Attacke auf dem Maiplatz

Grundlos auf Frau eingeschlagen: Plettenberger in psychiatrische Klinik eingewiesen

Eine junge Frau wurde von einem Plettenberger auf dem Maiplatz attackiert.
+
Eine junge Frau wurde von einem Plettenberger auf dem Maiplatz attackiert.

Eine Attacke auf eine junge Frau mitten in der Plettenberger Innenstadt sorgt derzeit bei vielen Bürgern für Verunsicherung. Ein Mann war gezielt und mit erhobener Faust auf die Frau zugestürmt, obwohl er sie offenbar gar nicht kannte. So berichtet es auch die Polizei, die nun wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung ermittelt.

Plettenberg – Der Vorfall, der sich am Donnerstag, 29. April ereignete, geschah am helllichten Tag um 15.51 Uhr mitten auf dem Maiplatz, auf dem das 36-jährige Opfer in der Warteschlange der dortigen Apotheke stand. Nach Angaben der Polizei sei der Tatverdächtige zu diesem Zeitpunkt mit einer anderen Person, laut Polizei wahrscheinlich seinem Vater, unterwegs gewesen. Laut Zeugenberichten habe sich der Tatverdächtige dann von dieser Person losgerissen und sei dann „schreiend und mit erhobener Faust“ auf die Warteschlange zugelaufen.

„Nicht mit gerechnet“

Erst im letzten Moment habe die 36-Jährige erkannt, dass der Mann direkt auf sie zusteuerte. Sie habe die Arme zur Abwehr gehoben und konnte sich danach nur noch daran erinnern, dass sie verletzt auf dem Boden lag. Während sich Passanten und später auch die Apotheken-Mitarbeiter um die attackierte Frau kümmerten, sei der Tatverdächtige in Richtung Christuskirche davongelaufen.

„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, berichtet die Frau eine Woche nach dem Vorfall im Gespräch mit dem ST. Weil abseits des Vorfalls ihr Großvater noch im Auto auf sie wartete, wollte sie unmittelbar nach der Attacke noch nicht ins Krankenhaus, ließ die medizinische Untersuchung aber wenig später nachholen. Die Diagnose: Zahlreiche Prellungen, unter anderem an Knie, Rippen und Schulter.

Der Tatverdächtige konnte unmittelbar nach der Attacke gestellt werden. In der Schlossergasse unweit der Christuskirche fanden Polizeibeamte den Mann auf. Sie brachten ihn zunächst auf die Wache. Weil er Anzeichen für eine psychische Krankheit zeigte, begleiteten die Polizisten den Mann in Absprache mit dem Ordnungsamt ins Krankenhaus, damit er dort von einem Arzt untersucht werden konnte. Nach dem sogenannten „PsychKG“, also dem psychischen Krankengesetz, das immer dann angewendet wird, wenn jemand sich selbst oder andere Personen gefährdet, wurde er schließlich in die Hans-Prinzhorn-Klinik Hemer, einer Psychiatrie-Fachklinik, eingewiesen.

Wie nun ebenfalls bekannt wurde, war der Tatverdächtige bereits zwei Tage zuvor auffällig in Erscheinung getreten. Ein Augenzeuge, der sich bei der Heimatzeitung gemeldet hat, berichtete, denselben Mann am Abend des 27. April mit einem „großen Küchenmesser“ an der Ohler Straße gesehen zu haben. So wie er habe auch sein Sohn im Grundschulalter aus dem Auto heraus beobachtet, wie der Mann mit seinem Arm schnelle Stich-Bewegungen in die Luft durchgeführt habe. Seinen Sohn beschäftige diese Begebenheit noch immer, berichtet der Augenzeuge. Der Junge habe Angst, dem Mann noch einmal zu begegnen.

„Häufiger aufgefallen“

Die Polizei bestätigte diesen Zeugenhinweis von Dienstag, 27. April, um kurz nach 20 Uhr. Die Beamten seien unmittelbar nach dem Anruf vor Ort gewesen, konnten den beschriebenen Mann mit dem Messer allerdings nicht mehr antreffen.

Überhaupt sei der jetzt Tatverdächtige der Polizei und den Beschäftigten des Ordnungsamtes „schon häufiger aufgefallen“, wie Polizeisprecher Christof Hüls mitteilt. „Das Verhalten von Donnerstag letzter Woche war aber untypisch zu dem, wie wir ihn sonst erlebt haben.“

Zwangseinweisung in die Psychiatrie – wie läuft das ab?

Weil die Freiheit jedes Einzelnen – und damit auch von psychisch oder anderen erkrankten Menschen – eines der höchsten Güter im Grundgesetz ist, braucht es triftige Gründe, eine Person gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik einzuweisen und ihr damit die Freiheit zu entziehen. Grundlage hierfür ist die sogenannten PsychKG, die Psychisch-Kranken-Gesetze. Diese besagen: Eine Person darf nur dann eingewiesen werden, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich oder andere gefährdet. In dem beschriebenen Plettenberger Fall lag diese Gefährdung anderer durch den Angriff vor. Deshalb musste, nachdem der Tatverdächtige von der Polizei gestellt worden ist, das Ordnungsamt hinzugezogen werden, das wiederum die Untersuchung durch einen Arzt anordnen musste. Die Entscheidung, ob und für wie lange der Betroffene in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen wird, trifft innerhalb von 24 Stunden nach der Untersuchung ein Amtsrichter, der auf Grundlage der Gespräche mit dem Arzt, dem Patienten und einem zusätzlich hinzugerufenen Verfahrenspfleger einen Beschluss fasst. Im Eilfall kann die Ordnungsbehörde aber auch selbst die Zwangseinweisung anordnen, zum Beispiel nachts, wenn kein Richter zur Verfügung steht. „Das zuständige Amtsgericht prüft dann unverzüglich die Rechtmäßigkeit der Eilmaßnahme“, erklärt Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel.

Wie lange Patienten gegen ihren Willen eingewiesen werden, lasse sich aus Datenschutzgründen weder für den Einzelfall aus Plettenberg, noch pauschal beantworten, sagt der Ärztliche Direktor der Hans-Prinzhorn-Klinik Hemer, Dr. Patrick Debbelt. „Das geht von einem Tag bis hin zu vier bis fünf Wochen.“ Im Zentrum stehe immer die Frage: Geht von dem Patienten noch eine Gefährdung für sich und andere aus? Sobald die Ärzte vor Ort bei ihren regelmäßigen Untersuchungen feststellen, dass diese Gefahr gegenwärtig nicht mehr von der Person ausgeht, wird das Gericht informiert; der Beschluss muss dann umgehend aufgehoben, der Person ihr Recht auf Freiheit zurückgegeben werden. Alles, was die Klinik-Ärzte dann noch machen können, ist, dem Patienten ein Therapieangebot auf freiwilliger Basis vorzuschlagen, „womit wir auch viele Patienten erreichen können“, sagt Dr. Debbelt.

Einen entscheidenden Faktor bei der Beurteilung, ob jemand eine Gefahr für sich oder andere darstellt, spielt dabei übrigens das eben genutzte Wörtchen „gegenwärtig“. Dr. Debbelt nennt ein Beispiel: Wenn jemand ein Alkoholproblem habe und im Rausch andere Menschen gefährdet, nüchtern aber keiner Fliege etwas zuleide tut, dann müsse die Klinik den Patienten entlassen, wenn er wieder nüchtern ist – auch wenn die Ärzte wissen, dass er betrunken wieder eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. So will es die Gesetzeslage. „Natürlich ist das unbefriedigend“, sagt Dr. Debbelt, aber ein Beschluss für eine Zwangseinweisung sei eben kein (Gerichts-)Urteil.

Sollte eine Gefährdung wegen einer psychischen Erkrankung häufiger auftreten, haben das Gericht, die Klinik und auch Angehörige die Möglichkeit, die betroffene Person in Betreuung zu setzen. Dann wiederum gilt nicht mehr die PsychKG, sondern das Betreuungsgesetz, nach dem der gesetzliche Betreuer die Zwangseinweisung anordnen kann, erklärt Dr. Debbelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare