

Plettenberg – „Wir haben nun die erste Frau als Bufdi und den zehnten Bufdi insgesamt“, freut sich Christiane Wilk, Fachgebietsleiterin Soziales. Ein bisschen verdankt die Stadt das auch einem ehemaligen Bundesfreiwilligen. „Ein früherer Bufdi hat quasi für die Nachfolge gesorgt, denn er hat gute Werbung für die Stellen auf Instagram gemacht“, erzählt Christiane Wilk. „Wir haben erstmals eine Warteliste gehabt.“

Und das obwohl die Arbeit nicht nur schöne Seiten habe. Man arbeite oft mit Menschen, die verzweifelt seien und Probleme hätten und auch körperliche „Drecksarbeit“ gehöre mit dazu. Entschieden habe man sich aber für drei Bewerber mit dem Heimatbezug, denn eine Ortskenntnis sei bei den Einsätzen im gesamten Stadtgebiet von Vorteil.

Soziale Arbeit

Die 19-jährige Wanatchapon Chuecharn, meist aber mit kürzerem Spitznamen Baimon genannt, aus Affeln hat am Albert-Schweitzer-Gymnasium ihr Abitur gemacht und möchte sich über die Bufdi-Stelle schon einmal in ihr anvisiertes Berufsfeld hineinfinden. „Ich möchte ab dem nächsten Jahr Soziale Arbeit studieren“, sagt sie.

„Vielseitig“

Kenneth Kothe, 18 Jahre, hat ebenfalls am ASG sein Abi gemacht und nutzt das Bufdi-Jahr – laut Christiane Wilk ganz typisch – zur Berufsfindung. Er machte zunächst einen Schnuppertag. „Es hat mir gefallen, denn es ist ein extrem vielseitiger Beruf“, sagt der junge Plettenberger über die Arbeit an der Ohler Straße. Dort ist er vor allem als Hausmeister im Einsatz, begleitet aber auch die Sozialarbeiter zu Familien oder hilft bei Verständnisproblemen, etwa bei Briefen.

„Kontakt zu Menschen“

„Am liebsten ist mir der Kontakt zu den Menschen, aber auch die Gartenarbeit macht mir Spaß“, berichtet Gabriel Künneth, 22 und ebenfalls aus Plettenberg, der sich nach dem Fachabitur am Berufskolleg für den Bundesfreiwilligendienst entschied. Er ist über Instagram auf die Bufdi-Stelle aufmerksam geworden.

Als vierte Neue wurde außerdem Dorothea Lindner vorgestellt. Die aus Rumänien stammende Plettenbergerin, die seit den 90er Jahren in Deutschland lebt, erleichtert als Sprachmittlerin rumänischstämmigen Menschen die Kommunikation insbesondere mit Behörden. „Ich unterstütze meine Landsleute, die vor kurzem zugezogen sind und vieles nicht verstehen“, sagt Lindner.

Dolmetscherin

Seien es Formulare vom Jobcenter oder schriftliche und mündliche Kommunikation mit Schulen und Kitas – die Sprachbarriere führe oft zu Problemen. Sie übersetze Schriftstücke wie die Hausordnung oder könne auch zu Terminen als Dolmetscherin hinzugezogen werden. Auch im Bereich der Jugendgerichtshilfe sei sie tätig, begleite straffällig gewordene Jugendliche, die zum Beispiel die Einladung zu einem Gerichtstermin nicht verstehen und dann nicht erscheinen.

„Super Unterstützung“

„Das ist eine super Unterstützung für uns“, sagt Wilk. Für Lindner, die bereits vorher quasi autodidaktisch als Übersetzerin für ihre Landsleute aktiv war, ist die neue Arbeit für die Stadt eine berufliche Neuausrichtung. Sie findet im Rahmen einer beruflichen Reha statt, die von der deutschen Rentenversicherung finanziert wird. Ein Glücksfall für die Stadt, die die neue Kraft deswegen nicht selbst bezahlen muss. Und auch die Bufdis schlagen nur mit einem monatlichen Taschengeld von je 450 Euro zu Buche.

„Ohne die Stadtkasse groß zu belasten haben wir so viel Bereicherung in dem Bereich der Flüchtlingshilfe“, freut sich Wilk. Dies komme sowohl den Geflüchteten selbst als auch denen zugute, die mit diesen arbeiten.

Sonderprogramm

Nach dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen wurde 2016 ein Sonderprogramm Flüchtlingsbetreuung aufgelegt, an dem sich die Stadt Plettenberg von Beginn an beteiligte, um Bundesfreiwillige (Bufdis) einzustellen. Diese wurden in der Unterkunft für Geflüchtete an der Ohler Straße eingesetzt. Inzwischen sei das Sonderprogramm zwar ausgelaufen, aber die Bufdi-Stellen im Bereich Flüchtlingsarbeit sind geblieben und fast ununterbrochen besetzt gewesen.

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