Grundschulen in Plettenberg und Herscheid kehren zum Unterricht mit ganzen Klassen zurück

Trotz "Bauchschmerzen": Grundschulen sind auf den neuen Normalbetrieb vorbereitet

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Neuer Schulalltag: Ab heute werden die Grundschüler bis zu den Sommerferien wieder im kompletten Klassenverband unterrichtet.

Plettenberg/Herscheid – Nachdem in den vergangenen Wochen die Grundschüler nur tageweise die Schulen besuchten und in kleineren Gruppen unterrichtet wurden, startete am 15. Juni wieder der Unterricht im kompletten Klassenverband. Die Schulen sind auf diesen neuen Schulalltag vorbereitet, trotzdem gibt es Bedenken.

Dass sich an dem rollierenden System mit dem tageweisen Präsenzunterricht vor den Sommerferien noch einmal etwas ändert, das hatte Gerhard Haas, Leiter der Hallenschule, erwartet. Er hätte zwar eher mit einem weiteren Zwischenschritt vor der Rückkehr zum Unterricht in ganzer Klassenstärke gerechnet, anderseits sei der Zeitraum bis zu den Sommerferien in NRW nur sehr kurz. Diesmal sei die Umstellung für die Schulen aber nicht ganz so überraschend gekommen wie bei früheren Ankündigungen aus dem Schulministerium. „Wir hatten eine Woche Vorbereitungszeit, das ist dieses Mal in Ordnung gewesen“, befindet Haas.

Trennung statt Abstandsregelung

Die Kinder werden morgens an gesonderten Sammelplätzen auf dem Schulhof von ihren Klassenlehrern oder den zugewiesenen Klassenleitungen in Empfang genommen und in die Klassen geführt, erklärt Haas den Ablauf. „Wir achten darauf, dass die Kinder sich nicht mit den anderen Klassen vermischen.“ Allerdings, so gibt Haas zu bedenken, würden die Kinder natürlich zusammen mit anderen Kindern an der Schule ankommen.

Die Verhinderung der Durchmischung ersetzt die bisherige Abstandsregelung. „Mit 25 bis 30 Kindern in einer Klasse kann man keinen Abstand halten“, sagt Haas. Mit den Lerngruppen in halber Klassenstärke sei das dagegen gut möglich gewesen.

Die ersten und zweiten Schuljahre sollen vier Stunden Unterricht pro Tag erhalten, die dritten und vierten Klassen fünf Stunden beziehungsweise vier Stunden am Freitag. Im Vordergrund stehen dabei die Hauptfächer, also Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Ob weitere Fächer unterrichtet werden, hänge von den Fachkompetenzen der jeweiligen Klassenleitung ab.

Es steht fast das gesamte Kollegium zur Verfügung, nur zwei Lehrer können, da sie zu einer Risikogruppe gehören, nicht eingesetzt werden, so Haas. Aber auch da gibt es an der Hallenschule eine Lösung. Ein erstes Schuljahr wird von einer sozialpädagogischen Fachkraft geleitet. „Und wir haben eine Studentin, die uns aushilft und zwei Wochen einspringen kann“, berichtet der Schulleiter. Man müsse aber noch schauen, wie in diesem Fall die Bezahlung geregelt werde.

In den Klassen selbst gilt keine Maskenpflicht, wohl aber beim Gang durch die Schule. Der Pausenhof ist zweigeteilt, zudem haben die Klassen zeitversetzt Pause, um sie weitestgehend voneinander getrennt zu halten. Zusätzlich bleibt die Maskenpflicht auf dem Pausenhof erst einmal bestehen, damit man sie nicht nach einer Aufhebung gegebenenfalls wieder einführen müsste. „Wir haben es so gelassen, wie in den letzten Wochen, und wollen gucken, wie es sich entwickelt“, so Haas. „Bisher waren alle Kinder sehr diszipliniert.“ Um auch nach Schulschluss die Begegnungsmöglichkeiten zu verringern, werden die Kinder ein paar Minuten zeitversetzt aus dem Unterricht entlassen.

„Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ob es auch in der Praxis so klappt, wie wir uns das vorstellen“, so Haas. Außerdem hofft er, nach den Sommerferien wieder normal durchstarten zu können. „Damit wäre allen – Kindern, Eltern und Lehrern – am besten gedient.“

Coronavirus: Schulleiter sieht Neustart für Schulen mit "Bauchschmerzen"

Nico Schröder, Leiter der Eschenschule, sieht die Rückkehr zum Unterricht im Klassenverband skeptisch: „Es ist etwas überstürzt und ich zweifle die Sinnhaftigkeit für zwei Wochen an.“ Er habe damit gerechnet, dass das rollierende System bis zu den Sommerferien durchgehalten wird. Nun habe man an seiner Schule aber auch die neuen Regelungen umgesetzt. „Wir haben uns darauf vorbereitet, dass wir – mit Bauchschmerzen – wieder alle Kinder begrüßen können.“

Die Bauchschmerzen hat der Schulleiter deswegen, weil nun die Trennung der Klassen anstelle der Abstandsregeln innerhalb der Klassen tritt. „Es gibt erste Eltern, die für ihre Kinder wegen Vorerkrankungen eine Beurlaubung beantragt haben“, berichtet Schröder. Der Unterricht in kleineren Lerngruppen, bei denen Mindestabstände eingehalten werden konnten, sei den betroffenen Eltern sicher genug gewesen, die neue Regelung hingegen nicht. „Ich kann verstehen, dass die Eltern da Bedenken haben.“

Wie an der Hallenschule werden auch an der Eschenschule die einzelnen Klassen in jeweiligen Zonen auf dem Schulhof abgeholt und in die Klassen begleitet. In den Fluren und auf dem Schulhof gilt weiterhin eine Maskenpflicht, in den Klassen ist es den Kindern freigestellt, ob sie eine Maske aufsetzen wollen. Die ersten und zweiten Schuljahre haben täglich vier Stunden, die dritten und vierten Klassen fünf. Der Fokus ist auch hier auf den Hauptfächern. Ob Kunst oder Englisch unterrichtet werden könne, sei von den jeweiligen Lehrern abhängig, auf Sport- und Musikunterricht werde bis zu den Sommerferien verzichtet.

Für die Pausenzeiten wird auch dort der Hof aufgeteilt, damit die Klassen voneinander getrennt bleiben. Am Ende des Schultags werden zuerst die Buskinder, dann die anderen entlassen.

In Klassen keine Maskenpflicht

In der Grundschule Herscheid sorgt man durch die Nutzung mehrerer Eingänge für die Trennung der Kinder, in der Grundschule Hüinghausen werden sie wie an den Plettenberger Schulen auf dem Schulhof in Empfang genommen, sagt Heike Zilinski, die beide Schulstandorte leitet: „Aufgrund der Erfahrung mit den Einzelgruppen ist gewährleistet, dass die Kinder ohne Kontakt in die Klassen gebracht werden.“ Auch die Ankunftszeiten der Kinder sind in Herscheid und Hüinghausen entzerrt, um Kontakte gering zu halten.

In den Klassen herrscht zwar keine Maskenpflicht mehr, aber die Kinder sollen sie trotzdem dabei haben. „Wenn die Abstände deutlich geringer sind, können sie den Mundschutz zur Not aufsetzen, das gibt in manchen Situationen vielleicht ein besseres Gefühl“, sagt Zilinski. Bei den kleineren Lerngruppen habe man die Abstände noch einhalten können, um dies auch bei vollen Klassen zu tun, dazu seien die Räume zu knapp bemessen, sagt Zilinski. An das Masketragen hätten sich die Schüler inzwischen gewöhnt und den größeren sei durchaus bewusst, dass das dem Schutz anderer Menschen dient.

Der Unterrichtsumfang beträgt für die beiden unteren Jahrgänge vier Stunden pro Tag, für die dritten und vierten Schuljahre im Schnitt fünf Stunden. Anders als an anderen Schulen müssen die Schulhöfe für die Pausenzeiten nicht aufgeteilt werden. „Wir haben die Pausenzeiten so versetzt, dass die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten auf dem Hof sind und viel Platz haben um sich auszutoben.“ Neben dem Unterricht, für den Zilinski auf das komplette Kollegium zurückgreifen kann, ist auch die OGS-Betreuung gewährleistet. „Nach jetzigem Stand ist es möglich, alle Bedarfe bei den Betreuungszeiten abzudecken“, sagt Zilinski, die auch insgesamt zuversichtlich ist, dass die Rückkehr zum Unterricht in vollen Klassen gelingt: „Das werden wir schaffen.“

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