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 Grundschule hisst weiße Flagge: „Es sind alle am Ende“

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Von: Johannes Opfermann

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Eine weiße Fahne als Symbol der Kapitulation: Die Lehrer der Eschenschule setzen ein Zeichen gegen die Überlastung. Die Eltern verstärken den Protest in den Sozialen Medien.
Eine weiße Fahne als Symbol der Kapitulation: Die Lehrer der Eschenschule setzen ein Zeichen gegen die Überlastung. Die Eltern verstärken den Protest in den Sozialen Medien. © Fischer

Die Eschenschule hisst die weiße Fahne und setzt damit – wie schon viele andere Schulen – ein Zeichen gegen die Überlastung in der Corona-Pandemie. Der kurzfristige Wechsel der Teststrategie hat dabei noch einmal das Fass zum Überlaufen gebracht. Lehrer und Eltern sind sich einig: So geht es nicht mehr.

Plettenberg – Aus einem Klassenfenster der Eschenschule hängt am Donnerstag ein weißes Bettlaken – die symbolische weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation vor einer nicht mehr oder kaum noch zu bewältigenden Corona-Situation. Schon an vielen anderen Schulen in Nordrhein-Westfalen wird auf diese Weise gegen die Überlastung der Schulen protestiert.

Auf Initiative aus der Lehrerschaft habe man sich dem angeschlossen, sagt Schulleiter Nico Schröder. Davon zu sprechen, dass die Schulen am Anschlag arbeiten, reicht schon nicht mehr aus. „Wir sind drüber. Speziell der Dienstag hat ein sehr hohes Maß an Frustration ausgelöst.“ Dass die Medien noch vor den Schulen darüber informiert wurden, dass das Testverfahren umgestellt wurde und dass die Schulen dies dann von einem Tag auf den anderen umsetzen mussten, habe noch einmal zu einer zusätzlichen Belastung geführt.

Die Elternschaft unterstützt den Hilferuf der Schule. Bilder der weißen Fahne werden in Whatsapp-Gruppen, auf Facebook und Instagram vielfach geteilt. „Es sind alle am Ende. Wir Eltern sind das eine, aber die Lehrer und die Kinder leiden einfach darunter“, sagt Daniela Fischer, gewählte Elternvertreterin der Klasse 1b, die ebenso wie andere Elternvertreter den Weiße-Fahnen-Protest in die Sozialen Medien weiterträgt. „Die Lehrer sind fertig, es ist die Hölle hier.“

Dass nun die Lehrer – wegen der schon vorhandenen Mehrbelastung durch Corona ohnehin am Limit – nun auf dem Schulhof die Abstriche bei den Kindern vornehmen müssen, sei nicht mehr nachvollziehbar. „Das ist jetzt zu viel. Das ist nicht tragbar“, sagt Fischer mit Nachdruck.

Nicht nur dass die Kinder 15 bis 20 Minuten draußen stehen müssen und so Unterrichtsstoff verpassen, was in Coronazeiten schon schlimm genug sei. Die Ansteckungsgefahr, während sie 15 bis 20 Minuten auf das Testergebnis waren, sei ebenfalls groß. Lehrer und gesunde Kinder seien bis zur Auswertung des Testens in unmittelbarer Nähe auch der infizierten Kinder.

Vom Ministerium sei es eigentlich vorgesehen, die Testungen in den Klassenräumen zu machen, erklärt Schulleiter Schröder. Doch um die Ansteckungsgefahr in Innenräumen – diese ist bekanntlich größer als draußen – so gering wie möglich zu halten, kommen die Kinder nur zum Testen ins Gebäude und warten dann draußen auf das Ergebnis. „Das war für uns die einzige Möglichkeit, es guten Gewissens zu machen“, begründet Schröder das Vorgehen. Solange das Wetter dies zulasse, wolle man so verfahren.

Momentan gibt es an der Eschenschule 14 Coronafälle, hinzukämen Kinder, deren Geschwisterkinder infiziert seien. Betroffen seien aber alle Klassen. Bei einem positiven Schnelltest würden direkt die Eltern informiert, um das Kind abzuholen. Doch nicht immer ließen sich – so habe er es von anderen Schulen erfahren – die Coronafälle per Schnelltest aus einem positiven Pool-Test herausfiltern, so Schröder.

Die Hoffnung, dass der Protest gegen die Überlastung der Schulen Wirkung zeigt, ist gerade bei den Eltern groß. „Es muss dringend was passieren“, findet Daniela Fischer. Denn so, wie es jetzt laufe, gehe es auf Kosten der Lehrer und besonders der Kinder. „Es wird unfair. Die kleinen Mäuse stecken so viel zurück. Denen wird alles genommen und jetzt auch noch die Schule.“ Wenn nämlich immer mehr Kinder in Quarantäne müssen. Die Plettenbergerin hofft, dass die Politik durch den Protest aufgerüttelt wird und sich Alternativen einfallen lässt.

Kreisweit werden weiße Fahnen an den Schulen gehisst

„Das Schulministerium lässt uns hängen. Wir hissen die weiße Fahne.“ Mit diesen Worten und jeder Menge weißer Flaggen beteiligten sich in den vergangenen Tagen unter anderem auch Lüdenscheider Grundschulen an der landesweiten Protestaktion, um zu zeigen: „Die Lehrerschaft ist am Limit.“ Wünschen würden sich die Pädagogen personelle Unterstützung in Bezug auf die Tests. „Wenn das eine ausgebildete Person an der Schule übernehmen könnte, dann wäre allen schon viel geholfen.“

Auch in Kierspe wurde an der Pestalozzischule die weiße Fahne gehisst, gemeint als Zeichen für „Wir kapitulieren bald!“ Für Schulleiter Thomas Block war es „der Tiefpunkt der Corona-Pandemie“, eine Katastrophe, nachdem die Grundschulen am späten Dienstagabend darüber informiert wurden, dass man sich von den Lolli-Tests 2.0 wieder verabschiede und stattdessen – bei einem positiven Pool – auf Schnelltests setze.

Auch an der Fassade der Regenbogenschule Halver hing eine weiße Fahne. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Schulleiter Daniel Riegel und folgte mit der Schulaktion dem Appell der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Riegel ist der Meinung, dass die Testungen von externen Personen durchgeführt werden müssten: „Wir haben das Gefühl wir sind ein Testcenter.“ Präsenzunterricht soll durch die Testungen zwar gewährleistet werden, „aber er leidet darunter“, sagte Riegel deutlich.

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